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Fußball:1860-Investor Ismaik attackiert Hoeneß

TSV 1860 München

Hasan Ismaik, Aufsichtsratsvorsitzender und Hauptanteilseigner des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München.

(Foto: dpa)
  • Zwischen Bayern-Präsident Uli Hoeneß und 1860-Investor Hasan Ismaik ist ein heftiger Streit entbrannt.
  • Es geht um den Bau des Fußballstadions in Fröttmaning und um den öffentlichen Spott von Hoeneß.
  • Der zurückgetretene 1860-Verwaltungsbeirat Christian Waggershauser stellt zudem in Frage, ob beim niedrigen Verkaufspreis der 1860-Stadionanteile alles mit rechten Dingen zugegangen sei.

Hasan Ismaik, Investor und Mehrheitseigner des TSV 1860 München, hat auf den Spott von Uli Hoeneß reagiert. Der Präsident des FC Bayern hatte dem Fußball-Zweitligisten zuletzt geraten, den kommenden US-Präsidenten und Immobilien-Unternehmer Donald Trump zu fragen, ob er dem Klub ein neues Stadion bauen wolle. Zudem hatte Hoeneß bei einem Fanklub-Besuch in Wunsiedel den Lokalrivalen "schwindsüchtig" genannt.

Ismaik antwortete nun auf seiner Facebook-Seite: "Wer glaubt Hoeneß eigentlich zu sein?" Er solle nicht ablenken, weil derzeit ein Aufsteiger aus Leipzig auf Platz eins der Bundesliga stehe. "An Hoeneß' Stelle wäre eigentlich Demut angebracht, stattdessen versucht er sich auf unsere Kosten lustig zu machen. Hat er in den letzten Jahren nichts dazu gelernt? Ich habe seine Arbeit immer respektiert, aber jetzt hat er den Bogen überspannt."

Auch die Stadionfrage beschäftigt wieder einmal die Fußballstadt München. Am Samstag hatte der zurückgetretene Verwaltungsbeirat Christian Waggershauser die Historie der Fröttmaninger Arena im Interview mit der Süddeutschen Zeitung aufgerollt. "Tatsache ist, dass der FC Bayern ohne 1860 noch heute im Olympiastadion oder außerhalb Münchens in der Pampa spielen müsste. Weil nach EU-Recht die Stadt und der Freistaat 200 Millionen Euro direkte Subvention für Infrastruktur gezahlt haben, so dass dort bis vor Kurzem zwingend zwei verschiedene Vereine spielen mussten. Das Grundstück wurde auch vergünstigt hergegeben, weil nicht nur ein Klub davon profitierte."

Nach dem Abstieg 2004 war 1860 in finanzielle Nöte geraten, der Klub verkaufte dann unter dem Geschäftsführer Stefan Ziffzer seine 50 Prozent der Stadionanteile für etwa 11,3 Millionen Euro an den FC Bayern. Die Aufgabe der Rückkauf-Option brachte weitere 1,3 Millionen Euro ein. Ein halbes Fußballstadion für 12,6 Millionen Euro? Dieses Geschäft führt immer wieder zu Debatten.

Ziffzers enge Bande zum FC Bayern?

Waggershauser deutete im SZ-Interview an, dass Ziffzers Bande zum FC Bayern eng waren. "Der Vertrag von Ziffzer musste ja auf Druck der Bayern verlängert werden, obwohl uns das Wasser bis zum Hals stand. Und er hatte wirklich einen hoch dotierten Vertrag." Hasan Ismaik stellt nun wiederholt die Frage: "Warum haben wir 50 Prozent an der Allianz Arena für die lächerliche Summe von rund 11 Millionen Euro an den FC Bayern abgegeben? Ist der Verkauf der Anteile mit rechten Dingen zugegangen? Ich denke: Nein!" Sollte es der Wunsch der Mitglieder und der Fans sein, den Fall noch einmal aufzurollen, werde er "die besten Anwälte einschalten, um die Wahrheit ans Licht zu bringen".

Hoeneß dagegen erklärte in Wunsiedel, dass der FC Bayern nur auf Druck des damaligen Oberbürgermeisters und 1860-Funktionärs Christian Ude den Lokalrivalen überhaupt als Partner akzeptieren musste. "Jeder weiß, dass es schwierig war, mit einem schwindsüchtigen Partner ein solches Stadion zu bauen."

Entscheidend war allerdings auch ein Münchner Bürgerentscheid im Oktober 2001, weil rund um das Stadion eine neue Infrastruktur entstehen musste. Die Autobahnzufahrt und die Verlängerung der U-Bahn-Linie 6 etwa sollte die öffentliche Hand bezahlen. Fast zwei Drittel der Wähler stimmten dafür. Ohne die Beteiligung beider Vereine wäre das Ergebnis wohl knapper ausgefallen.

© SZ.de/jbe/stein

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