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Bobic bei Eintracht Frankfurt:Der Frontmann schafft Fakten

Eintracht Frankfurt: Fredi Bobic und Niko Kovac mit dem DFB-Pokal

Der sportliche Höhepunkt einer beruflichen Beziehung: 2018 gelingt der Eintracht unter Sportvorstand Fredi Bobic und Trainer Niko Kovac (v.l.) mit einem 3:1-Sieg im Finale des DFB-Pokals gegen den FC Bayern München ein Coup.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Fredi Bobic zieht es als Sportvorstand von der Eintracht wohl zu Hertha BSC - sein aktueller Arbeitgeber ist über den Vorgang verstimmt und will eine Entschädigung.

Von Frank Hellmann, Frankfurt

Gewöhnlich pflegt Fredi Bobic eine Bundesligapartie von Eintracht Frankfurt auf den VIP-Plätzen der Haupttribüne zu verfolgen. Das Rampenlicht soll den Protagonisten auf dem Rasen gehören. Doch zum Heimspiel gegen den VfB Stuttgart am Samstag wird der Sportvorstand gar nicht verhindern können, dass die Kameras diesmal auch jede Regung im Logenbereich ausleuchten. Vor drei Wochen habe Bobic, 49, gegenüber Aufsichtsratschef Philip Holzer den Wunsch nach einer vorzeitigen Auflösung seines bis zum 30. Juni 2023 laufenden Vertrags hinterlegt, teilte die Eintracht mit.

In der ARD-Sendung "Sportschau Thema" stellte Bobic die Sachlage am Dienstagabend anders dar: Er habe bereits vor einem Jahr, "also vor Corona", den Wunsch geäußert, den Verein im Sommer 2020 zu verlassen. "Dann wurde ich gebeten, ob ich nicht noch die Corona-Saison durchziehen kann." Das habe er getan, "aus moralischen Gründen". Nach dieser Saison sei jedoch definitiv Schluss - und das wisse intern jeder: "Man war vorbereitet darauf, dass die Situation kommt, dass ich im Sommer 2021 den Verein verlassen werde." Diese "persönliche Entscheidung" solle man gefälligst respektieren, klang im Unterton durch.

Die unterschiedlichen Schilderungen deuten auf gehörige Verstimmungen hin: Im schlimmsten Fall droht nun eine schmutzige Scheidung. Die Unruhe kommt in der aktuellen Hochphase für die Hessen zur Unzeit. Bobic wollte nicht bestätigen, dass ihn der Hauptstadtklub Hertha BSC lockt, wo er nach Frankfurter Vorbild aus einem Abstiegskandidaten einen Champions-League-Anwärter formen soll. "Auf das Thema will ich nicht eingehen", betonte er. Zu viele Indiskretionen seien nach außen gedrungen. Auch die Hertha kommentierte die Personalie am Mittwoch nicht. Doch Bobics Verbundenheit mit der Hauptstadt ist verbürgt. Seine Frau Britta und die beiden erwachsenen Töchter leben seit vielen Jahren in Berlin. Und der 37-malige Nationalspieler Bobic selbst trug das Hertha-Dress auf seiner vorletzten Profistation von 2003 bis 2005, später kickte er sogar noch in der Ü32. Hertha-Vorstandschef Carsten Schmidt, ehemaliger Geschäftsführer des Bundesliga-Senders Sky, kennt Bobic aus seiner Zeit als Fernsehexperte bestens.

Fußball

Im Anflug auf die Hauptstadt? Fredi Bobic wird mit Berlin in Verbindung gebracht. Von 2003 bis 2005 trug der ehemalige Nationalspieler das Hertha-Trikot.

(Foto: Contrast/Imago)

Es gibt also einige Gründe, die für den Umzug sprechen. Dennoch ist die Eintracht nicht nur irritiert, sondern über den Kommunikationsweg verärgert. Zwar waren die Absetzbewegungen der wichtigsten Führungskraft offenkundig, aber das vom früheren Investment-Banker Holzer geführte Kontrollgremium hatte gehofft, den Architekt des Aufschwungs in Gesprächen zum Weitermachen bewegen zu können. Nun hat der Frankfurter Frontmann selbst Fakten geschaffen - und nun geht es wie so oft im Profifußball ums Geld. Die Eintracht will Bobic nur gegen eine Entschädigung aus dem Vertrag lassen: Die Rede ist von bis zu fünf Millionen Euro. Darüber wird bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 10. März gesprochen.

Bobic pflegt gute Kontakte unter anderem zur DFL

Der weltoffene Schwabe Bobic hat die Aufgabe in der Mainmetropole stets wie ein Projektleiter betrachtet. Dazu passt, dass er bis heute in einem Hotel in Sachsenhausen lebt, wo er meist frühmorgens am Flussufer zum Joggen geht. Er bringt alles mit, was es für einen modernen Manager braucht: sportliches Know-how, internationales Netzwerk und immense Neugier. Bobic absolvierte einst freiwillig ein Praktikum bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Er hat einen kurzen Draht zu DFL-Chef Christian Seifert, sitzt in der Kommission Fußball oder gehörte zur Taskforce Zukunft Profifußball.

Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass nach dem Getöse um seine Person nun die Partie gegen den VfB Stuttgart ansteht, für den Bobic die meisten seiner 285 Bundesligaspiele absolvierte und wo er als Teil des "magischen Dreiecks" mit Krassimir Balakov und Giovane Elber seine beste Zeit als Spieler erlebte. Bis September 2014 arbeitete er später als Manager für den VfB, ehe ihn interne Turbulenzen aus dem Amt spülten. 2016 trat er dann in Frankfurt die Nachfolge des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen an, nachdem der Klub erst in der Relegation am Abstieg vorbeigeschrammt war.

Als Nachfolger in Frankfurt ist Christoph Spycher von Young Boys Bern im Gespräch

Der zweimal zum "Manager des Jahres" gekürte Bobic widerlegte im Rekordtempo die Bruchhagen-These von den zementierten Ligaverhältnissen, baute den sportlichen Bereich nach seinen Vorstellungen um, zumal sich die Vorstandskollegen Axel Hellmann (Marketing, Medien, Fans, Kommunikation) und Oliver Frankenbach (Finanzen) um alles andere kümmerten. Die Erfolgsgeschichte beinhaltete das Pokalfinale 2017, den Pokalsieg 2018 und zwei Europa-League-Teilnahmen mit dem Halbfinaleinzug 2019. Danach versilberte der Klub das als Büffelherde bekannte Sturmtrio mit dem derzeit wieder ausgeliehenen Luka Jovic, Sebastian Haller und Ante Rebic für mehr als 100 Millionen Euro Ablöse. Mit ihrer Transferpolitik gelangte die Eintracht sportlich und wirtschaftlich in völlig neue Dimensionen.

In der vergangenen Saison zählte Frankfurt zu den 20 umsatzstärksten Klubs in Europa, in dieser Spielzeit klopft ein schlagkräftiger Kader an die Tür zur Champions League. Immerhin hat sich Trainer Adi Hütter klar zum Verein bekannt. Zudem wird Kaderplaner Ben Manga, ein enger Bobic-Vertrauter, mit mehr Kompetenzen betraut, weil Sportdirektor Bruno Hübner am Saisonende aufhört. Als neuer Sportvorstand ist Christoph Spycher im Gespräch, der als Manager des Schweizer Erstligisten Young Boys Bern bereits mit Hütter zusammenarbeitete. Allerdings fühlt sich der ehemalige Eintracht-Kapitän Spycher privat in Bern sehr wohl - und an einen gültigen Vertrag mit seinem Arbeitgeber gebunden.

© SZ/sjo/klef/ska
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