FC Ingolstadt 04:Mehr Kaninchen als Schlange

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FC Ingolstadt 04: Sitzfußball in Heidenheim: Ingolstadts Stefan Kutschke (vorne) mit Marnon Busch.

Sitzfußball in Heidenheim: Ingolstadts Stefan Kutschke (vorne) mit Marnon Busch.

(Foto: Stefan Puchner/dpa)

Zum Start in die Restrunde verliert der FC Ingolstadt nach einem Patzer des neuen Torwarts Stojanovic beim 1. FC Heidenheim unglücklich. Mut im Kampf gegen den Abstieg macht dem Trainer Rüdiger Rehm jedoch die Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit.

Von Johannes Kirchmeier

Rüdiger Rehm schwang seinen linken Arm heftig durch die Luft der Heidenheimer Arena, er schrie in Richtung des Schiedsrichter-Teams. Der Trainer des FC Ingolstadt 04 war am Sonntagnachmittag augenscheinlich unzufrieden, kurz nach dem Schlusspfiff auf der Schwäbischen Alb. Er suchte daraufhin den direkten Weg zum Referee Christof Günsch und diskutierte noch etwa eine Minute lang mit ihm und seinen Assistenten, ehe er dann doch mit seinen Schultern zuckte und merkte: Bringt alles nichts mehr. Sein Team hat den Start in die 16 Spiele lange Rest-Rückrunde in der zweiten Fußball-Bundesliga eben nicht erfolgreich gestalten können. Denn der FC Ingolstadt verlor nach einem Fehler seines neuen Torwarts Dejan Stojanovic unglücklich 1:2 (0:1) beim 1. FC Heidenheim und bleibt damit abgeschlagener Tabellenletzter, die Schwaben dagegen springen auf Tabellenrang drei.

"Es ist nun mal so, dass, wenn Fehler passieren, auch Gegentore passieren. Das war eben der Fall", sagte Rehm. Stojanovic, ansonsten sicher beim Debüt, ließ in der 51. Minute einen zwar abgefälschten, aber dennoch harmlosen Weitschuss von Tobias Mohr ins kurze Eck zum Endstand passieren. Ihm tue es leid für die Mannschaft, sagte der Österreicher hinterher: "Das war ein Ball, den ich haben muss, das nehme ich voll auf meine Kappe." Stojanovic hatte in der vergangenen Saison den FC St. Pauli als sicherer Rückhalt aus der Abstiegszone geführt und war nun an Silvester per Leihe aus Middlesbrough gekommen. In Ingolstadt löste er den vormaligen Stammtorhüter Fabijan Buntic direkt ab, Buntic stand am Sonntag nicht einmal im Kader. So oder so fand Rehm allerdings: "Ein Quäntchen mehr Glück, dann haben wir die Möglichkeit auf den Ausgleich."

Was ihn nach Abpfiff so sehr aufregte? Er vermutete kurz vor dem Ende wohl exakt dieses Quäntchen. Zumindest hätte er noch gerne auf das Ergebnis des letzten Flankenballs von Dominik Franke in den Strafraum gewartet, das Günsch dem FCI verwehrte. Just als Franke mit seinem linken Fuß ausholte, blies der Schiedsrichter in seine Pfeife. Als der Ball danach im Sechzehner ankam, war die Partie also abgepfiffen. So erlebte Rehm nun in seinem dritten Pflichtspiel mit Ingolstadt seine zweite Niederlage nach dem 1:2 gegen Hannover und dem 3:0 gegen Dynamo Dresden vor der Winterpause. Die schlechte Nachricht für den Aufsteiger: Zehn Punkte nach 19 Spieltagen reichten noch nie für den Klassenverbleib.

Die Konkurrenz konnte die Ausgangslage im Kampf gegen den Abstieg nicht groß verändern

Aber wenigstens auch eine gute Nachricht hielt das Wochenende für den FCI bereit: Die Konkurrenz konnte die Ausgangslage im Kampf gegen den Abstieg nicht groß verändern, es bleibt bei sieben Punkten Rückstand auf den Relegations- und zehn Zählern auf einen Nichtabstiegsplatz.

Die Marschrichtung gab Rehm, ganz der Motivator, als der er bekannt ist, bereits vor der Partie am Sonntag vor: "Was war, ist vorbei und vergessen. Wir müssen gucken, dass wir jetzt eine sehr, sehr gute Rückrunde spielen." Wie eine lauernde Viper wollen die Ingolstädter die Gelegenheiten, die sich ihnen bieten, ergreifen, um die Aufholjagd noch zu schaffen. Insofern verwunderte es dann schon, dass Rehm seiner Mannschaft eine radikal defensive Taktik verordnete: Abwarten statt Angreifen - viel mehr Kaninchen als Schlange - war das oberbayerische Motto der ersten Hälfte in Heidenheim. FCH-Torwart Kevin Müller musste keinen Torschuss abwehren, auf der anderen Seite traf der frühere Ingolstädter Robert Leipertz mit einem starken Kopfball aus acht Metern - Stojanovic blieb keine Abwehrchance, der Ball sprang vom Innenpfosten ins Tor (30. Minute).

Danach kamen die elf Ingolstädter deutlich Viper-hafter aus der Kabine. "Wir haben uns geschworen, dass wir den Gegner aktiver bearbeiten wollen", berichtete der Coach. Und das gelang: Christian Gebauer köpfte den Ball Sekunden nach dem Wiederanpfiff neben das Tor. Kurz darauf machte er es besser und traf nach einer feinen Kombination über Patrick Schmidt, der im Hinspiel noch ein Tor für den FCH erzielt hatte, und Marcel Gaus per Kopf zum 1:1 (47.). Vier Minuten später nutzte Mohr Stojanovics Fauxpas jedoch dann zur erneuten Führung.

Dennoch: Das Spiel war plötzlich offen, auf beiden Seiten hätten in dieser zweiten Hälfte weitere Tore fallen können, Franke etwa rettete kurz vor der Torlinie gegen Norman Theuerkauf (60.). Ein Punkt wäre aber ebenso nicht unverdient für die Ingolstädter gewesen nach ihren guten Chancen von Merlin Röhl (79.) und Nils Röseler (82.). Die "Art und Weise, wie wir Fußball spielen", fand Rehm deshalb ermutigend für die nächsten Wochen. "Wir orientieren uns an der zweiten Halbzeit und versuchen, diese in unsere Köpfe hineinzubringen."

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