French Open:25 000 Euro Strafe wegen "first round performance"

PETER GOJOWCZYK GER Tennis French Open 2017 Grand Slam ATP Tennis Herren WTA Tennis Damen

Muss zahlen, weil er aufgegeben hat: Peter Gojowczyk in Paris.

(Foto: Juergen Hasenkopf/imago)
  • Nach einer neuen Regel darf man bei einem Grand-Slam-Turnier nicht mehr angeschlagen zur ersten Runde antreten, um das Preisgeld zu kassieren.
  • Wenn die Veranstalter der Überzeugung sind, dass man es trotzdem versucht, verhängen sie hohe Strafen.
  • Nun hat es nach Mischa Zverev bei den Australian Open den Münchner Profi Peter Gojowczyk in Paris erwischt.

Von Gerald Kleffmann, Paris

Im "Le Village", hinter dem Court Philippe-Chatrier, dem Hauptstadion der French Open, befindet sich ein VIP-Bereich für Sponsoren. Auf dem Weg zu einem von Licht durchfluteten Atrium schreitet man durch einen Gang. Auf der linken Wand sind alle Sieger gelistet, aufgeteilt in Epochen; bis ins Jahr 1891 geht die Zeitreise zurück. Auch Utensilien sind zu sehen. Das originale (und hoffentlich gewaschene) Stirnband von Björn Borg, der sechsmal Roland Garros gewann. Auch ein von Stan Smith getragener Tennisschuh, dessen schlichtes weißes Modell heute Kult ist. Oder das Hemd des Brasilianers Gustavo Kuerten, den sie hier so geliebt haben.

An dieser Wand will jeder verewigt sein. Dafür kämpfen die Profis jedes Jahr. Peter Gojowczyk hängt nun an einer anderen Wand. Auf diese will allerdings keiner.

Im Trakt des Philippe-Chatrier, neben dem Büro des Tennis-Weltverbandes ITF und der Turnierorganisation, steht auf einem Din-A4-Blatt: "On-site fines summary". Strafen, die Spieler erhielten, sowie ihre Vergehen sind angeführt. Täglich aktualisiert. Alexander Zverev muss für das Zertrümmern seines Schlägers beim Erstrundensieg gegen den Serben Dusan Lajovic 2000 Euro zahlen. In dieser Höhe sind die meisten Strafen. Seit Donnerstag nun steht Gojowczyk in dem Raster: mit 25 000 Euro. Grund: "First round performance".

In der ersten Runde am Montag hat der 28 Jahre alte Münchner, der am Samstag noch sein drittes Finale bei einem ATP-Tunier in Genf bestritt (und gegen den Ungarn Marton Fucsovics verlor), beim Stand von 1:6, 0:2 gegen den Briten Cameron Norrie aufgegeben. Nach 41 Minuten. Auf dem Court war er zuvor von einem Physiotherapeuten behandelt worden. Am Anfang des ersten Satzes, sagte er anschließend in einer Runde mit deutschen Reportern, sei es ihm "ein bisschen in die Hüfte reingestochen". Ob er befürchte, dass die ITF ihn konsultieren werde, weil es eine neue Regel gibt, wurde er auch gefragt. Diese Regel besagt, dass Spieler, die sich trotz Verletzung nur auf den Platz in der ersten Runde stellen, um das Preisgeld abzukassieren, sanktioniert werden. 40 000 Euro gibt es in Paris allein für den ersten Antritt. "Darüber habe ich gar keine Infos", sagte Gojowczyk, "darüber habe ich mir auch gar keine Gedanken gemacht." Er habe sich fit gefühlt, auch wenn er in Genf nach "vielen guten Matches meinen Körper gespürt" habe: "Ich wollte rausgehen und gewinnen".

Offensichtlich hat ihm das die ITF nach einer Anhörung nicht geglaubt. Deren Haltung: Gojowczyk, der sich auch dank seines ersten Turniersiegs im vergangenen Herbst in Metz auf Rang 43 der Tennis-Weltrangliste gearbeitet hat, hätte zurückziehen und einem Nachrücker aus der Qualifikation Platz machen müssen. Diese so genannten Lucky Loser, das ist das Neue, teilen sich mit jenen Spielern, die ihren Startplatz freigemacht haben, dann das Preisgeld. 20 000 Euro in Paris also für jeden. "Diese Regel ist gut", findet Michael Kohlmann, der Teamchef der deutschen Davis-Cup-Mannschaft. "Verletzte werden nicht mehr ermutigt, auf den Platz zu gehen, um zu kassieren." Das Konzept zeigt Wirkung. In Paris rückten gleich acht Lucky Loser bei den Männern auf. Von 256 Profis inklusive der Frauen gaben nur zwei Spieler in der ersten Runde auf. Der Zypriote Marcos Baghdatis gegen den Kolumbianer Santiago Giraldo beim Stand von 3:6, 3:4 - und Gojowczyk.

Das Ungewöhnliche aus deutscher Sicht: Es gibt seit Einführung der Regel zum Jahreswechsel bislang zwei bestrafte Profis für diese Art des Vergehens - beide Male waren es deutsche. Bei den Australian Open im Januar hatte Mischa Zverev, 30, gegen den Koreaner Hyeon Chung beim Stand von 1:6, 2:4 die Partie beendet. Damals erklärte er, ein Infekt und eine Knochenhautentzündung in der linken Schulter hätten ihn letztlich doch dazu genötigt. Von seinem Preisgeld (38 400 Euro) blieben ihm abzüglich der höchsten im Tennis während eines Grand-Slam-Turniers ausgesprochenen Geldstrafe von 36 750 Euro noch 1650 Euro. "Das sieht natürlich komisch aus jetzt mit zwei Deutschen", sagte Michael Kohlmann, "aber das ist halt so." Gleichzeitig kenne er Gojowczyk als jemanden, der nicht versuche, "irgendetwas vorzumachen".

Gojowczyk äußerte sich nicht, sein Trainer Alexander Satschko teilte der SZ aber mit, dass Gojowczyk "selbstverständlich in Berufung" gehe, diese werde gerade vorbereitet. Die Aussichten dürften schlecht sein. Auch Mischa Zverev war gescheitert. "Das Grand Slam Board will ja mit der neuen Regel hart durchgreifen, sonst hat das keine abschreckende Wirkung", sagte Kohlmann. Sollte Gojowczyk erfolglos bleiben, würden ihm von seinen 40 000 Euro Preisgeld aus der ersten Runde nur 15 000 bleiben. Hätte er verzichtet, wären ihm kampflos 20 000 Euro überwiesen worden.

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