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Fußball im Pott:Aufschwung West

Dortmund steht vor der Meisterschaft, Schalke im Halbfinale der Champions League und im DFB-Pokalfinale - gegen Duisburg. Bochum und Essen könnten aufsteigen. Nach einem schwarzen Jahrzehnt geht im Westen wieder die Sonne auf.

Die Autobahnen 40 und 42, alias Ruhr- und Emscherschnellweg, leiten durch jenen Ballungsraum, der Europas Kulturhauptstadt 2010 war und 2011 zur Fußball-Hauptstadt Deutschlands aufsteigt: das Ruhrgebiet. Die Straßen eignen sich prima für Autotourismus, mit freier Sicht auf die Industrielandschaften des Reviers, auf Denkmäler der Kohle- und Stahl-Ära und die neue Architektur des Strukturwandels.

FC Schalke 04 - Inter Mailand

Schalke gewinnt - und die Fans jubeln mit Raúl. Die Fußballverrückten im Ruhrpott haben derzeit einiges zu feiern.

(Foto: dapd)

Und: auf die Freudentempel der Fußballvereine, die sich hier so nah aneinanderreihen wie anderswo Supermärkte. Da gibt es ebenfalls graue und moderne Bauten. Mittwochabend, als Schalke in seiner mondänen Arena ins Champions-League-Halbfinale vorstieß, brannte auch an der Hafenstraße in Essen das Flutlicht. Dort wohnt Rot-Weiß, der Verein von Ente Lippens, im alten Georg-Melches-Stadion.

Selbst in der Wirtschaftsmetropole Essen, deren Fußballtradition kratertief versunken ist, sehen die Fans wieder Land: Rot-Weiß, chronisch notleidend, bekommt bald ein neues Stadion und ist Tabellenführer der fünftklassigen NRW-Liga, was zumindest wieder die Zulassung zur Regionalliga brächte. Die Lokalrivalen rüsten sich derweil für Partys in noch viel wuchtigeren Dimensionen.

Der Deutsche Meister soll Mitte Mai von gelbschwarz Kostümierten am Dortmunder Friedensplatz bejubelt werden. Der Umzug für den Pokalsieger folgt eine Woche später auf den Straßen von Gelsenkirchen. Oder, falls das Endspiel in der Fußballkleinstadt Berlin unerwartet verläuft, in Duisburg. Dort, in der Heimat von Kommissar Schimanski, sind die Menschen froh, dass ihr Meidericher Spielverein (MSV) ein Jahr nach der Love-Parade-Katastrophe die Stadt wieder positiv darstellt. Fast schon eine Fußnote: Einige Kilometer weiter steht der VfL Bochum vor dem x-ten Erstliga-Aufstieg.

Für Millionen Fußball-Verrückte dort, deren sozialer Kitt die Liebe zu ihrem Klub ist, ist er ein Segen: der Wiederaufschwung West im deutschen Fußball, den an den Ausläufern der Metropolregion Rhein/Ruhr Leverkusen als Liga-Zweiter abrundet. Seit 1978, als goldene Jahre von Gladbach und Köln endeten, kam der Meister in 29 von 32 Spielzeiten aus dem Norden oder Süden der Republik (außer dreimal: Dortmund).

Nun, nach einem schwarzen Jahrzehnt, geht die Sonne wieder im Westen auf und strahl hell wie 1997, als Schalke (Uefa-Cup-Sieg) und Dortmund (Champions League) binnen einer Woche Europa erobert hatten. Sollte Schalke nun sogar international wieder Heroisches schaffen, dann brechen im Mai alle Dämme.

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