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Freiburgs Christian Streich:"Das ist alles Schall und Rauch"

SC Freiburg - Bayern München

Glücklich in Freiburg: Christian Streich.

(Foto: dpa)
  • Vor dem Spiel des SC Freiburg gegen den FC Bayern kursieren Gerüchte, wonach Christian Streich neuer Bayern-Trainer werden könnte.
  • Der Freiburger Trainer sagt dazu, es könne nicht sein, dass "irgendwelche Leute Dinge behaupten, die erfunden sind".

Von Matthias Schmid, Freiburg

Dem kleinen Buben auf der Haupttribüne kullerten schon vor Spielbeginn ein paar Tränchen die Wangen herab, als er seinem Vater am Ärmel zog und im schönsten Badisch fragte: "Hesch scho ghört mit dem Chrischtian?" Der Vater nickte nur, er wollte nichts dazu sagen. Er schwieg zum Gerücht, dass Freiburgs Trainer Christian Streich laut Bild-Zeitung "lose Kontakte" zum FC Bayern haben soll. Der Papa war genauso traurig wie sein Sohn. Streich soll auf der "Liste möglicher Trainer" des Fußball-Rekordmeisters stehen, für die nächste Saison, wenn Jupp Heynckes, 72, seine Ankündigung wahrmacht und sich in den Ruhestand auf seinem umgebauten Bauernhof im Niederrheinischen zurückziehen wird.

Auch nach dem Spiel, nach dem imposanten 4:0-Sieg des Tabellenführers in Freiburg, mit dem der Gewinn der deutschen Meisterschaft schon im März immer wahrscheinlicher wird, war es das bestimmende Thema. "Eine schöne Geschichte", wie Thomas Müller die Debatte nannte. Der Stürmer wollte aber nicht näher darauf eingehen: "Wir tun gut daran, wenn wir nicht alle Gerüchte kommentieren, sonst hätten wir 50 Spieler im Kader und zehn Trainer."

Christian Streich schüttelt sein Haupt

Jupp Heynckes hatte die Frage in der Pressekonferenz schon erwartet, er hatte sich auch eine hübsche Antwort zurechtgelegt. Am Nachmittag vor dem Spiel sei er in der Freiburger Altstadt spazieren gegangen, über das Kopfsteinpflaster und die Bächlein. "Da habe ich dann festgestellt, was das für eine schnuckelige Stadt ist. Wunderschön", sagte Heynckes vergnügt und schlussfolgerte daraus: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das ohne Weiteres verlässt."

Der Mann, um den es ging, saß nur zwei Meter von ihm entfernt. Christian Streich, 52, schüttelte immer wieder sein Haupt. Er konnte die Aufregung nicht verstehen. Gelesen habe er den Artikel nicht, "das mache ich nie", sagte der Freiburger Cheftrainer. Über den Inhalt wusste er natürlich trotzdem Bescheid. "Das ist unwahr und stimmt einfach nicht", betonte er. Es könne nicht sein, dass "irgendwelche Leute Dinge behaupten, die erfunden sind", fügte er verärgert hinzu, um das Thema damit abzuschließen: "Das ist alles Schall und Rauch."

Menschen, die Streich nahestehen, erzählten am Sonntag, dass es keinen Kontakt mit dem FC Bayern gäbe. SC-Präsident Fritz Keller und Manager Klemens Hartenbach saßen vor dem Spiel mittags noch mit den Bayern-Chefs Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß zusammen an einem Tisch. Ein möglicher Streich-Wechsel nach München sei kein Thema gewesen, betonte Keller hinterher.

Hoeneß, Präsident des FC Bayern, verließ nach dem Spiel vergnügt, aber schweigend den Innenraum des Stadions. Dafür sprach Stürmer Sandro Wagner: "Ich kann mir Streich sehr gut beim FC Bayern als Trainer vorstellen", sagte er in die Runde, und machte dann eine Pause, um die Reaktion abzuwarten. Er lachte und fügte hinzu: "Ich kann mir auch viele andere als Trainer bei den Bayern vorstellen. Ich denke, dass sich schon irgendjemand findet in der Republik, der uns in der nächsten Saison trainieren wird." Und wenn es keinen gebe, merkte Wagner an, "dann mache ich es halt selber." Er sagte das ernst, ohne zu lächeln.

© Sz.de/schm/rus

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