Frauentennis:Allzu genügsam

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US Open

Julia Görges.

(Foto: Javier Rojas/dpa)

Julia Görges lässt bei ihrem unnötigen Achtelfinal-Aus in New York eine große Chance aus - angesichts des ausgedünnten Tableaus hätte sie das Zeug gehabt, das Endspiel zu erreichen. Doch sie ist bereits mit dem Erreichten zufrieden.

Von Jürgen Schmieder

Das Erstaunliche an der Niederlage von Julia Görges gegen Donna Vekic waren nicht die drei Doppelfehler beim Aufschlagspiel zum Matchgewinn und auch nicht der vermeidbare Rückhand-Fehler bei eigenem Matchball. Es war nicht der Doppelfehler zum Break im entscheidenden Satz und auch nicht der verschlagene Schmetterball, der ihre Gegnerin ins Viertelfinale schickte. Das wirklich Erstaunliche waren die Aussagen von Görges danach: Sie sei zufrieden mit ihrer Leistung, und sie sei auch zufrieden mit diesen US Open.

Es ist löblich, dass Görges ihr Dasein als Sportlerin nicht einzig anhand der Ergebnisse bewertet. Sie hat tatsächlich hervorragend gespielt, wie schon zuvor gegen Kiki Bertens, und angesichts dieser Leistungen wäre sie gegen Belinda Bencic nicht Außenseiterin gewesen, im möglichen Halbfinale gegen Elise Mertens oder Bianca Andreescu ebenfalls nicht. Es erstaunt deshalb, dass Görges nicht gesagt hat: "Himmelherrgottnocheinmal, was für eine Chance, die ich da bei diesen US Open verpasst habe! Ich bin gerade stinksauer!"

Man erinnere sich daran, wie offen und ausführlich Roger Federer nach dem Wimbledon-Finale über seine Trauer gesprochen hat, und dass ihn diese Trauer den Sommer über immer wieder berührt habe. Man erinnere sich auch daran, was Serena Williams' Trainer Patrick Mouratoglou über die Unzufriedenheit seiner Spielerin gesagt hat: Sie gehe so weit, dass sie noch nicht mal Turniersiege feiere, sondern bereits am Abend des Triumphes nach der nächsten Veranstaltung frage. Man will sich nicht vorstellen, was Williams nach einer Niederlage im Achtelfinale nach vergebenem Matchball getan hätte - das Arthur Ashe Stadium wäre wohl vom Einsturz bedroht gewesen.

Wer sich ein bisschen umhört bei den US Open, nach Niederlagen von Favoritinnen wie Simona Halep und Petra Kvitova oder nun von Karolina Pliskova und Ashleigh Barty, der spürt keine allzu große Enttäuschung der Gescheiterten. Titelverteidigerin Naomi Osaka hat sich nach zwei Grand-Slam-Titeln von Trainer Sascha Bajin getrennt. Es soll zwischenmenschliche Probleme gegeben haben, Osaka sagte aber auch, dass sie lieber glücklich denn erfolgreich sein wolle. Seit der Trennung hat sie keine nennenswerten Resultate erzielt.

Wer in den Katakomben der größten Tennisarena der Welt nach einer Niederlage zur Pressekonferenz muss, läuft an Postern früherer Siegerinnen vorbei. Die Gesichtsausdrücke: ernst und konzentriert während der Spiele, bisweilen verbissen, glücklich erst nach Siegen und Erfolgen. Es gibt im Frauentennis kaum noch eine Akteurin außer Williams, die unbedingt gewinnen will, die erst beim Turniersieg zufrieden wäre. Dazu passt, was nach dem Turnier mit der Weltrangliste passieren wird: Barty wird wieder an Nummer eins geführt werden, trotz einer enttäuschenden Niederlage im Achtelfinale - und nur deshalb, weil Osaka und Pliskova ebenfalls in dieser Runde verloren haben.

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