bedeckt München 14°
vgwortpixel

Fußball: 1. FC Köln:Ein Kontrastprogramm mit Namen Soldo

Der neue Trainer des 1. FC Köln verkörpert das Gegenteil seines Vorgängers Christoph Daum: Solidität und Disziplin. Auch den Spielern gefällt das.

Zvonimir Soldo, 42, braucht nicht viele Worte, um einen Eindruck seines schnörkellosen Lebens- und Arbeitsstils zu vermitteln. Man muss ihn bloß eine Weile auf dem Übungsplatz beobachten, um zu verstehen, dass der neue Cheftrainer des 1. FC Köln kein Mann der Ausschweifungen ist. Dort steht er, groß und breitschultrig, die mächtigen Arme verschränkt, im Zentrum der Rasenfläche wie ein eisernes Monument seiner selbst, und erst bei peniblem Hinsehen erschließt sich, dass er ab und zu ein paar Schritte nach links und ein paar Schritte nach rechts unternimmt.

Kölns Trainer Zvonimir Soldo ist ein Kontrastprogramm zu seinem Vorgänger Christoph Daum.

(Foto: Foto: Reuters)

Ein alter Wüstenlöwe zur Mittagszeit bewegt sich lebhafter. Manchmal wendet sich Soldo auch seinem Assistenten Michael Henke zu, aber nach den ersten Erfahrungen der ständigen Beobachter wird er ihm dabei nur das Nötigste mitgeteilt haben. Mehr Worte pflegt er gewöhnlich nicht zu machen.

In dem ersten großen Interview, das den Lesern des Express den Menschen Zvonimir Soldo näher bringen soll, antwortet der neue Trainer des 1. FC Köln auf die Frage nach seinen privaten Vergnügungen: "Ich höre schon mal Musik. Oder ich treffe mich mit Freunden zu einem guten Essen und einem Glas Wein." Das klingt nach einem Mann, der sein Leben in einem soliden Gleichgewicht zu halten weiß, vor allem aber klingt es nach einem Mann, der mit Christoph Daum wenig gemeinsam hat.

Tatsächlich hat der FC ein drastisches Kontrastprogramm gewählt, um Daums Erbe fortzuführen. Während Soldo auch als Trainer der stille Spielgestalter zu sein scheint, als der er sich in zehn Jahren im defensiven Mittelfeld des VfB Stuttgart bekannt gemacht hat, hat Daum durch die Dominanz seiner Person den Fußball des FC gelegentlich zur Nebensache degradiert. Sein Ein-Mann-Theater war der ständige Segen der Kölner Boulevardpresse, die Garantie einer täglichen reichen Ernte.

Von Montag bis Sonntag hat er die Seiten gefüllt mit seinen Monologen und Thesen, Launen und Selbstinszenierungen, und diese Zeit, das ist den Betroffenen bereits klar geworden, ist nun unwiderruflich vorbei. Als Daum vor sechs Wochen Hals über Kopf sein Engagement kündigte, um ein märchenhaft dotiertes Angebot von Fenerbahce Istanbul anzunehmen, da hat der Manager Michael Meier gewusst, dass der Klub nicht nur sportlich in eine neue Zeit eintreten würde: "Christoph Daum hat sich bewusst in den Mittelpunkt gestellt, dadurch hat er den Spielern viel Schutz geboten. Er stand im Licht, und sie konnten ruhig arbeiten."

Unter Soldos mutmaßlich nüchternem Regiment wird sich das Verhältnis der Debatten mit Sicherheit ändern. Der neue Trainer wird weniger Aufmerksamkeit auf sich und seine Worte lenken, aber das muss kein Schaden für den Verein sein. Womöglich hat Christoph Daum durch seinen plötzlichen Fortgang den FCK sogar zu seinem Glück gezwungen, denn die Erfolge des Trainers - der Aufstieg in die erste Liga und der Klassenerhalt in der vorigen Saison - standen in einem Missverhältnis zu den fußballerischen Fortschritten der Mannschaft. Mit der Entwicklung der Spieler, sowohl der Nachwuchskräfte wie der technisch versierten Profis Mohamad, Ehret oder Geromel, waren Insider im Verein nicht zufrieden - nur gesagt hat das keiner, denn einen Konflikt mit Daum hat keiner riskieren wollen.

Abgesehen davon, dass es üblich ist, den neuen Trainer als den besten zu preisen, den man je erlebt hat, ist den Äußerungen der Kölner Spieler über den Wandel auf der Trainerbank Glauben zu schenken. "Er ist ein komplett anderer Typ. Er steht auf Disziplin und Ordnung", sagt zum Beispiel der Mittelfeldspieler Kevin Pezzoni. "Man merkt, er hat klare Vorstellungen", hat der portugiesische Routinier Petit nach ein paar Tagen festgestellt und den Schluss gezogen: "Das gefällt mir."

Selbst der berüchtigt lebensfrohe Torjäger Milivoje Novakovic hebt lobend hervor: "Wir haben jetzt wieder Disziplin in der Mannschaft." Das Wort "endlich" hat er in Klammern mitgesprochen. Soldo hat klare Richtlinien erlassen, es herrscht kollektive Kleiderordnung und unbedingter Zwang zur Pünktlichkeit, der Angreifer Ishiaku musste neulich mit den Physiotherapeuten nach Hause fahren, weil er fünf Minuten nach der vorgegebenen Zeit am Bus erschienen war. "Das sind Kleinigkeiten, die für mich einfach dazu gehören, wir sind schließlich keine Einzelsportler", sagt der Trainer.

Manager Michael Meier, der Zvonimir Soldo geholt hat, sieht den Wandel aus seinem neuen Büro am Geißbockheim, das ihm einen Panoramablick auf den Trainingsplatz bietet, mit einiger Freude. Er werde sich hüten, einen Vergleich mit Daum anzustellen, sagt er, "aber man kann natürlich sagen, dass wir einen Paradigmenwechsel vollzogen haben".

Spielerfrauen: Eine Typologie

Model, Managerin, Trikotjägerin