Und dann sagt Frieda Bühner einen Satz, der das große Ganze in vier Worten zusammenfasst und vermutlich einen Teil ihrer Persönlichkeit gleich mit: „Wir sind mega hyped.“ Sie meint die Lage im deutschen Frauenbasketball, den sie „Damenbasketball“ nennt. Sprache kann manches verraten über Menschen, und aus Bühner, 21, spricht eine, die sich so ausdrückt, wie sie spielt: gedankenschnell und unbeugsam. Wer so auftritt, kann am Hype nicht ganz unbeteiligt sein – auch wenn der sich noch in der Nische abspielt.
Noch – das ist ein entscheidender Einschub. Denn wer Bühner diese Woche im Nationalteam des Deutschen Basketball Bundes (DBB) in der WM-Qualifikation zuschaute, benötigte wenig Fantasie, um hier die nächste herausragende Zockerin made in Germany zu erkennen. Auch wenn die deutschen Frauen als Gastgeberinnen der WM in Berlin (4. bis 13. September) schon gesetzt sind, nahm Bühner die Sache richtig ernst: 21 Punkte gegen Südkorea, 19 gegen die Philippinen, zwei Siege samt Bühner-Show. Weitere solcher Auftritte gegen Frankreich (Samstag, 20.30 Uhr, Magentasport), Kolumbien (Sonntag) und Nigeria (Dienstag) sind zu erwarten. Deutschland, Welt- und Europameister bei den Männern, produziert also jetzt auch Spielerinnen auf Weltniveau. Die Sabally-Schwestern Nyara und Satou oder auch Leonie Fiebich sind dem Fachpublikum bekannt. Und jetzt kommt Bühner.

Basketball:Plötzlich fehlt die Bundestrainerin – wer hat mit wem Schluss gemacht?
Sportlicher Erfolg, bekannte Gesichter und eine Heim-WM in Sicht: Deutschlands Basketballerinnen sind auf dem Weg nach oben – doch nun ist Coach Lisa Thomaidis weg. Hintergründe einer vielsagenden Personalie.
Die Jüngste unter den DBB-Frauen ist im Jahr der Heim-WM gleichzeitig eine der Besten. Eine, deren Werdegang man dringend betrachten sollte, um zu verstehen, warum Deutschlands Basketball gerade mit „einer krassen Generation“ gesegnet ist, wie Bühner im Gespräch feststellt. Es hat sich etwas getan in den vergangenen zehn Jahren, das ist unverkennbar, nachdem Frauenbasketball davor unter dem Radar gelaufen war, fernab einer größeren Öffentlichkeit.
Heute bekommen Spielerinnen wie Satou Sabally, die ihre Karriere in der US-Profiliga WNBA wirksam vermarktet, Sponsorenverträge von Sportartikelherstellern. Heute sind Nyara Sabally und Fiebich Champions mit den New York Liberty, während DBB-Kollegin Luisa Geiselsöder ebenfalls in der weltweit stärksten Liga Körbe wirft. So weit ist Bühner bis jetzt nicht, aber wer sie nach ihren Zukunftsplänen fragt, bekommt eine Antwort so präzise wie ein Druckpass: „Die WNBA, hundertpro. Ein großer Traum!“ Dieses Selbstbewusstsein hat sich Bühner früh erarbeitet, im Grunde war „das mit Basketball“ bei ihr „vorherbestimmt“, erzählt sie: Sie habe schon als noch Ungeborene im Bauch der Mutter mit den Füßen getrommelt, als die Eltern Basketballspiele des örtlichen Vereins in der Halle besuchten.
Im Grundschulalter heuerte sie im Mädchenteam der Panthers Osnabrück an, mit 14 durfte sie in der zweiten Liga ran, wenig später in der Bundesliga, dazu in diversen Jugend-Nationalteams. Ein Aufstieg, der belegt, wie schnell Bühner überall herausstach mit ihren 1,86 Metern Körpergröße. Mit ihrem Repertoire an Sternschritten, Laufwegen durch die Zone und Würfen mit ihrem „sehr lockeren Händchen“, wie Kollegin Fiebich es jetzt bei Magentasport beschrieb. Bühner sei eine „Instinktspielerin“, eine die überhaupt keine Angst kenne, als sei das alles völlig normal bei den großen Damen. Früher schaute Bühner auf zur Fraktion der über 1,90-Meter-Langen wie „Leo Fiebich, Luisa Geiselsöder oder Marie Gülich“, heute fühlt es sich an wie „Klassenfahrt“, wenn sie mit ihnen bei Länderspielen zusammentrifft.
Viele deutsche Basketballerinnen sind für ihre Karrieren ins Ausland gezogen, so auch Frieda Bühner, die in Madrid spielt
So ist Bühners Entwicklung zudem eine Erzählung über Vorbilder. Und über den Geist der aktuellen Generation an Basketballerinnen, die über Jahre zusammengewachsen ist. Vielleicht auch, weil alle einen ähnlichen Weg gegangen sind: raus aus Deutschland, rein in die Welt, in der ihr Sport viel größer ist als hierzulande. Wenig überraschend also, dass im aktuellen DBB-Team ein prägender Kern an Akteurinnen im Ausland aktiv ist.
Aber ihren Ursprung nehmen die Karrieren im deutschen Jugendbereich, aus dem immer mehr Qualität nach oben strebt. Für die Entfaltung ihres Talents sei ihre „Spielerfahrung“ in frühen Jahren entscheidend gewesen, sagt Bühner. In den meist kleinen und etwas miefigen Turnhallen der Bundesliga durfte sie sich ausprobieren und bekam dann zum richtigen Zeitpunkt ein Angebot, das ihr einen internationalen Kickstart verlieh. Sie wechselte 2024 zu Estudiantes Madrid, wo sie als viertbeste Scorerin in der angesehenen spanischen Liga zur Attraktion wuchs – und das, obwohl sie eigentlich etwas zu klein ist unter all den Riesinnen. Im Gewühl unter dem Korb hat sie sich deshalb Veteraninnen-Skills angeeignet, zum Beispiel ihre „Fußarbeit, an der arbeite ich wirklich stundenlang“.
Bühner ist clever genug zu wissen, dass ihre Physis ab einem gewissen Level nicht ausreicht, da „muss mehr mit dem Kopf geregelt werden“. Ihr Maßstab sind zum Beispiel Belgiens Europameisterinnen, bei denen ihr persönliches Idol Emma Meesseman Kopf, Füße und Länge perfekt in Einklang bringt. Oder die Französinnen, bei denen Centerin Dominique Malonga kürzlich erstmals in einem Frauen-Länderspiel Frankreichs einen Dunk präsentierte. Für Bühner und ihre DBB-Kolleginnen dienen die Partien in Lyon eher als Einspielmöglichkeit unter dem neuen Bundestrainer Olaf Lange. Neues System, schnelleres Passspiel, so soll das WM-Abenteuer gelingen. In Berlin offenbart sich in mutmaßlich vollen Hallen eine einmalige Chance, wie Bühner vorschwebt, ein „Once-in-a-lifetime-Moment“. Sie wird bereit sein.

