French Open:So zackig wie im Badminton

Krawietz und Mies wollten ihre Chance nutzen, hatten sie felsenfest versichert zuvor, und so entschlossen waren sie gestartet. Zu Null, ohne einen Punkt abzugeben, nahmen sie Chardy/Martin das Aufschlagspiel ab. Wie aufgepumpt legten sie nach, 2:0, wieder gelang ein Break, 3:0. Ein Erfolgsmittel dabei war eine taktische Variante, die Mies bei einer Pressekonferenz so umschrieb: "Wir wollen lange Baseline-Rallyes verhindern", hatte er erklärt, "ein-, zweimal, und dann geht der Netzmann dazwischen." Der Netzmann ist der, der vorne steht, während der andere entweder etwa aufgeschlagen oder eben returniert hat. Vor allem Einzel-Spezialisten, die im Doppel ihre Gegner sind, wollen sie auf diese Art "ins Doppelspiel verwickeln". Nur, Chardy (war mal 25. im Einzel) und Martin (mit dem Mies auch befreundet ist) sind im Doppel auch firm. Diese Saison gewannen sie schon zwei Titel, in Marseille und Estoril. 6:2 endete der erste Satz für Les Allemands.

Im zweiten Satz wurde es enger, die Aufschläger hielten ihre Service-Spiele. Chardy, im ersten Satz eine kleine Schwachstelle, stabilisierte sich. Krawietz und Mies blieben wuselig, immer wieder wagten sie Störmanöver, nervten am Netz. Beeindruckend ihre energetische Körpersprache. Manche Aktionen sahen so zackig wie im Badminton aus, pitsch, patsch, pitsch, und bei 5:5 gab es einen Ballwechsel, den sich Mies in einen schönen schwarzen Rahmen einrahmen und für immer an die Wand hängen sollte. Es ging spektakulär am Netz zwischen den vier Akteuren hin und her, ehe Mies den letzten Volley hinten links unerreichbar platzierte. Er riss die Arme hoch, die Zuschauer schrien auf, die deutschen vor Freude, die französischen, weil sie baff waren. 6:6, es ging in den Tie-Break.

Die Stimmung war wie bei einer verrückt guten Party, immer wieder Rufe, Gesänge, das Stadion war weiterhin bestens gefüllt. Als der erste von drei Matchbällen gleich saß, sanken Krawietz und Mies auf den Boden. Fast synchron. Der Lohn ihres Coups sollte nun nicht mehr lange auf sich warten. Sie bekamen den Jacques-Brugnon-Cup ausgehändigt, benannt nach einem früheren französischen Doppelspezialisten. Dazu kommen ja 580 000 Euro, die sie sich teilen. Mies, in den USA vier Jahre lang College-Spieler gewesen, hattet zuvor ein Karriere-Preisgeld von rund 160 000 Euro.

Mies kündigte vor Freude an: "Wir reißen heute Abend den Eiffelturm ab."

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