Anfang März vermeldete das Westfalenblatt schlechte Nachrichten für die Stadt Paderborn: „Die Zahl der Geburten in 2025 sank deutlich auf 1297 und damit erstmals seit 1985 unter die Marke von 1300.“ Diese Statistik konnte schon chronologisch allerdings nichts mit einer Ende Februar veröffentlichten Mitteilung des örtlichen Fußballklubs SC Paderborn zu tun haben: „Der SCP07 hat 1000 Schnuller an die Paderborner Frauen- und Kinderklinik St. Louise gespendet. So erhält künftig, solange der Vorrat reicht, jedes dort geborene Kind einen SCP07-Schnuller als blau-schwarzes Begrüßungsgeschenk.“
Mit Schnullern, auch Beruhigungssauger genannt, hilft der SC Paderborn den Kleinsten also beim Einschlafen. Im Fachjargon wirkt das non-nutritive Saugen beruhigend auf das parasympathische Nervensystem. Solche Anstrengungen des örtlichen Fußballklubs sind umso bemerkenswerter, als die Paderborner Zweitliga-Mannschaft in der laufenden Saison mit ihren Leistungen eigentlich eher dazu beiträgt, dass manche Menschen in der Stadt nicht mehr so gut schlafen können. Die Aufregung in der ostwestfälischen 157 000-Einwohner-Stadt ist enorm, denn Paderborn besitzt vier Spieltage vor dem Saisonende beste Chancen, nach 2014 und 2019 zum dritten Mal in die Bundesliga aufzusteigen.
Ob zeitlicher Mehraufwand fürs Fußballschauen und themenbezogenes Debattieren mitursächlich sind für sinkende Geburtenzahlen, das ist bislang nicht Gegenstand empirischer Erhebungen. Über die unmittelbare Korrelation von Ballsport und Beischlaf ist ebenfalls wenig bekannt. Es wird interessant sein, im kommenden Jahr zu erfahren, wie sich die Paderborner Geburtenzahl 2026 im Spannungsfeld zwischen Fußballdramatik und Schnullerbeihilfe entwickelt. Sollte der SC Paderborn in den kommenden Wochen unglücklich am Bundesliga-Aufstieg scheitern, dann wäre wohl nicht einmal auszuschließen, dass sogar ausgewachsene Ultras entnervt zum blau-schwarzen Beruhigungssauger greifen.

