2. BundesligaEs war einmal die beständige SpVgg Greuther Fürth

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Er soll der Mannschaft Klarheit geben: Fürths neuer Trainer Jan Siewert.
Er soll der Mannschaft Klarheit geben: Fürths neuer Trainer Jan Siewert. Wolfgang Zink/Imago

Zwei Trainerwechsel und das Aus von Geschäftsführer Azzouzi: Zweitligist  Fürth steckt in einer Krise, nicht nur auf dem Platz. Droht der Verein, der lange ein klares Profil hatte, ins Chaos zu stürzen?

Von Sebastian Leisgang

Rachid Azzouzi kam nicht vor und war doch überall. Als der Fußball-Zweitligist SpVgg Greuther Fürth am Dienstag mit der Nachricht an die Öffentlichkeit ging, dass Stephan Fürstner von nun an Sportdirektor und Jan Siewert der neue Trainer sei, da tauchte der Name Azzouzi kein einziges Mal auf. Von Fürstner war zu lesen, von Siewert, von Peter Köhr, dem Aufsichtsratsvorsitzenden. Azzouzi hingegen wurde mit keiner Silbe erwähnt, doch zwischen den Zeilen stand: Azzouzi, Azzouzi, Azzouzi.

Damit müssen sie in Fürth jetzt leben: dass der Name des ehemaligen Geschäftsführers bei all den Entscheidungen mitschwingt, die im Verein gerade getroffen werden. Wie hätte Azzouzi es gemacht? Wäre Azzouzi auch so vorgegangen? Die Fragen sind der Preis, den die Spielvereinigung zahlt, seit sie im Oktober nicht nur Trainer Alexander Zorniger entließ, sondern auch Geschäftsführer Azzouzi, der so viel mehr als Geschäftsführer war.

2. Bundesliga
:Greuther Fürth entlässt Zorniger und Azzouzi

Nach der schockierenden 0:4-Pleite im Derby gegen Nürnberg müssen Fürths Trainer Alexander Zorniger und Sport-Geschäftsführer Rachid Azzouzi gehen. Das Kleeblatt baut zunächst auf Übergangslösungen.

Von Sebastian Leisgang

Azzouzi, 53, gab dem Klub ein Gesicht. Er lenkte ihn über Jahre, prägte ihn, führte ihn in die Bundesliga, hielt ihn nach dem Abstieg zusammen und baute ihn wieder auf. Für alles, wofür der Verein stand, stand auch Azzouzi. Und jetzt, da er weg ist, drängen sich derart viele Fragen auf, dass man schon mal den Überblick verlieren kann. Droht da etwa ein Klub ins Chaos zu stürzen, der all die Jahre ein Synonym für Besonnenheit und Beständigkeit war?

Mitte Oktober, als Fürth beim 0:4 gegen den 1. FC Nürnberg ziemlich reglos daherkam und in der ersten Hälfte kaum Widerstand leistete, da erschraken viele im Verein. Doch die Ohnmacht, die sich beim Frankenderby auf dem Platz zeigte, schien sich danach auf anderen Ebenen fortzusetzen. Anders war es kaum zu erklären, dass Interimstrainer Leo Haas schon nach seinem ersten Spiel, einem 4:3 auf Schalke, davon sprach, dauerhaft auf der Bank sitzen zu wollen. Hätte es da nicht einen Verantwortlichen gebraucht, der ihn führt und schon bei Dienstantritt anweist, sich auch im Erfolgsfall nicht so weit aus dem Fenster zu lehnen?

Drei Spiele und drei Niederlagen später ist Haas als Coach schon wieder Geschichte. Holger Schwiewagner, Fürths zweiter Geschäftsführer, nennt es „Wortklauberei“, wenn man ihn fragt, warum der Verein Haas zunächst „bis Winter“ das Vertrauen ausgesprochen hat. Anstatt eine Formulierung wie „bis auf Weiteres“ zu wählen, um sich die Option eines weiteren Trainerwechsels offenzuhalten.

Schwiewagner findet: „Wenn man eine Interimslösung hat, lässt das immer eine Tür offen. Die Mannschaft braucht jetzt aber Klarheit – und die haben wir ihr mit Stephan Fürstner und Jan Siewert gegeben.“ Unstrittig ist aber wohl trotzdem, dass es die Fürther Verantwortlichen Glaubwürdigkeit gekostet hat, Haas die Mannschaft zunächst bis zur Winterpause zu übergeben, nur vier Spiele später aber schon wieder davon abzurücken und Haas zum Regionalliga-Team zurückzuschicken.

Ohne Geschäftsführer Azzouzi wirkt Fürth für den Moment profillos

Und so steht in Fürth schon wieder eine Vertrauensfrage im Raum. Doch dieses Mal, anders als bei Zorniger, Azzouzi und Haas, betrifft sie nicht Einzelne, sondern das große Ganze. Die Frage lautet: Geht das gut? Kann man darauf vertrauen, dass dieser Verein, dem in den vergangenen Wochen einiges entglitten ist, wieder die Kurve kriegt?

In seiner Klubgeschichte habe Fürth selten mit Personalrochaden auf sich aufmerksam gemacht, sagt Schwiewagner. Nun seien sie aber unumgänglich gewesen – nicht nur wegen des Frankenderbys, das Fürth erschütterte. „Wer uns kennt, weiß, dass wir solche Entscheidungen nicht aus der Emotion heraus treffen. Da steckt immer ein Prozess dahinter“, erklärt Schwiewagner. Nur: Sogar die Mitarbeiter im Verein waren überrascht, dass nicht nur Zorniger, sondern auch Azzouzi nach dem Derbydebakel gehen musste.

Selbst Azzouzi, so ist zu hören, traf die Freistellung vollkommen unerwartet. Am Ende war es auch seine Loyalität zu Zorniger, die ihm zum Verhängnis wurde. Und nun, ohne Azzouzi, ist Fürth erst einmal auf der Suche nach einem neuen Profil.

Die Krisenbewältigung jetzt in die Hände von Fürstner und Siewert zu legen, ist ein großes Wagnis, doch Holger Schwiewagner findet: „Es ist unmöglich, Personalentscheidungen ohne Risiko zu treffen.“ Bislang hat sich das Risiko nicht ausgezahlt: Seit Fürth ins Wanken geraten ist, hat die Mannschaft in vier Spielen ebenso oft verloren wie zuvor in zehn unter Zorniger und Azzouzi.

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