Süddeutsche Zeitung

Freiburgs Trainer Streich:"Vor zwei Wochen wäre es nicht denkbar gewesen, dass ich heute hier sitze"

  • Nach seinem Bandscheibenvorfall kehrt Freiburgs Trainer Christian Streich im Bundesliga-Spiel gegen Stuttgart auf die Bank zurück.
  • Er will eine "furchtbare" Quote verschönern, den Stuttgarts Mario Gomez hat gegen Freiburg zuletzt besonders viele Tore erzielt.
  • Hier geht es zur Tabelle der Fußball-Bundesliga.

Es war tatsächlich Christian Streich, der bei der Freiburger Spieltags-Pressekonferenz auf dem Podium saß. Und hätte man nicht gewusst, dass ihn ein Bandscheibenvorfall zuvor wochenlang außer Gefecht gesetzt hatte, man hätte es dem Mann mit dem olivgrünen Shirt und den frisch gestutzten Haaren erst dann angemerkt, als er deutlich vorsichtiger als üblich zurück ins Trainerbüro ging.

Streich hatte die ersten beiden Bundesliga-Partien der Saison verpasst, vom Krankenbett aus aber die Übungseinheiten mit dem Trainerstab abgesprochen. Assistent Lars Voßler, der bei den beiden Niederlagen gegen Hoffenheim (1:3) und Frankfurt (0:1) auf der Bank gesessen hatte, rückt nun wieder ins zweite Glied. Dem Vernehmen nach hat der Mann, der auch schon Jogi Löw beim Einstudieren von Standardsituationen half, seine Arbeit als Streich-Vertreter fachlich gut gemacht.

Doch die Spieler vermissten das auch an der Seitenlinie temperamentvolle Coaching des Cheftrainers, der "zeitweise nicht gehen konnte" und "schmerzhafte Ausstrahlungen" in den ganzen Körper hatte.

Gomez traf in elf Partien zehnmal gegen den SC Freiburg

"Vor zwei Wochen wäre es nicht denkbar gewesen, dass ich heute hier sitze", sagte der 53-Jährige dann, ehe er auf das badisch-schwäbische Aufeinandertreffen gegen den VfB Stuttgart am Sonntag (18 Uhr) einging, das in der öffentlichen Wahrnehmung zuweilen auf ein Duell eines mehr oder weniger namenlosen badischen Kollektivs gegen Mario Gomez reduziert wird. Und tatsächlich traf der gerade zurückgetretene Nationalstürmer, der am Sonntag sein 300. Bundesligaspiel bestreitet, in elf Partien zehn Mal gegen Freiburg.

"Du musst genau wissen, in welcher Situation er was macht. Da sind Muster erkennbar, aber er macht es so gut, dass - wenn man es nicht optimal gegen ihn macht - er trotzdem Tore schießt", sagte Streich deshalb und deutete an, dass die Freiburger Defensivreihe eine anstrengende Trainingswoche hinter sich hatte. "Die Innen- und Außenverteidiger müssen wissen, wo Mario Gomez in der Regel steht, wie seine Laufwege sind, wann er bewusst im Abseits steht. Klar haben wir uns mit ihm beschäftigt, weil er Qualität hat."

Überhaupt, so der Trainer, "müssen wir künftig besser verteidigen, denn es wird in dieser Saison nicht immer so sein, dass wir so viele Torchancen haben wie bisher." In den ersten beiden Spielen hatte der SC auf wundersame Weise die zweitmeisten Gelegenheiten hinter dem FC Bayern, traf aber nur ein Mal. "Furchtbar" sei diese Quote, so Streich, genauso "furchtbar" wie die Art und Weise, wie die Gegentore im Spiel zuvor gegen Hoffenheim fielen.

Offen ist noch die Besetzung der rechten offensiven Außenbahn

Für das Spiel der beiden Fehlstarter - beide Teams verloren die ersten beiden Bundesligapartien, der VfB schied zudem im DFB-Pokal gegen Hansa Rostock aus - fehlt den Freiburgern neben Brandon Borrello und Amir Abrashi nur Stürmer Tim Kleindienst, der sich unter der Woche einen Innenband-Teilanriss zugezogen hatte. Offen ist noch die Besetzung der rechten offensiven Außenbahn, auf der Janik Haberer den Platz des zuletzt enttäuschenden Luca Waldschmidt einnehmen könnte. Auch der ungarische Last-Minute-Zugang Roland Sallai, den Streich via TV im Länderspiel gegen Griechenland beobachtete (Sallai traf dabei), scheint bereits nah an der ersten Mannschaft zu sein. Zumindest ein Kaderplatz ist möglich.

Die Debatte, ob es sich beim Aufeinandertreffen am Sonntag denn nun um ein Derby handle oder nicht, ist aus Fan-Sicht derweil leicht zu beantworten. Während das Spiel für viele SC-Anhänger in Ermangelung traditioneller anderer Rivalitäten ein besonderes ist, belächelt der Stuttgarter Anhang die Anfeindungen aus dem Dreiländereck eher. Zumal sie meist auf einem Niveau stattfinden ("Stuttgarter Arschlöcher"), das so rein gar nicht zum sowieso etwas rätselhaften Image als Studentenklub passen will. So sehr sie sich auch anstrengen, eigentlich haben sie in Schwaben gar nichts gegen den kleinen Klub aus dem Schwarzwald mit seiner weitgehend krawallfreien Fanszene.

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SZ vom 16.09.2018/ebc
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