Führungsdebatte beim Zweitligisten "Eriksson kann eine Chance sein"

Am Ende jedenfalls hätten Hasan Ismaik und Hamada Iraki diesem, dann offenbar modifizierten, Kompromissvorschlag, "wie er jetzt am Schluss entworfen war" zugestimmt, sagte Steiner. Und nun also wird der frühere englische Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson schon sehr bald Trainer des Zweitligisten TSV 1860 sein.

Für den derzeitigen Übungsleiter Alexander Schmidt, der erst vor wenigen Wochen vom Übungsleiter der U21 zum sportlichen Verantwortlichen der Profimannschaft befördert worden war, bedeutet das: Er muss sich nun arrangieren mit einem Trainer, dessen Name selbst in den entlegensten Regionen dieses Planeten durchaus dem einen oder anderen Bewohner bekannt sein dürfte. Können sie tatsächlich miteinander arbeiten? Womöglich gleichgestellt?

Das werde nun der KGaA-Geschäftsführer Robert Schäfer in Einzelgesprächen klären, versprach Steiner: "Ob es dann nächste Woche mit den Gesprächen losgeht oder übernächste, das wird sich in den nächsten Tagen klären."

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TSV 1860 München: Neuer Investor

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Ebenfalls zu klären wird sein, welche Auswirkungen die Implementierung eines derart erfahrenen (und international vernetzten) Trainers wie Eriksson auf die Arbeit des aktuellen Sportchefs Florian Hinterberger haben wird, dessen Vertrag im Sommer ohnehin ausläuft? "Das heißt gar nichts für Florian Hinterberger", sagte Steiner. Dieses Thema sei "heute nicht weiter vertieft" worden. Und überhaupt, man habe (im Gegensatz zur SZ) "direkt" noch nicht mit Eriksson gesprochen. Deshalb sei Robert Schäfer ja nun erst damit beauftragt worden, die Gespräche überhaupt aufzunehmen.

Kompromissvorschlag von beiden unterschrieben

Der auf Entschuldung und Aufstieg angelegte und im Sommer gemeinsam mit Hasan Ismaik entworfene Dreijahresplan habe weiter Gültigkeit, sagte Steiner. Ja, der Plan werde jetzt sogar "wieder nahtlos gelebt", wie Präsident Schneider ergänzte. Ob Eriksson nun damit beauftragt werden wird, gleich mehrere Spieler seines Vertrauens als Zugänge zu empfehlen, diese Frage wurde dann um drei Uhr in der Früh doch nicht mehr vertieft. "Ich werde in die Gespräche so einsteigen, dass es die beste Lösung für 1860 ist", versprach Geschäftsführer Robert Schäfer, ehe er als letzter Verantwortlicher das Vereinsgelände verließ: "Eriksson kann eine Chance sein."

Am Ende, hatte Otto Steiner vorher gesagt, sei der Kompromissvorschlag von beiden Seiten unterschrieben worden, "deshalb gibt es jetzt eine schriftliche Vereinbarung". Wie Investor Ismaik zu Stift und Papier griff, obwohl er persönlich gar nicht anwesend war (und die Vereinbarung noch während der Sitzung modifiziert worden war), das blieb eine weitere, ungeklärte Frage in dieser bemerkenswerten Münchner Nacht des 15. Januar 2013.

Sicher ist nur, dass der Aufsichtstrat des TSV 1860 am Dienstagmorgen tief in sich gegangen war, einmal mehr in der turbulenten Historie des Vereins, nur diesmal womöglich so tief wie niemals zuvor. Seine Repräsentanten redeten, sie berieten, sie stritten vielleicht auch. Fast sieben Stunden lang kreißten sie, dann trafen sie eine Entscheidung. Einstimmig. Und der Turn- und Sportverein von 1860 gebar Sven-Göran Eriksson.