Die Gespräche zwischen Almuth Schult und dem VfL Wolfsburg haben sich schon eine Weile gezogen, das Thema ist ja für beide Seiten wichtig gewesen und es wurde zudem etwas komplexer. Die Fußball-Nationaltorhüterin ist schon immer vielseitig interessiert gewesen. Und seit sie nach der Weltmeisterschaft 2019 aufgrund einer Schulter-Operation und der Geburt von Zwillingen im Frühjahr 2020 eine ganze Weile nicht mit ihrem Team auf dem Platz stand, hat sie verstärkt gemerkt, was für Möglichkeiten sich ihr eröffnen.
Bei der Fußball-EM der Männer glänzte die 30-Jährige als TV-Expertin für die ARD, sie war Mitinitiatorin der sportpolitischen Frauen-Initiative "Fußball kann mehr" - danach wurde Schult gar als Kandidatin fürs DFB-Präsidium gehandelt -, sie wurde verstärkt zu einer kritischen, äußerst gefragten Stimme und schaffte schließlich die Rückkehr in die Bundesliga als einzige kickende Mama. All das dürfte ihre Überlegungen zu ihrer Zukunft beeinflusst haben. Seit Montag 15 Uhr steht jedenfalls offiziell fest: Schult wird ihre sportliche Heimat im Sommer nach neun Jahren verlassen.
"Nach langen Überlegungen habe ich mich dazu entschieden, meinen Vertrag beim VfL Wolfsburg nicht zu verlängern", wird Schult in der Klub-Mitteilung zitiert. "Es war eine sehr schwere Entscheidung, weil ich weiß, was ich an diesem Verein habe." Schult kam 2013 vom damaligen Bundesligisten SC 07 Bad Neuenahr nach Wolfsburg und gewann mit dem VfL fünfmal die Meisterschaft, siebenmal den DFB-Pokal und gleich in ihrer Premieren-Saison die Champions League.
"Nach sehr vertrauensvollen und offenen Gesprächen über ihre Zukunft haben wir bis zuletzt gehofft, dass Almuth das ihr vorliegende Vertragsangebot annimmt und weiter für den VfL Wolfsburg aufläuft", sagte Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Frauen. "Gleichzeitig respektieren wir aber die Beweggründe, mit Blick auf ihre persönliche Situation einen anderen Weg einzuschlagen." Dass die Vereinbarkeit von Profikarriere und Familie eine Herausforderung ist, hatte Schult nicht verheimlich - gleichwohl aber betont, dass diese zu stemmen sei.
Sie wolle noch nicht vom Abschied sprechen, sagte Schult nun, sondern sich vielmehr auf die Saisonziele konzentrieren. Der VfL ist derzeit mit einem Punkt Vorsprung auf den FC Bayern Tabellenführer. Im Sommer steht außerdem die EM in England an. Ob Almuth Schult nach dem Turnier ihre sportliche Karriere beendet oder sie bei einem anderen Verein fortsetzt, ist noch nicht bekannt.


