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Freiburg - Mainz:Mateta lässt Mainz aufatmen

Sport-Club Freiburg v 1. FSV Mainz 05 - Bundesliga

Warum nur einmal, wenn man auch dreimal treffen kann? Der Mainzer Matchwinner Jean-Philippe Mateta umkurvt Freiburgs Keeper.

(Foto: Matthias Hangst/Getty)

Der Hattrick des Stürmers beschert beim 3:1 in Freiburg den ersten Saisonsieg für Trainer Jan-Moritz Lichte.

Von Christoph Ruf, Freiburg

Jan-Moritz Lichte zeigte kaum eine Regung, als Schiedsrichter Martin Petersen zum Mittelkreis deutete, obwohl Jean-Philippe Mateta nach gerade einmal zwei Spielminuten die 1:0-Führung für den FSV Mainz erzielt hatte - und obwohl er in seinen bislang fünf Ligaspielen als Cheftrainer der 05er nur einen einzigen Zähler hatte sammeln können. Doch im Laufe des Nachmittags sollte der zunächst reserviert reagierende Lichte noch genügend Gelegenheiten bekommen, sich richtig zu freuen. Am Ende gewannen seine Mainzer, die im zweiten Durchgang etwas nachließen, verdient mit 3:1 (3:0), feierten damit den ersten Saisonsieg und rückten im Tabellenkeller der Bundesliga bis auf zwei Zähler an Freiburg heran.

Der SC spielte fehlerhaft an diesem Sonntag: Beim frühen Gegentor hatte sich Baptiste Santamaria den Ball abluchsen lassen, vor den Abschlüssen von Mateta (12.) und Jean-Paul Boëtius (19.), die SC-Keeper Florian Müller parieren konnte, hatten Jonathan Schmid und Lucas Höler Ballverluste zu verantworten. Erschreckend war auch das Freiburger Abwehrverhalten beim 0:2, das der Mainzer Trainer Lichte erneut sehr gefasst zur Kenntnis nahm. Robin Quaison hatte sekundenlang Zeit, sich den Ball zurechtzulegen, ehe er abzog. Dass Müller dann den Ball nach vorne abprallen ließ und Mateta sein zweites Tor erzielen konnte, passte ins Bild (34.).

Doch es sollte noch schlimmer kommen für die im ersten Durchgang indisponierten Freiburger. Mateta schoss vor der Pause sogar noch einen dritten Treffer. Diesmal mussten weder Vorbereiter Boëtius noch der Franzose beim erfolgreichen Abschluss mit Gegenwehr leben (40.). Beim Stand von 0:3 ging es in die Pause.

In der vergangenen Saison hatte Freiburg Heimspiele gegen Bremen, Köln, Düsseldorf und Paderborn verloren, also gegen Mannschaften, gegen die man zu Hause gewinnen sollte, wenn man die Klasse halten will. Doch in der vergangenen Saison gelangen im Gegenzug Siege gegen Favoriten wie Gladbach, Leipzig oder Wolfsburg, so dass am Ende Platz acht heraussprang. In dieser Saison, so das Kalkül von Trainer Christian Streich, würde es brenzlig werden, wenn die Heimspiele gegen Teams auf Augenhöhe erneut nicht gewonnen werden. Ein Sieg gegen Mainz galt intern als Grundvoraussetzung, um nicht bereits vor der Winterpause in einen Panikmodus zu geraten. Nun, nach der ebenso verdienten wie deutlichen Niederlage, drohen dem SC schwere Wochen.

Dabei war es zu einer personellen Umstellung gekommen, die bereits vor dem Auswärtsspiel in Leipzig erwartet worden war. Doch während Streich damals noch davor zurückschreckte, Nicolas Höfler, der in dieser Saison ein halbes Dutzend Tore (mit-)verschuldet hatte, auf die Bank zu setzen, tat er es diesmal. An Stelle des Routiniers begann Lino Tempelmann auf der Sechser-Position, musste aber nach einer Halbzeit wieder vom Feld. Für ihn war es eine undankbare Partie, in der er ebenso nervös agierte wie seine Nebenmänner und manches Loch im Mittelfeld mit zu verantworten hatte, durch das sich die 05er kombinieren konnten, als ob sie ein Spiel gegen einen unterklassigen Gegner in der Vorbereitung herunterzuspulen hätten.

Streich, dessen Team im ersten Durchgang nur einen halbwegs gefährlichen Torabschluss zustande brachte (Schmid/ 45.+2.), wechselte dann Höfler für den wackligen Tempelmann ein. Und tatsächlich keimte Hoffnung auf, als Nils Petersen das 1:3 gelang - Keeper Zentner hatte zuvor einen Gewaltschuss von Roland Sallai nicht festhalten können. Christian Günter mit einem Distanzschuss (68.) und Höler im Fallen (72.) hatten noch Halbchancen, doch insgesamt war Freiburg zu harmlos, um Mainz ernsthaft in Verlegenheit zu bringen. Onisiwo (87.) und Boëtius (90.+1.) hatten sogar noch das 4:1 auf dem Fuß, ein SC-Tor von Ermedin Demirovic wurde wegen Handspiels abgepfiffen (90.+3). So blieb es beim 1:3 - und am Ende war es der Freiburger Trainer, der die letzten Minuten fast reglos am Rand stand.

© SZ vom 23.11.2020
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