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Fußball: Barça gegen Real:Ruckelbilder für Liebhaber

Laola1tv fungiert als Plattform, die seit 2007 gemeinsam mit der Münchner Sports Media Group und der spanischen Vermarktungsagentur Media Pro die Bilder aus der Primera División bereitstellt. Auch stellte die Firma für die deutsche Fußball-Nationalelf ein Fan-Portal auf.

Barcelona v Real Madrid - La Liga

Spektakuläre Szenen lieferte das Spiel zu Genüge - doch zu sehen war die Partie Barcelona gegen Madrid nur im Netz.

(Foto: Getty Images)

Um 20.30 Uhr am Montag reichte ein Klick auf den angebotenen Link, um einen Flash-Player zu öffnen, der die Live-Bilder zum spanischen Topspiel liefern sollte. Nach anfänglichen Ruckelbildern und dem Hinweis des österreichischen Kommentators Philipp Paternina, nach Öffnen des Streams nicht mehr auf der Seite herumzudrücken, sendete Laola1tv in einem Fenster einen wenig kompetenten, aber immerhin sichtbaren Vorlauf zum groß angekündigten "El Clásico". Dass es sich um einen wahren Klassiker handelte, wurde immer wieder etwas umständlich erklärt - "der Clásico" oder "beim Clásico" hätte es anstatt der holprigen Bezeichnung "bei el Clásico" auch getan und wäre der deutschen Sprache sicher gerechter geworden.

Diese Defizite schienen vor lauter Begeisterung, darüber, dass überhaupt laufende Bilder zu sehen waren, sogar beim Zentralorgan der deutschen Fußballkultur unterzugehen. Im Liveticker der Fußballzeitschrift 11Freunde, sonst eine Bank in Fragen sicherer und schlagfertiger Analyse, wurde die Übertragung ziemlich ironiefrei bejubelt: "Laola1tv zeigt eine Vorschau, die man sich auch mal im deutschen Fernsehen wünschen würde: Ruhig, sachlich, ohne Effekthascherei, ohne Marcel Reif. Was lernen wir daraus? Wenig Budget ist manchmal gar nicht so schlecht." In Wahrheit ließ der halbseidene Kommentar tatsächlich zu wünschen übrig.

2,2 Millionen Videoabrufe

Dabei ist das Wiener TV-Portal vermutlich nicht so knapp bei Kasse. Wer die TV-Eigenvermarktungsstrategien von Barcelona und Real Madrid kennt, dürfte wissen, dass dort deutlich mehr Geld im Spiel ist als in der Bundesliga.

Auf Anfrage von sueddeutsche.de wollte sich Laola1tv-Marketingsprecher Thomas Widhalm nicht zu den Kosten für die Übertragungsrechte äußern. Er zeigte sich aber stolz, dass "der Clásico mit 2,2 Millionen Videoabrufen für den Sender sehr erfolgreich" verlaufen sei.

Finanziert werden solche teuren Live-Übertragungen über Werbung, die prominente Wettanbieter wie bet-at-home.com auf der Homepage von Laola1tv schalten. Dass der Geldgeber ausgerechnet zur Konkurrenz von Real Madrids Trikotsponsor bwin zählt, dürfte nur eine Randnotiz gewesen sein.

Für die Hartgesottenen geht es an diesem Dienstagabend bei Laola1tv direkt live weiter: Auf dem Programm steht unter anderem der Vergleich zwischen MC-Carnaghi Villa Cortese (Italien) gegen VK Modranska Prostejov (Tschechien) aus der Champions League im Frauen-Volleyball. Online-TV ist eben auch was für Liebhaber.

© sueddeutsche.de/jbe/jja
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