French Open Die letzte Mohikanerin

Zwölf deutsche Tennisspieler waren in Paris angetreten, am Ende blieb nur Marlene Weingärtner übrig. Die 24-Jährige steht etwas überraschend im Achtelfinale der French Open. Dort trifft sie auf Russlands neues Tennis-Sternchen. Die zweite verbleibende Deutsche, die Debütantin Anna-Lena Grönefeld, beendete ihr Drittrunden-Match im Krankenhaus.

Die letzte Deutsche in der dritten Runde besiegte am Freitag in Paris mit 6:3, 6:2 überraschend die an Nummer acht gesetzte Russin Nadja Petrowa, die im Vorjahr im Halbfinale stand. Als erste deutsche Spielerin seit Anke Huber 2000 gehört die Heidelbergerin in Paris zu den besten 16.

Weingärtners Gegnerin im Achtelfinale: Die 17 Jahre alte Maria Scharapowa gilt als "Shooting Star" der Tennisszene.

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Ein Ergebnis, das sie zuvor schon bei den Australian Open 2002 erreicht hatte. Im Achtelfinale trifft die Nummer 94 der Weltrangliste am Sonntag erneut auf ein russisches Tennis-Talent: Die 17 Jahre alte Maria Scharapowa gilt als "Shooting Star" der Tennisszene.

Marlene Weingärtner durfte sich nach ihrem Überraschungssieg über das stattliche Preisgeld von 54 570 Euro freuen. Die 24-Jährige hatte die Russin 71 Minuten lang fest im Griff. Petrowa, deren Spiel normalerweise vom Service lebt, gewann nur zwei von neun Aufschlagspielen.

"Das war eine Riesenüberraschung", sagte Fedcup-Kapitän Klaus Eberhard. "Aber bei Marlene ist ab und zu mal so ein Spiel drin. Sie hat das Potenzial."

Verletzungen warfen Weingärtner, die in ihrer Karriere noch nie ein WTA-Turnier gewonnen hat, immer weider zurück. Ständige Trainerwechsel kamen hinzu. Neuerdings wird sie vom früheren deutschen Meister Christian Vinck trainiert. Der 28-Jährige hat etwas Ordnung ins Chaos der künstlerisch begabten Tennisspielerin gebracht, die unter dem Namen "Marwei" nebenher Bilder malt und ausstellt.

In diesem Jahr fehlte sie wegen Bauchmuskel-zerrungen und eines Ermüdungsbruchs im Fuß zwölf Wochen. Nun könnte sie gegen Scharapowa sogar erstmals ins Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers einziehen.

Weingärtners Überraschungssieg war nicht der erste im Turnier. Die Titelverteidiger Justine Henin-Hardenne (Belgien) und Juan Carlos Ferrero (Spanien) mussten schon nach der zweiten Runde ihre Koffer packen. Zum ersten Mal in der Geschichte der French Open sind beide Vorjahressieger zu so einem frühen Zeitpunkt gescheitert.

Indes hatte sich die sechsmalige Grand-Slam-Siegerin Serena Williams (USA) gegen die 17 Jahre alte Moskauerin Maria Kirilenko aus höchster Not in Runde drei gerettet.

Das Grand-Slam-Debüt von Anna-Lena Grönefeld nahm hingegen ein jähes Ende genommen. Das 18-Jährige aus Nordhorn, die im vergangenen Jahr in Paris den Juniorinnen-Titel gewonnen hatte, war im Match gegen die Russin Jelena Bowina bei einem Spagatschritt mit dem linken Knie böse weggeknickt.

Sie musste aufgeben und ins Krankenhaus gebracht werden. Am Freitag gab es Entwarnung. "Es ist nicht so schlimm, wie zunächst befürchtet. Sie wird nur zwei Wochen pausieren müssen", sagte Bundestrainer Eberhard.