French Open:Zeit für die großen Duelle

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French Open: Die Wut muss raus: Alexander Zverev im Match gegen den Spanier Bernabe Zapata Miralles.

Die Wut muss raus: Alexander Zverev im Match gegen den Spanier Bernabe Zapata Miralles.

(Foto: Michel Euler/AP)

Die French Open kriegen ihr großes Match: Im Viertelfinale treffen Novak Djokovic und Rafael Nadal aufeinander. Auch Alexander Zverev erreicht die Runde der letzten Acht - und äußert Kritik an den Platz-Ansetzungen für die Topspieler.

Von Gerald Kleffmann, Paris

Immerhin, jetzt lachte er mal. Alexander Zverev stand am Mikrofon auf dem Court Suzanne Lenglen, gerade hatte er sein Achtelfinalmatch gegen den Außenseiter Bernarbe Zapata Mirrales, 25, mit viel Glück 7:6 (11), 7:5, 6:3 gewonnen. "Er hat das beste Tennis seines Lebens gespielt", sagte Zverev, der - man tritt ihm da sicher nicht zu nahe - seinerseits eher das schlechteste Tennis seines Lebens gespielt hatte. "Er hat mich verrückt gemacht", meinte der 25 Jahre alte deutsche Profi zwar, und das sollte ein Kompliment sein.

Zur ganzen Geschichte gehört allerdings auch, dass Zverev die Beobachter ebenso in den Wahnsinn trieb und sich gleich mit. Zum Ausdruck kam das auch in Selbstgeißelungen Zverevs über weite Strecken der Partie. In der nächsten Runde trifft er auf den spanischen Überflieger Carlos Alcaraz. Mit einer Leistung wie an diesem Sonntag geht Zverev, auch wenn er der Weltranglisten-Dritte ist, wohl als Außenseiter in die Partie.

Wesentlich souveräner auf demselben Platz erreichte der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic vor ihm das Viertelfinale, wenngleich das Duell mit dem Argentinier Diego Schwartzman ausgeglichener war, als es das Ergebnis von 6:1, 6:3, 6:3 vermuten lässt. Der 35 Jahre alte Serbe präsentierte indes in den engen Phasen seine außergewöhnlichen Fähigkeiten. Nun kommt es wirklich am Dienstag zum Klassikermatch gegen seinen ewigen Rivalen Rafael Nadal. Der 13-malige Paris-Sieger setzte sich gegen den Kanadier Felix Auger-Aliassime in einem Krimi 3:6, 6:3, 6:2, 3:6, 6:3 durch.

Zverev fing gegen Zapata Miralles, die Nummer 131, passabel an. Er führte 4:1 und 40:0 - ab diesem Moment sollte er nicht mehr wiederzuerkennen sein. An Zapata Miralles lag das zu diesem Zeitpunkt nur bedingt, der Spanier aus Valencia machte einfach das, was er in der Qualifikation und in den drei gewonnenen Runden im Hauptfeld getan hatte: endlos die Bälle wie eine Ballmaschine ins Feld wuchten.

Zverev vergab die Chance, auf 5:1 davonziehen. Und sein Spiel wirkte auf einmal, als sei es auf den Boden gefallen wie ein Glas - es hatte lauter Sprünge. Vorhand, Rückhand, Aufschlag, Return, alles war fragil. Mal gelang ihm ein Weltklasse-Schlag, mal raunten die Zuschauer, weil Zverev einen Ball so schlapp ins Netz setzte, als sei ihm die Kraft ausgegangen. Vor allem dass Zverev in seine alte Marotte verfiel, drei Metro-Stationen hinter der Grundlinie zu stehen, war regelrecht mysteriös. So machte er sich das Leben schwer.

French Open: Gefühlsausbruch der positiven Art: Rafael Nadal nach dem Fünfsatz-Sieg gegen Felix Auger-Aliassime.

Gefühlsausbruch der positiven Art: Rafael Nadal nach dem Fünfsatz-Sieg gegen Felix Auger-Aliassime.

(Foto: Julien de Rosa/AFP)

Zverev konnte sich glücklich schätzen, den ersten Satz im Tie-Break noch gewonnen zu haben. Drei Satzbälle wehrte er ab, drei vergab er, ehe der vierte zum 13:11 saß. Aber sofort gab er wieder sein Aufschlagspiel zum 0:1 ab. Es ging weiter hin und her, im zweiten wie im dritten Satz. Zapata Miralles rannte tatsächlich um sein Leben, während Zverev litt und motzte und kämpfte, das schon. Aber auch das ist ja eine Qualität der großen Spieler: sich selbst dann durchzusetzen, wenn es völlig unrund läuft.

Nach der Partie gab Zverev zu, dass er sich steigern müsse. Kritisch äußerte er sich zum Thema Platz-Ansetzungen. Er befand, Alcaraz werde diesbezüglich bevorzugt. "Es ist jetzt gerade ein neuer, junger Spieler dabei, der sehr viel Aufmerksamkeit bekommt, zu recht auch." Es mache ihm auch Spaß, zuzuschauen. Nur: "Ich habe nur ein bisschen das Gefühl, die anderen Spieler werden links liegen gelassen." Zverev würde gern nachmittags das Viertelfinale bestreiten, fürchtet aber, am Abend antreten zu müssen. Alcaraz, sollte er sein Gegner sein, hätte dann einen Vorteil. Der 19-Jährige stand schon dreimal nachts auf dem Court Philippe Chatrier, zweimal in der offiziellen "Night Session", einmal ging sein Match (zum Auftakt gegen den Argentinier Juan Ignacio Londero), das als vierte Partie angesetzt war, bis in die Nacht.

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