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Fußball:An der Schwelle zur Copa Corona

Real Madrid, Juventus Turin, Flamengo Rio de Janeiro: Immer mehr Fußballteams stehen unter Quarantäne. Auch die Hertha meldet einen Fall.

Von Javier Cáceres, Berlin

Zu den Dingen, über die es in diesen Tagen noch Gewissheit gibt, zählen Infektionen von Fußballern oder Trainern mit dem Coronavirus. Im Stundentakt werden sie gemeldet - mit Folgen. Ihre Mannschaften werden unter häusliche Quarantäne gestellt. Die unvollständige Liste der betroffenen Klubs reicht von Juventus Turin samt Cristiano Ronaldo, Sami Khedira und dem am Dienstag positiv getesteten Weltmeister Blaise Matuidi, von Real Madrid samt Toni Kroos, dem FC Arsenal, Hannover 96, dem SC Paderborn und dem FC Valencia - bis hin zu Flamengo Rio de Janeiro, dem Sieger der Copa Libertadores. Jorge Jesús, Trainer der früheren Bundesligaprofis Diego und Rafinha, teilte am Montag (Ortszeit) selbst mit, dass er positiv getestet worden sei. Schon am Montag war die Liste der Fälle lang genug, dass man, wie hier und da sarkastisch gewitzelt wurde, einen Corona-Cup einführen könnte. Und am Dienstag wurde die Liste um einen Bundesligisten erweitert: Auch Hertha BSC meldete einen positiven Test.

Wie die Berliner mitteilten, habe ein Profi über die üblichen, wiewohl leichten Symptome geklagt. Den Namen des Betroffenen teilte der Verein nicht mit, unter Verweis auf ärztliche Schweigepflicht und Datenschutz wurden auch Medienspekulationen nicht kommentiert. Dem Spieler gehe es aber besser, hieß es, er sei umgehend von der Gruppe getrennt worden. "Wir werden beobachten, ob noch weitere Fälle dazukommen, denn davon ist der Wiedereinstieg ins Mannschaftstraining abhängig", erklärte Mannschaftsarzt Uli Schleicher. Per Klubmitteilung meldete sich auch Hertha-Manager Michael Preetz zu Wort: "Wir müssen die Situation so annehmen, wie sie ist. Wann die Mannschaft wieder gemeinsam auf dem Platz stehen kann, ist offen." Ähnliches gilt für das Bodenpersonal des Bundesliga-13. Es war schon Ende voriger Woche ins Homeoffice geschickt worden, auch der Fanshop war geschlossen, als die Meldung des positiven Tests kam.

Für Hab-acht-Stellung sorgte die Nachricht zunächst auch bei Werder Bremen, dem letzten Gegner der Hertha. Das dortige Gesundheitsamt allerdings gab Entwarnung: Quarantäne nicht nötig, das Spiel liegt lange genug zurück.

Welche Unwägbarkeiten auch zurückliegende Spiele derzeit aber bieten können, illustriert das Beispiel von FC Valencia und Atalanta Bergamo. Unlängst waren beide Mannschaften aus den Corona-Hotspots Spaniens und Italiens im Achtelfinale der Champions League aufeinandergetroffen. Der FC Valencia reiste nach Italien zum Hinspiel und verlor in Mailand - in der "Roten Zone" also - vor rund 44 000 Zuschauern mit 1:4. Das Rückspiel endete vor leeren Rängen mit einem 4:3-Sieg für Atalanta. Danach überschlugen sich die Ereignisse.

Vor wenigen Tagen meldete der FC Valencia, dass fünf Spieler der Mannschaft infiziert seien und das ganze Team unter häuslicher Quarantäne stehe. Atalanta Bergamo zog nach. Die Profis mit familiärer Anbindung in Bergamo durften zu ihren Angehörigen. Die "Singles" wurden, auch wenn sie in der Ferne Frauen und Kinder haben sollten, am Sonntag auf dem vereinseigenen Gelände untergebracht. Einigermaßen Auslauf haben sie dort: Die Sportstadt von Atalanta Bergamo ist, Sportplätze inklusive, 120 000 Quadratmeter groß.

Das klingt viel, ist aber auch nur ein Zehntel dessen, was Real Madrid in Valdebebas, vor den Toren der spanischen Hauptstadt, zur Verfügung steht. Die Sportstadt des spanischen Rekordmeisters war schon vor Tagen geschlossen worden, nach einem positiven Test bei einem Spieler aus der Basketball-Abteilung. Die Korbjäger von Real Madrid, die seit Jahrzehnten ein europäisches Spitzenteam stellen, nutzen die selben Anlagen wie die Fußballer.

Zu den Betroffenen bei Real Madrid zählt der deutsche Nationalspieler Toni Kroos, er erhielt wie der Rest der Mannschaft Hausaufgaben, um sich fit zu halten. In einer Fernsehsendung von Pro7 gab sich der einstige Bayern-Profi, den Umständen entsprechend, vergnügt. Er esse viel Nudeln und habe noch reichlich Klopapier im Haus, scherzte er.

Ganz grundsätzlich seien Sorgen um seine Lage vergleichsweise unangebracht, sagte er. Er selbst sei in einer privilegierten Situation und wisse darum: "Da gibt es ganz andere", sagte Kroos. Entscheidend sei, "diesen unsichtbaren Feind" namens Coronavirus zu besiegen: "Mir und meiner Familie geht es gut, keine Symptome. Wir sind topfit.

© SZ vom 18.03.2020
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