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French Open - Match des Tages (2):Wildes Abenteuer in fünf Akten

2013 French Open - Day Two

Kauern für den nächsten Return: Gaël Monfils gewann knapp gegen Tomas Berdych. 

(Foto: Getty Images)

Spannend? Ja! Hochklassig? Ja! Und am Ende ist einer der Geheimfavoriten in Paris draußen: Der Tscheche Tomas Berdych verliert gegen Gaël Monfils in fünf hart umkämpften Sätzen, weil er zum Schluss zu viele Fehler macht. Der französische Publikumsheld könnte noch für großes Spektakel sorgen.

Match des Tages (2): Gaël Monfils (Frankreich) - Tomas Berdych (Tschechien/5) 7:6 (8), 6:4, 6:7 (3), 6:7 (4), 7:5

Wer Gaël Monfils auch nur flüchtig zusieht, könnte glauben, Tennis sei in jeder Sekunde ein Abenteuer. Der dunkelhäutige Franzose mit dem angedeutetem Afro-Look rast nicht bloß über den Platz; er fliegt, hechtet, steigt für Schmetterbälle wie ein Express-Fahrstuhl in die Luft, dreht sich für Richtungsänderungen in Windeseile um die eigene Achse, und wenn das alles nicht reicht, rutscht er den Bällen hinterher - nicht bloß auf weichen Belägen wie Sand oder Rasen, sondern auch auf Hartplätzen, mit einer Selbstverständlichkeit, die nach erstem Entsetzen eine Weile vergessen lässt, wie sehr diese Bewegung auf die Fußgelenke, die Bänder und die Knie geht.

Und wenn dann wieder ein spektakulärer Ballwechsel beendet ist, wendet sich dieser 1,93 Meter große, schwarze Spieler gerne zum Publikum und holt sich seinen Extralohn in Form eines Sonderbeifalls ab. Die Zuschauer können sich bei ihm auf Spektakel einstellen, das macht ihn weltweit so ungeheuer populär. Es ist ein Ereignis für sich, wenn das Publikum mit ihm fiebert und Feuer fängt. Und weil er in Paris geboren wurde, ist ziemlich klar, wie das Publikum in der französischen Hauptstadt auf ihn reagiert.

Monfils steht in einer jahrzehntelangen Tradition französischer Tennis-Showmen. Während der Urahn dieser Sippe, René Lacoste, in den 1920ern vor allem durch seine Eleganz bestach, waren seine Nachfahren mindestens so herausragende Entertainer wie Sportler. Für Wesen wie Yannick Noah (French-Open-Sieger von 1983) oder Henri Leconte (French-Open-Finalist von 1988), Jo-Wilfried-Tsonga (Australian-Open-Finalist von 2008) oder Gaël Monfils ist das herrliche Wort flamboyant erfunden worden, denn es bringt das Flammende, Entflammende dieser Athleten auf den Punkt.

Allerdings fehlt ihm der Instinkt, das Ding zu Ende zu bringen; seine Fähigkeiten unbedingt gewinnbringend und sinnvoll einsetzen. Und das verfolgt ihn bis heute. Er verliert einfach zu viele Spiele, die er gewinnen müsste. Er erinnert dann häufig an eine Katze, die eine Maus nicht tötet, weil sie noch ein bisschen spielen will - und dann verhungert, weil die Maus sich dem Zugriff wider Erwarten noch entzogen hat. Ein klassisches Beispiel war im Januar bei den Australian Open das fünfstündige Match gegen Gilles Simon, in dem es einen Ballwechsel mit 78 Schlägen gab und das Monfils 8:10 im fünften Satz verlor.

Wer solche Spiele gesehen hat, der begreift, warum Monfils zwar kleinere Turniere gewonnen hat (bisher vier in seiner Karriere), aber die wichtigen Spiele zumeist verliert (nicht umsonst unterlag er in 14 von 19 Profi-Endspielen); und er versteht, warum Monfils noch nie über ein Grand-Slam-Halbfinale (2008 in Paris gegen Roger Federer) heraus - und an Federer, Rafael Nadal oder Novak Djokovic vorbeigekommen ist. Djokovic, den der um neun Monate ältere Monfils in ihrer gemeinsamen Jugend noch im Griff hatte, hat dem Franzosen inzwischen sieben Major-Erfolge voraus.

All das sei als Einstieg für das Spektakel gestattet, das er den Zuschauern am Montag bot. Weil er in den ersten fünf Monaten des Jahres entweder schlecht oder gar nicht gespielt hatte, war Monfils aus den Top 100 gepurzelt. Rechtzeitig vor den French Open hatte er sich jedoch eindrucksvoll zurück gemeldet: mit einem Turniersieg beim Challenger von Bordeaux. Und der Finalteilnahme von Nizza.

Dementsprechend galt er als Angstgegner der ersten Runde, niemand wollte gegen ihn antreten. Es traf den an Nummer fünf gesetzten Tomas Berdych. Der tschechische Wimbledon-Finalist von 2010 gehört selbst zum erweiterten Favoritenkreis, nachdem er zuletzt in Rom Novak Djokovic bezwungen hatte. Doch gegen Monfils konnte er lange den Bällen nur hinterher schaute. Andererseits: Wer hätte das nicht gemusst?

Monfils spielte so mutig und hart wie eh und je. Aber obendrein konzentriert und klug. Den ersten Satz gewann er knapp im Tiebreak (10:8), im zweiten wäre ihm fast eine Rarität gelungen: In seinen fünf Aufschlagspielen gab er bloß einen Punkt ab, bei 5:4 und 40:0 - ein sinnfreier Stoppball, der seinen Satzgewinn aber nicht verhindern konnte.

Danach jedoch geschah das, was im Tennis so oft passiert: Monfils ließ drei Minuten seine Gedanken schweifen, und diese Auszeit nutzte Berdych zu seinem ersten Break. Plötzlich war sein Gegner zumindest gleichwertig, und obwohl der Tscheche bei 5:3 wackelte und sein Service abgeben musste, behielt er im Tiebreak die Nerven und verkürzte nach Sätzen auf 1:2.

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