bedeckt München 17°
vgwortpixel

Fußball: Affäre um Amerell:"Es geht nicht nur um mich"

Die DFB-Affäre weitet sich aus: Der angeblich belästigte Schiedsrichter Michael Kempter kündigt eine Erklärung an, der Verband hat weitere Referees befragt, neue Zeugen melden sich.

Die Affäre beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) um angeblich belästigte Schiedsrichter weitet sich aus. Referee Michael Kempter will sein Schweigen brechen, und ein weiterer Schiedsrichter hat am Wochenende Manfred Amerell belastet.

Fifa-Referee Michael Kempter (links) und der zurückgetretene Schiedsrichter-Sprecher Manfred Amerell.

(Foto: Foto: Getty)

Kempter, der vom ehemaligen Schiedsrichter-Funktionär Amerell belästigt worden sein soll, hat für die nächsten Tage eine Erklärung angekündigt. "Es ist ein schwebendes Verfahren, daher möchte ich dazu jetzt nichts sagen. Es wird bald eine Erklärung vom DFB geben", sagte der 27-Jährige am Sonntag und fügte hinzu: "Es geht hier nicht nur um mich."

Verschiedene Medien hatten berichtet, dass weitere Unparteiische in der Angelegenheit um den ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichter Amerell vom Deutschen Fußball-Bund angehört worden sein sollen. Dies wurde vom DFB nicht bestätigt. Der 62 Jahre alte Amerell war von allen DFB-Ämtern zurückgetreten, bestreitet aber die Vorwürfe.

"Es wird interessant, was konkret an Vorwürfen kommen wird", sagte Amerells Anwalt Jürgen Langer. Der DFB habe angekündigt, ihm "voraussichtlich am Montag nähere Informationen zu geben". Der DFB bestätigte weitere Zeugenvernehmungen. "Wir haben weitere Anhörungen durchgeführt", erklärte Verbandssprecher Ralf Köttker.

"Wir wollen das nicht weiter kommentieren, für uns steht die Maxime Persönlichkeitsschutz über allem." An diesem Wochenende kam Kempter entgegen der ursprünglichen Ansetzung nicht zum Einsatz. "An Arbeit kann ich derzeit nicht denken", sagte der Bankkaufmann am Sonntag.

Am Wochenende hatte sich mit Udo Konstantopoulos ein Schiedsrichter aus der Bayern-Liga gemeldet, der dem DFB jetzt von Beobachtungen während eines Lehrgangs 2005 in Duisburg berichtet hat. "Es stimmt, ich habe Briefe geschrieben", bestätigte der Referee.

In der Bild am Sonntag hatte Konstantopoulos erklärt: "Ich habe damals zusammen mit einem weiteren Kollegen Beobachtungen gemacht, aber mir noch nichts weiter gedacht. Erst jetzt nach den Veröffentlichungen rückt das Ganze in ein ganz anderes Licht."

Amerell habe immer seine Lieblinge gehabt, "die er bevorzugte und förderte", sagte Konstantopoulos. Seine Äußerungen seien aber "auf gar keinen Fall" Rache an Amerell, "obwohl er meine Karriere nicht gerade gefördert hat." Weiter wollte er sich vor einer Reaktion des DFB nicht äußern.

Auch Vertreter der Bundesliga halten sich zurück. "Solche Gerüchte sind natürlich nie toll. Aber es liegen zu wenig Fakten vor, um die Angelegenheit stichhaltig bewerten zu können", sagte Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs. Der DFB hatte in einer Presseerklärung den Rücktritt Amerells als "richtig und notwendig" bezeichnet, "weil Erkenntnisse vorliegen, die leider die im Raum stehenden Vorwürfe gegen Herrn Amerell bekräftigen".

Als Antwort auf die DFB-Mitteilung hatte Anwalt Langer den Verband aufgefordert, "Ross und Reiter" zu benennen, wann konkret irgendwelche sexuellen oder strafrechtlich relevanten Handlungen vorgenommen worden sein sollen. Der Jurist zeigte sich "erstaunt und überrascht" über die "Vehemenz" in der DFB-Mitteilung. "Wenn strafrechtlich relevante Dinge im Raum stehen, wäre der DFB verpflichtet, zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt die Staatsanwaltschaft einzuschalten", sagte Langer.

Die Behörde in Augsburg hatte erklärt, dass bislang keine Tatsachen bekannt seien, die die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens rechtfertigen. Amerell hatte von einem "sehr guten Verhältnis" und einer "intensiven privaten Freundschaft" zu Kempter berichtet. Der Schiedsrichter aus Sauldorf machte so schnell Karriere wie kein anderer vor ihm. Bei seinem Debüt im August 2006 war er mit 23 Jahren der jüngste Bundesliga-Schiedsrichter. Im Dezember 2009 rückte Michael Kempter in den Kreis der FIFA-Schiedsrichter auf und übernahm den freigewordenen Platz von Herbert Fandel.

© sueddeutsche.de/dpa/hec

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite