French Open Paris raunt für Neun-Finger-Nadal

Rafael Nadal: Freude wie beim ersten Titel

(Foto: AP)
  • Rafael Nadal gewinnt das Finale der French Open gegen Dominic Thiem mit 6:4, 6:3, 6:2.
  • Am Ende der Partie plagen den Spanier Probleme mit den Fingern, doch er ist trotzdem nicht zu bezwingen.
  • Für Nadal ist es der elfte Titel in Paris - eine Siegesliste, die schwer zu überbieten sein dürfte.
Von Gerald Kleffmann, Paris

Der Schluss war noch mal richtig spannend. Weniger wegen des Spielstands. Eher aufgrund einer ungewöhnlichen Geschichte an Rafael Nadals linker Schlaghand. Mitte des dritten Satzes konnte er plötzlich den Mittelfinger nicht mehr bewegen. Er musste sich behandeln lassen. Und mehrmals wurde er massiert. Aber er zog dennoch davon, auf 5:2. Nun war die Frage: Welchen Matchball würde er verwandeln? 40:0 führte er bei eigenem Aufschlag. Die Partie war gelaufen, das war klar, nach einem spannenden ersten Satz war es dann doch eine klare Angelegenheit. Dominic Thiem bäumte sich noch einmal auf, glich aus, 40:40. Dann Matchball Nummer vier. Nadals Rückhand landete im Aus. Dann Matchball Nummer fünf. Nun landete ein Ball Thiems hinter der Grundlinie, 6:4, 6:3, 6:2, und da ließ Nadal, wie Simona Halep am Samstag an fast der gleichen Stelle, den Schläger fallen.

Reckte die Hände hoch. Auch mit neun Fingern ist dieser Spanier, 32, aus Mallorca, nicht zu besiegen, selbst von dem vielleicht gerade besten Spieler auf Sand - zumindest dem besten außer Nadal. Thiem, 24, saß kurz darauf mit glasigem Blick auf seinem Stuhl. "Er hatte zwei tolle Wochen", sagte Nadal über seinen Finalgegner, "er ist ein Freund, einer, den die Tour braucht." Aber dann kam er wieder zum Kern dieses Ereignisses zurück: "Ich kann meine Gefühle nicht beschreiben. Das ist nicht ein Traum, elf Mal zu gewinnen. Das ist ja nicht vorstellbar."

"Ich dachte, das Match ist weg"

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Nein, ist es nicht. Und doch ist es so. Nadal hat nach 2005, 2006, 2007, 2008, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2017 auch 2018 gesiegt. Ein Rekord, der länger und länger wird, für die Ewigkeit ist er eh schon.

Als ihm applaudiert wurde bei der Siegerehrung, weinte er.

Die einzige Sorge galt dem Wetter

Der Sonntag war wie geschaffen für ein großes Finale. Die lacostig gekleidete Pariser Gesellschaft pilgerte früh zur Anlage. Noch ein Häppchen hier, ein Gläschen da, man ließ es sich gut gehen. Der französische Verband rahmte dieses Endspiel entsprechend bedeutungsvoll ein. Anlässlich des 100. Todestages des Kampfpiloten Roland Garros, nach dem dieses Grand-Slam-Turnier benannt ist, flog vor dem Match eine Militärflugzeugstaffel über die Arena, sprühte die Flaggenfarben Frankreichs in den Himmel, und natürlich ertönte bald die Hymne, die Marseillaise, ohne die der Franzose nicht aus dem Haus geht. Die einzige Sorge galt dem Wetter: Es war diesig, schwül, bewölkt. Aber noch hielt es. Um kurz nach 15 Uhr wurden dann die Duellanten auf den Platz gerufen, und es ist immer wieder ein Spektakel, wenn der Stadionsprecher jedes einzelne Jahr benennt, in dem Nadal die French Open gewann: Das zieht sich über zehn Jahre hin. Die Zuschauer raunen dazu immer, auch diesmal.

Für Thiem galt es, sofort zu zeigen, dass er bereit ist, seinen Vorsatz umzusetzen: "Die einzige Chance ist, die Rollen umzudrehen und selber in der Offensive zu sein", das hatte er gesagt, und: "Sobald er dich hat, lässt er dich nie mehr los, das ist in jedem einzelnen Ballwechsel so." Dass er Nadal als einer der ganz wenigen besiegen kann, hat Thiem bewiesen. Er war sogar der Einzige, der ihn vor Paris in den vergangenen zwei Jahren jeweils einmal auf Sand bezwingen konnte. "Er hat die Power", betonte Nadal vorab. Kurz nachdem die früheren Champions Adriano Panatta, Nicola Pietrangeli, Ken Rosewell und Manolo Santana begrüßt wurden und sich Jean-Paul Belmondo und der Basketballer Pau Gasol gesetzt hatten, begann das Kräftemessen.