French Open:Warum sich das Spiel von Krawietz und Mies perfekt ergänzt

Jahrelang hatte er kleine Turniere abgeklappert, 200 Euro für einen Sieg bei einem Future, 1100 Euro bei einem Challenger. "Ich habe viel draufgezahlt." Zuvor betrug sein Karriere-Preisgeld 160 000 Euro. Nun teilen sie sich 580 000 Euro. "So viel?", rief Mies. Er wolle aber sparen. Es sei eine beruhigende Basis für das Reisen auf der Tour. Nun dürfen sie ja überall hin. Zum Beispiel wieder nach Wimbledon, wo sie 2018 ihr zuvor einziges Grand Slam bestritten hatten.

"Aber das könnt ihr mir glauben", schob Mies nach, "der Titel ist mir echt wichtiger als Geld. Diese Momente zu erleben, als wir auf den Boden gefallen sind und uns in den Armen lagen." Wie zwei Säcke waren sie synchron auf den Rücken geplumpst. "Ich dachte, wo bleibst du?", verriet Mies. "Warum springst du nicht auf mich drauf?" Gab es mal so beschwingte deutsche Sieger?

"Was für eine Reise!", staunte Krawietz, als er bei der Siegerehrung auf Englisch zur Tenniswelt sprach. Die nachgereisten Freunde und Familienmitglieder im Publikum applaudierten. "Die hatten auch Tränen in den Augen", sagte Mies, "das sind Momente, wofür wir spielen."

Jetzt klingt alles so schlüssig, wie sie es schafften, die Branche zu überrumpeln - und sich selbst: Mies musste einmal umziehen, weil sie länger im Wettbewerb blieben als gedacht. Dann musste er seine Airbnb-Wohnung verlängern, weil sie das Finale erreichten - und er nur bis Freitag gebucht hatte.

Mies zerstört jeden Rhythmus der namhaften Gegner

Ende 2017 hatten die zwei es erstmals miteinander versucht, "die Chemie stimmte gleich", sagte Mies. Sie gewannen ein Challenger, ein kleineres Profiturnier. Seit März 2018 sind sie ein festes Duo. Seitdem ging es aufwärts. "Wir ergänzen uns perfekt", betonte Krawietz. Er schlage gut auf, sei der Ruhigere. Der Return sei eine Stärke von beiden. Und Mies? "Du kannst Kanonenkugeln auf ihn schießen", sagte Krawietz, "da räumt er sie weg. Es ist ihm völlig wurscht, was da angeflogen kommt."

Wie ein Irrwisch hechtete Mies am Netz in die Ballwechsel, zerstörte jeden Rhythmus der Gegner, die namhaft waren. In Runde zwei bezwangen sie den Franzosen Nicolas Mahut, der alle vier Grand- Slam-Titel im Doppel errang, und den Österreicher Jürgen Melzer. Chardy/Martin besiegten sie 6:2, 7:6 (3), es war komplett verdient. Sie ließen keinen Breakball zu.

Und dass der Eiffelturm noch steht? "Wir haben uns da leider übernommen", sagte Mies lachend am Sonntag. "Wir waren zwar 50 Leute, aber der Eiffelturm ist doch zu stabil." Krawietz scherzte: "Wir haben dran gerüttelt, aber er wollte nicht." Bis halb sechs morgens hätten sie gefeiert, in einem Nachtclub. Als Nächstes spielen sie das Rasenturnier in Halle, aber erst einmal geht es nach Hause. "Ich habe bisher nur den Matchball gesehen, den mir ein Freund per Video zugeschickt hat", sagte Mies. "Zuhause werde ich auf jeden Fall das Halbfinale und Finale genüsslich reinziehen." Das Schöne: Er weiß ja, wie sie ausgingen.

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