Süddeutsche Zeitung

French Open:Die bessere Ivanović

Die Tschechin Lucie Safarova zieht in Paris erstmals ins Finale eines Grand Slams ein. Sie hat bei diesem Turnier noch keinen Satz verloren. Auch eine aggressiv spielende Ana Ivanović kann sie nicht stoppen.

Mit der französischen Aussprache ist das ja nicht immer einfach, aber Lucie Safarova bemühte sich, das rechnete ihr das Publikum sofort an und applaudierte. Einzig Fabrice Santoro, der frühere Spitzenspieler, der Vor- und Rückhand beidhändig sägte, fragte beim Platzinterview erschrocken nach, was die Tschechin meinte, als sie ein "Määäßi Baddiis" zum Besten gab. Sie wiederholte ihren Dank, beim zweiten Mal klang es tatsächlich mehr nach "Merci, Buddies", was sie meinte.

Ana Ivanovic dagegen hat nun nicht mehr solche Probleme, wie sie bei den French Open herzlich mit dem Publikum kommuniziert. Die Serbin, 28, hat ihr viertes Finale bei einem Grand Slam verpasst, während Safarova ihr erstes erreichte mit ihrem 7:5, 7:5-Erfolg am Donnerstag. "Ein Traum wurde wahr", sagte Safarova dann doch lieber auf Englisch. Im Endspiel trifft sie auf die topgesetzte Amerikanerin Serena Williams, die in einem merkwürdigen Auftritt gegen die mutige, 25 Jahre alte Schweizerin Timea Bacsinszky 4:6, 6:3, 6:0 gewann. Wie hypnotisiert torkelte sie oft zwischen Ballwechseln umher, "ich bin krank", sprach sie später. Für Ivanovic sprang bestenfalls eine Art Dreiviertel-Traum heraus.

Ivanovic mit frisch zusammengestelltem Team

Die Nummer sieben der Weltrangliste hatte 2008 die inzwischen mit 28 Millionen Euro dotierte Veranstaltung gewonnen, seitdem aber nicht mehr das Viertelfinale erreicht. 2015 hatte Ivanovic durchwachsene Ergebnisse, von sehr gut (Finale in Brisbane) bis schlecht (Erstrunden-Aus in Stuttgart), im April trennte sie sich von Trainer Dejan Petrovic, für Paris heuerte sie Mats Merkel an, der auf den Tennistouren als Coach für einen großen Sportartikelhersteller herumreist und für Vertragsspieler zur Verfügung steht.

Und weil auch eine bekannte deutsche Fußballgröße sehr offensichtlich zum engen Kreis von Ivanovic zählt, war dieses Team, von dem die 27-Jährige so gerne schwärmte, eine frisch zusammengestellte, effiziente Truppe, zu der auch noch ein Fitnesstrainer und Physio zählte (sowie eine Person, die in Pressekonferenzen schon mal bei zu persönlichen Fragen "next question" hineinrief)

Safarova adaptierte den Matchplan ihrer Gegnerin

. Ihr verbessertes Spiel hatte sichtbar mit einigen Einheiten mit Merkel zu tun, man habe an "Strukturen" gearbeitet, sagte der 30-Jährige aus Münster. Bis zu einer 5:2-Führung im ersten Satz bekam auch Safarova, die in der dritten Runde Sabine Lisicki bezwungen hatte, Ivanovic' frische Art zu spüren: Aggressiv und mit geschicktem Punkteaufbau wurde die 28-Jährige aus Brünn dominiert, die dann aber selbst mehr und mehr den Matchplan ihrer Gegnerin adaptierte.

Safarova holte auf, ihr gelangen fünf Spiele in Serie, 7:5. Im zweiten Satz gelang ihr das Break zum 2:1, bei 5:4 vergab sie einen Matchball per Doppelfehler, noch einmal glich Ivanovic aus. Doch das Hinterherlaufen kostete Kraft und Konzentration, nach einem weiteren Break nutzte Safarova ihren dritten Matchball und ließ sich in den Sand fallen. Sie war an diesem Tag die bessere Ivanovic.

"Ich bin wirklich stolz, was ich in den zwei Wochen erreicht habe", sagte die Unterlegene entspannt, "ich habe nur gespürt, dass mir langsam der Sprit ausgeht." Normalerweise punktet Ivanovic häufiger als ihre Kontrahentin mit direkten Gewinnschlägen, Safarova indes setzte ihr in dieser Statistik doch zu (36:25). Die Wimbledon-Halbfinalistin von 2014 wird schon jetzt zur Belohnung Mitglied in einem besonderem Klub werden: Sie ist von Montag an Top-Ten-Spielerin. "So langsam begreife ich das alles", sagte Safarova, "ich bin zwölf Jahre auf der Tour. Da weiß man einen solchen Erfolg zu schätzen."

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SZ vom 05.06.2015/cmy
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