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French Open:Giftpfeile vor dem Duell der Diven

Maria Sharapowa gratuliert Serena Williams nach ihrem Sieg im Halbfinale von Wimbledon 2015.

Maria Scharapowa und Serena Williams - diese beiden waren nicht immer beste Freundinnen.

(Foto: imago/Kyodo News)
  • Vor dem Duell zwischen Serena Williams und Maria Scharapowa bei den French Open erzählt die Amerikanerin erstaunlich offen von der Rivalität mit der Russin.
  • Ihre öffentliche Fehde geht trotz aller Bekundungen, dass alles in Ordnung sei, bis ins Jahr 2004 zurück.

Serena Williams war erst vor einer Stunde vom Platz gekommen, sie hatte Julia Görges besiegt. Es war eine in Phasen überzeugende Darbietung gewesen. Ihr unterliefen nur zwölf unnötige Fehler. Wenn Görges, die zu den besten Aufschlägerinnen zählt, aufschlug, schaffte sie 29 von 65 Punkten. Diese Fähigkeiten verhalfen Williams zum 6:3, 6:4, es war ihr dritter Erfolg in Serie bei den French Open. Die 36 Jahre alte Amerikanerin, die vor neun Monaten ein Kind gebar und seitdem wieder erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier teilnahm, befand: "Es entwickelt sich in die richtige Richtung." Sie meinte das Sportliche. Sie müsse nur besser starten, reinfinden in eine Partie. Es waren die einzigen Ausführungen zu ihrem Spiel, zum Sport.

Ansonsten ging es nicht in einem Wort um die Gegenwehr von Görges am Samstagabend auf dem Court Suzanne Lenglen. Es ging nicht darum, dass Williams diesmal nur drei Asse gelangen, wenig für sie, die von Assen und Winnern zehrt. Es ging um Maria. Ihre nächste Gegnerin. Denn sie betreffend laufe einiges offenbar nicht in die richtige Richtung.

Williams und Scharapowa. Man darf das so sagen: zwei Diven des Tennissports. Die eine: Amerikanerin, 23 Grand-Slam-Titel, eine Berühmtheit, viele Werbemillionen, ein Vorbild für viele. Die andere: Russin, fünf Grand-Slam-Titel, ebenso eine Berühmtheit, noch mehr Werbemillionen, ein Vorbild für viele. Vor allem aber sind beide auch: Weggefährtinnen. Zwei, die das gleiche wollen. In einem Weltmarkt um die gleichen Währungen kämpfen, Dollars, Euros, Aufmerksamkeit, Einfluss, Selbstverwirklichung, Behauptung. Seit 14 Jahren.

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An diesem Montag begegnen sie sich wieder, erstmals seit Januar 2016. Im Achtelfinale von Roland Garros, auf dem Court Philippe-Chatrier. Das letzte Mal hatte Williams gesiegt, im Viertelfinale der Australian Open, 6:4, 6:1. Ihre beiden Leben waren danach sehr, sehr unterschiedlich verlaufen. Williams verriet später, sie sei in Melbourne bereits schwanger gewesen. Sie stieg danach aus, um Töchterchen Olympia auf die Welt zu bringen. 16 Monate war sie weg. Scharapowa wurde positiv auf ein seit Kurzem für Tennisprofis verbotenes Herzmittel getestet und gesperrt. Erst für 24 Monate. Die Strafe wurde reduziert. Sie war dann 15 Monate weg. Die eine hat ein Kind bekommen, ist nun verheiratet. Die andere hat ihre Strafe verbüßt und ist offiziell zumindest damit rehabilitiert. Es könnte alles gut sein, aber das ist es nicht.

Scharapowa hat ja ein Buch geschrieben. Und Serena Williams hat nicht vergessen, was in diesem steht. Also ging es auf ihrer letzten Pressekonferenz vor dem Duell sehr, sehr viel um dieses Buch. "Unstoppable" heißt es. Das will sich Williams nicht bieten lassen. Eine Scharapowa nicht stoppen. Immerhin hat sie schon in den letzten 18 Matches in Serie gegen Scharapowa gewonnen, woraufhin manche schrieben und manche meinten, diese Rivalität sei die größte Nichtrivalität, weil sie sportlich im direkten Clinch so einseitig verlaufe. Das mag sein, und doch ist die Rivalität die größte, die das Frauentennis zu bieten hat. Und sicher eine der größten im Sport generell.

Was gleich geblieben ist: Beide beherrschen das große Schauspiel. Etwa die Kunst, ständig zu versichern und zu betonen, dass man gar kein Problem mit der anderen habe. Das doch eigentlich alles gut sei. Und dann wird doch gestichelt, mal subtiler, mal direkter. So wie am Samstag von Williams. Sie habe "keinerlei negative Gefühle ihr gegenüber", sagte sie. Aber dann legte sie los.

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Williams sagte: "Als Fan wollte ich das Buch wirklich lesen, ich war wirklich gespannt, als es herauskam und ich habe mich für sie gefreut." Aber dann habe sie festgestellt: "Das Buch handelt sehr viel von mir. Ich war darüber überrascht, um ehrlich zu sein. Ich dachte: Oh, okay, ich habe nicht erwartet, ein Buch über mich zu lesen, mit Dingen, die nicht wirklich stimmen." Ihre Meinung: "Ich denke, das Buch war zu 100 Prozent ein Hörensagen. Zumindest all das Zeug und all die Zitate, die ich gelesen habe, was ein bisschen enttäuschend war."