Nach dem Sand kommt der Rasen. Das dürfte die erhebende Botschaft für Angelique Kerber am Ende eines nasskalten Tages in Paris sein. Sie hatte stundenlang auf den Beginn ihres persönlichen Turnierstarts waren müssen, während der Niederschlag auf die Plastikplanen prasselte, die die Sandplätze bedeckten, und die Besucher der French Open vor dem zweistöckigen Souvenirgeschäft Schlange standen, um den „Parapluie Roland-Garros Logo Tricolore“ zu erstehen, für 65 Euro das Stück. Es dauerte bis zum Nachmittag, ehe die Schirme zusammengeklappt werden konnten. Und als der Regen nach anderthalb Stunden wieder einsetzte, hatte Angelique Kerber, 36, in der Zwischenzeit ihr Auftaktmatch verloren.
„Vieles hat heute nicht zusammengepasst“, sagte sie nach der Niederlage am späten Dienstagnachmittag, 4:6 und 3:6, gegen Arantxa Rus aus den Niederlanden: Sie spielt ungern gegen Linkshänderinnen, sie spielt ungern bei diesem Wetter, und zu behaupten, dass sie eine heiße Leidenschaft für das Topspin-Tennis der Sandplatzsaison verspüre, wäre übertrieben. Ihre drei Grand-Slam-Trophäen hat sich Angelique Kerber auf den schnellen Böden von Melbourne, New York und Wimbledon erlaufen. In Paris, wo als bestes Ergebnis 2018 ein Viertelfinale vermerkt ist, steht nun die fünfte Erstrundenniederlage zu Buche.
Obwohl Kerber kürzlich in Rom das Achtelfinale erreicht hatte, ebenfalls auf Sand, fand sie gegen Rus, Nummer 50 der Welt, schwer ins Spiel. Schnell lag sie 1:4 zurück, erkämpfte sich den Ausgleich, ehe sie den Durchgang doch verlor. Der Zwischenruf eines niederländischen Fans beim Satzball hatte sie irritiert, sie wähnte das Spiel unterbrochen, eine kurze Debatte mit dem Schiedsrichter folgte: „Ich wollte es wenigstens erklärt bekommen.“ In zweiten Durchgang musste sie sich beim dritten Matchbälle geschlagen geben. Den Umstand, dass sie als Wimbledonsiegerin 2018 auf einem engen, lauten Nebenplatz anzutreten hatte, ließ sie unkommentiert: „Ich nehme es, wie es ist.“
Seit sie zurück ist auf der Tennistour nach der Geburt ihrer Tochter hat Angelique Kerber sowohl in Australien als auch in Frankreich zum Auftakt verloren. Aber das Highlight des Jahres aus ihrer Sicht kommt erst noch: Wenn im Juni die Rasentennissaison beginnt, wird sie in Berlin, in Bad Homburg und dann im All England Club spielen. „Egal, wie es hier läuft, das wird mir auch im Hinblick auf Rasen etwas bringen“, hatte sie bei Ankunft in Paris gesagt. Weil auch Tatjana Maria, Laura Siegemund, Eva Lys und Jule Niemeier ihre ersten Aufgaben nicht lösten, ist aus deutscher Sicht nur noch die Hamburgerin Tamara Korpatsch bei den French Open vertreten. Sie gewann gegen Ashley Krueger aus den USA 4:6, 6:4, 7:6. Vom Regen ließ sie sich ebenso wenig stören wie Jan-Lennard Struff, der am Dienstagabend den Argentinier Roman Andres Burruchaga im Schnelldurchlauf 6:3, 6:2, 6:1 besiegte.


