Fußball:Nun herrscht die große Leere

"Immer noch keine Einigung", teilte Ismaik der SZ um 14.24 per Whatsapp mit - und dann kam die "4". Um 16.30 Uhr trat am Klubgelände Vizepräsident Schmidt vor die Presse, rundherum standen Fans und sangen das bekannte Lied, das davon handelt, dass sie weder den Investor noch sein Geld zu schätzen wissen. Schmidt zeigte sich von Ismaiks schneller Mitteilung verblüfft: "Normalerweise ist es so, dass der DFB es als Erster vermeldet. So war es auch vereinbart", sagte er: "Wir haben keine Lizenz für die dritte Liga. Wir können aus rechtlicher Sicht nicht sagen, wie es weitergeht."

Nun herrscht die ganz große Leere überall. Für viele hörte sich die Aussage von HAM International nicht ermutigend an: "Herr Ismaik wird den Klub auch in der 4. oder 5. Liga unterstützen und notwendige Veränderungen vorantreiben. Seine emotionale Bindung zu 1860 und seine Loyalität gegenüber den Fans bleibt stark." Genau dies könnte jedoch dazu führen, dass die Probleme und Querelen auch in der Amateurliga längst nicht zu Ende sind.

Rainer Koch, der Vorsitzende des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), erklärte am Freitagabend zwar in einer improvisierten Pressekonferenz mit Schmidt und Sitzberger, dass er den TSV 1860 München grundsätzlich in der Fußball-Regionalliga Bayern aufnehmen wolle; er sprach aber auch noch über eine Reihe von Problemen. "Unser wichtigster Wunsch ist, dass 1860 schnellstmöglich wieder einen Geschäftsführer als Ansprechpartner hat, der uns gegenüber einen Antrag stellen kann, in welcher Liga der Verein spielen möchte", erklärte Koch: "Für den Antrag wird sicher eine Frist gesetzt werden."

Bayerischer Fußball-Verband gibt keine Zustimmung zu Ismaiks Forderungen

Schon da liegt der Hund begraben: Im Beirat der KGaA, der den Geschäftsführer bestimmt, herrscht eine Pattsituation. Die e.V.-Vertreter verhindern Powers Rückkehr und haben zwei Vorschläge für den Posten gemacht, die die Investorenseite abgelehnt hat. "Wir konnten uns bisher nicht einigen", sagte Schmidt und erklärte den wahrscheinlichsten Fall: "Wenn es keine Einigung gibt, dann ist der Weg, einen Notvorstand bestellen zu lassen."

Zudem erklärte Koch unmissverständlich, dass es auch vom Bayerischen Fußball-Verband keine Zustimmung zu Ismaiks Forderungen geben werde. Zur Überführung der kompletten Jugendabteilung in die KGaA erklärte Koch: "Ich möchte Herrn Ismaik in aller Deutlichkeit sagen: So lange 1860 in der Regionalliga Bayern spielt, wird das nicht passieren. Wer solche Forderungen stellt, hat keinen Platz." Der BFV werde es "auf keinen Fall dulden, dass 1860 unter Druck gesetzt oder von außen rechtlich beherrscht werden soll. Das würde zur Verweigerung der Lizenz führen. In allen Ligen gilt 50+1."

Eine Insolvenz ist nicht auszuschließen

Eine Satzungsänderung zu diesem Thema hatte der BFV erst einen Tag zuvor in einem Umlaufverfahren beschlossen; Aspekte der 50+1-Regel, die vorher über einen Verweis im Zulassungsvertrag zur Regionalliga für die vierte Spielklasse Bestand hatten, wurden zusätzlich auch noch in die BFV-Satzung aufgenommen. "Wir haben die aktuelle Diskussion zum Anlass genommen, dieses Thema noch deutlicher zu machen, um keinen Interpretationsspielraum zuzulassen", erklärte BFV-Pressesprecher Thomas Müther gegenüber der SZ die kurzfristige Änderung.

Ein Abschied Ismaiks und eine Insolvenz, zumindest der KGaA, ist unter diesen Rahmenbedingungen nicht auszuschließen. "Es ist Sache des neuen Geschäftsführers, das schnell festzustellen", sagte Schmidt: "Eine Überschuldung liegt vor, bei einer positiven Fortführungsprognose ist sie aber kein Insolvenzgrund."

Von einer positiven Fortführung dieser KGaA auszugehen, dürfte allerdings schwer fallen. Sitzberger, der lange geschwiegen hatte, wurde dann noch gefragt, wie er es fände, falls Ismaik die Zusammenarbeit beendet. Er antwortete: "Also, mir macht das nix aus, wenn er geht."

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