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Fürths Niederlage gegen Leipzig:Bedient in den Urlaub

Fürth gleicht in der Nachspielzeit aus, nur um wenige Sekunden später doch noch den Gegentreffer zur Niederlage gegen Leipzig zu kassieren. "Das ist einfach nicht zu erklären".

Von Christoph Ruf, Fürth

Dass es am Ende nur um die drei Punkte gehe, gehört zu den vermeintlichen Weisheiten des Fußball-Business. Dass die allerdings weder weise noch korrekt ist, konnte jeder merken, der Augen und Ohren hat und sich am Samstag zufällig im Fürther Ronhof das Zweitligaspiel zwischen den Platzherren und RB Leipzig anschaute. Es endete 2:1 für Leipzig, und das war aus Fürther Sicht nun wirklich etwas ganz anderes als 0:1 zu verlieren.

Bis zur 90. Minute hatte zwar auch alles darauf hingedeutet, dass die Franken dieses Spiel verlieren würden. Fürth hatte sich nach Kräften gewehrt, doch die Kräfte waren eben begrenzt. Zu viele Fehlpässe, zu inkonsequent im Nachrücken, wie es eben so läuft, wenn es nicht so recht laufen will. Doch dann köpfte Benjamin Röcker in der ersten Minute der Nachspielzeit den 1:1-Ausgleich für die Gastgeber. Was sich für die 8500 Fürther Fans unter den 10 000 Zuschauern dramaturgisch bereits sehr nach Weihnachten mit gerade noch vor dem Verbrennen geretteter Gans anfühlte. Doch dieses Gefühl dauerte gerade einmal ein paar Sekunden. Dann schoss Stefan Ilsanker den 2:1-Endstand.

Auf Fürther Seite drückte das bittere Finish doppelt aufs Gemüt: Weil es als Bestätigung dessen durchging, was sie seit geraumer Zeit empfinden: Es läuft einfach nicht rund in dieser Saison. Und wenn man mal ein bisschen Fortune bräuchte, haben es die Gegner. "Das ist nicht einfach zu erklären", sagte Verteidiger Marco Caligiuri, "wir sind bedient." Trainer Stefan Ruthenbeck fand das Ganze "sehr, sehr bitter."

Viele Gegner stellen sich einfach cleverer an

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Gesenkten Hauptes verlassen Jürgen Gjasula (l.) und Benedikt Röcker das Feld, während Leipzig in der Nachspielzeit den Siegtreffer feiert.

(Foto: Zink/imago)

Es gab schon auch erfreuliche Tage, etwa die Auswärtssiege bei Union Berlin, Braunschweig oder Heidenheim. Da war der Derbysieg gegen den Club, der ja in der fränkischen Fanseele Ähnliches bewegt wie anderswo ein Aufstieg. Doch insgesamt waren es zu wenige Glücksmomente in einer Hinrunde, die man nun auf Platz zehn beendet - was in etwa das ist, was man als Zwischenziel ausgegeben hatte - aber weniger als man gehofft hatte. "Insgesamt", sagte Ruthenbeck, "haben wir gefühlt fünf Punkte zu wenig." Manche Mannschaft, die derzeit vor den Franken rangiert, spielt deutlich schlechter Fußball, stellt sich aber cleverer an.

Allerdings, und das ist aus Fürther Sicht nicht eben tröstlich, sah man gegen Leipzig sehr deutlich, warum der Kader in dieser Spielzeit wohl tatsächlich nur mittelmäßig ist: Der spätere Torschütze Röcker hatte die gesamte Partie über schwere fußballerische Probleme und ließ Leipzigs Youssuf Poulsen vor dem 0:1 weglaufen, im Mittelfeld ist das Spiel stark auf die Kreativität von Jürgen Gjasula zugeschnitten. Wenn der in der Luft hängt, und sich Marco Stiepermann und Robert Zulj zudem nicht entscheiden wollen, in die Bresche zu springen, kommt es erst gar nicht zu herausgespielten Torchancen. Zumal die einzige Spitze, Veton Berisha, nur 1,72 Meter groß ist und gegen Leipzig keine Chance hatte, an die unzähligen langen Bälle zu kommen, die da in seine Richtung geschlagen wurden.

SpVgg Greuther Fürth - RB Leipzig

Der Becher des Anstoßes: Leipzig Übungsleiter Ralf Rangnick (rechts) wird nach dem 1:1-Ausgleich der Fürther getroffen.

(Foto: Matthias Merz/dpa)

Was blieb, war die Erkenntnis, dass es keine Schande ist, gegen "den FC Bayern der zweiten Liga", wie der Trainer sagte, zu verlieren. Dass es erst recht keine Schande ist, gegen ihn remis zu spielen, sagte er nicht.

© SZ vom 20.12.2015
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