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FSV Mainz 05:Außer Kontrolle

1. FC Kaiserslautern v 1. FSV Mainz 05 - DFB Cup

Zur Trauer ein Feuer der eigenen Fans: der Mainzer Jean-Paul Boetius.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der 1. FC Kaiserslautern düpiert Mainz - als ob die Niederlage nicht schlimm genug gewesen wäre, zündeten auch zahlreiche FSV-Fans Pyrotechnik.

Als die Überraschung geschafft war, dachte Christian Kühlwetter, der Angreifer des 1. FC Kaiserslautern, noch einmal an die entscheidende Szene. Denn vor dieser ging er zu seinem Mitspieler Manfred Starke - und redete kurz auf ihn ein: "Ich habe zu Manni gesagt, hau ihn rein!", sagte Kühlwetter. "Und er hat ihn reingehauen." Der Mittelfeldspieler Starke traf den umstrittenen Elfmeter in der 63. Minute zur Führung im lange herbeigesehnten Derby in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den FSV Mainz 05.

Starke hatte dabei das Glück, das man für eine Pokalüberraschung gemeinhin braucht. Denn der Mainzer Torwart Florian Müller hatte den Ball eigentlich schon pariert, doch von seinen Händen prallte dieser ab und trudelte ins Tor. Am Ende gewann der FCK 2:0 (0:0). Florian Pick erzielte das zweite Tor für den Drittligisten im Duell mit dem Bundesligisten in der 90. Minute. "40 000 Zuschauer, und dann schießt du ein Tor - und alle rasten aus. Das ist einfach geil!", sagte Pick.

Deutlich anderer Stimmung waren die blamierten Mainzer. Der Trainer Sandro Schwarz versammelte seine Spieler, die vor dem Ligastart am Samstag beim SC Freiburg noch jede Menge Arbeit vor sich haben, direkt nach Spielende in der Umkleide. "Ich wollte, dass wir gemeinsam kurz in der Kabine leiden - ohne rumzubrüllen", sagte er. Dabei hatte sein Team das Spiel anfangs im Griff und eine Führung verdient gehabt, bis die Wucht des Fritz-Walter-Stadions am Betzenberg zu groß für die Gäste wurde.

Als ob die Niederlage nicht schlimm genug gewesen wäre, zündeten auch zahlreiche FSV-Fans während der Partie Pyrotechnik. "Wir haben uns riesig gefreut, dass 6500 Menschen mit uns unterwegs waren", sagte Präsident Stefan Hofmann: "Aber sowohl sportlich wie in der Außendarstellung haben wir nicht das daraus gemacht, was möglich gewesen wäre."

Nach dem Gegentor zum Endstand geriet die Lage fast außer Kontrolle: Leuchtfackeln flogen auf den Rasen, Banner brannten, die Feuerwehr griff ein, und es gab Anzeichen für einen Platzsturm. Um den zu verhindern, marschierten Polizisten auf. Mindestens vier Fans erlitten leichte Verletzungen, mehrere Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet. "Wenn wir Leute ermitteln können, werden die in Regress genommen", sagte Hofmann. Dem Klub droht eine Geldstrafe. Der FCK darf sich dagegen über eine Prämie von 351 000 Euro fürs Weiterkommen freuen.

© SZ vom 12.08.2019 / SZ, sid

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