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Funkspruch in der DTM:Sportkommissare befragen die Fahrer

Eine Anweisung aber wollte Ullrich keineswegs erteilt haben: "Ich rede normalerweise nicht zu den Fahrern." Es könne jedoch sein, "dass der Funk in der Situation auf war". Drei Stunden nach dem Rennen entschuldigte Ullrich sich dann in einer schriftlichen Erklärung für den Spruch: "Eine solche Äußerung drückt nicht mein Verständnis von Motorsport aus, sondern war allein dem Adrenalin in diesem Moment geschuldet."

Zu Ende dürfte die Causa damit aber noch nicht sein. Der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB), der in der Serie als sportliche Hoheit fungiert, hat Ermittlungen aufgenommen. Die Sportkommissare hörten die betroffenen Fahrer und Teamchefs an und sicherten Daten. Am späten Sonntagabend strichen sie Scheider, 36, aus der Spielberg-Wertung. Der Routinier hatte behauptet, er habe den Funkspruch, der im TV live kristallklar übertragen wurde, gar nicht gehört. Er sei auf die vor ihm Fahrenden gerutscht, weil diese in der Kurve früher als gewöhnlich gebremst hätten.

Audi wurde zunächst nicht belangt. In zweiter Instanz könnte aber das DMSB-Sportgericht drastische Geldstrafen und Lizenzentzüge für Fahrer und/oder Teams aussprechen. Mercedes-Teamchef Ulrich Fritz fordert das: "Es darf überhaupt niemand mehr in die Versuchung geraten, über so etwas nachzudenken", sagte er der dpa. Die DTM-Experten Norbert Haug (langjähriger Mercedes-Sportchef/ARD) und Bernd Schneider (fünfmaliger Meister/ Bild-Zeitung) werteten den Vorgang einhellig als noch nie da gewesen Unsportlichkeit und als Geisterfahrt gegen die Fairness. Toto Wolff, Haugs Nachfolger als Sportchef bei Mercedes, hatte unmittelbar nach dem Rennen gefordert: "Wenn es diesen Funkspruch wirklich gab, dann sollte der Verantwortliche nie wieder an eine Rennstrecke kommen." Indirekt lässt sich daraus eine Rücktrittsaufforderung an Wolfgang Ullrich ableiten, der der Audi-Sportabteilung seit 1993 vorsteht.

Die Firma mit den vier Ringen im Logo steht nicht zum ersten Mal im Mittelpunkt einer Kontroverse in der Rennserie. Vor zwei Jahren war Mattias Ekström der Sieg bei dem sehr populären und für Audi wegen der Nähe zur Firmenzentrale in Ingolstadt besonders wichtigen Stadtrennen in Nürnberg aberkannt worden, weil der Schwede beim offiziellen Wiegen nach dem Rennen nicht so viel auf die Maschine brachte, wie er gewogen hatte, als er aus seinem Auto gestiegen war: Beim Jubeln hatte sein Vater ihm heimlich eine Flasche Wasser in den Overall geschüttet.

2007 hatte Wolfgang Ullrich beim vorletzten Saisonrennen in Barcelona acht Runden vor dem Ziel alle Audi-Fahrer in die Box beordert, um gegen die Gangart des damals noch einzigen Gegners Mercedes zu demonstrieren. Seit 2012 mischt als dritte Marke auch wieder BMW mit.

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