Lea Schüller in der WM-Qualifikation:Sie kann den Unterschied ausmachen

Deutschland - Serbien

Kunststück wiederholt: Lea Schüller (links) gelingt gegen Serbien zum zweiten Mal ein Viererpack im DFB-Trikot.

(Foto: Hendrik Schmidt/dpa)

Vier Treffer in 28 Minuten: Lea Schüller ist gegen Serbien die ausschlaggebende Spielerin und könnte das Gesicht der DFB-Elf prägen. Die Stürmerin hat eine beeindruckende Entwicklung genommen.

Von Anna Dreher

Bevor die neue Länderspielsaison begonnen hatte, ging es auch darum, wer dem deutschen Fußballnationalteam der Frauen hierbei besonders fehlen dürfte. Alexandra Popp zum Beispiel, mit 111 Einsätzen eine der Erfahrensten im Kader. Die Stürmerin des VfL Wolfsburg ist am Knie verletzt, der Zeitpunkt ihrer Rückkehr nicht abzusehen. "Es ist, wie es ist. Es nutzt nichts zu jammern", sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg vergangene Woche seufzend. "Dass wir Poppi als Maschine brauchen, steht außer Frage."

Nun hat sich nach dem 7:0 gegen Bulgarien am Samstag und dem 5:1 gegen Serbien am Dienstag beim Auftakt in die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2023 nichts daran geändert, dass Popp das Team verstärken würde. Aber es hat sich auch gezeigt, dass der deutsche Kader in der Offensive so gut aufgestellt ist, dass der Ausfall einer wichtigen Spielerin ausgeglichen werden kann. Die 30-Jährige hatte am Abend ihre Vertretung direkt gewürdigt. Bei Instagram schrieb sie "kann man mal machen" und sendete ihre Glückwünsche passenderweise an eine "Maschine", wie sie selbst hinzufügte. Gemeint war Lea Schüller.

Der 23-Jährigen gelang gegen Serbien ihr zweiter Viererpack fürs Nationalteam. Mit ihren Treffern binnen 28 Minuten in der zweiten Halbzeit hat sie maßgeblich dazu beigetragen, dass auf eine zerfahrene erste Hälfte noch der erwartet dominante Auftritt der Favoritinnen folgte. Sie sind nun Erster der Gruppe H, am 21. und 26. Oktober geht es weiter gegen Israel, danach folgen die Türkei und Portugal.

Nach dem Ausgleichstreffer spielt das Team fast schon wie im Rausch

Die Serbinnen waren in der dritten Minute in Führung gegangen und hatten die Deutschen permanent unter Druck gesetzt, was zu Unsicherheiten im Spielaufbau und in allen Mannschaftsteilen führte. Der Ausgleichstreffer von Schüller in der 49. Minute wirkte befreiend, danach war das Team wie ausgewechselt und spielte fast schon wie im Rausch. Schüller war auch in der 54., 71. und 77. Minute verlässlich zur Stelle. "Aber der Ausgleichstreffer", sagte sie, "war für uns der wichtigste. Das hat uns einfach nochmal Schwung gegeben."

Mit ihrer Schnelligkeit, Athletik, Kopfball- und Abschlussstärke stellt Schüller eine Herausforderung für jede Abwehr dar. In 30 Länderspielen hat sie nun 19 Treffer erzielt. Schüller kann den Unterschied ausmachen, was in nächster Zeit äußerst wichtig wird. 2022 steht die EM an, bei der es für den achtmaligen Europameister gilt, sich zu beweisen und nach Olympiagold 2016 mal wieder einen Titel zu gewinnen. Nicht zuletzt am Dienstag dürfte sich Schüller empfohlen haben. "Lea hat diese Boxqualität. Sie hat im letzten dreiviertel Jahr viel in ihr eigenes Können investiert und an ihren Schwächen gearbeitet", sagte die Bundestrainerin. "Wenn sie dann so bedient wird, kann sie natürlich alle ihre Qualitäten einbringen."

Deutschland - Serbien

Viel Redebedarf: Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg (Mitte) gibt ihren Spielerinnen während einer Unterbrechung neue Anweisungen. Erst in der zweiten Hälfte zeigen diese wirklich Wirkung.

(Foto: Hendrik Schmidt/dpa)

Für die SGS Essen hatte die Krefelderin 2013 mit 16 in der Bundesliga debütiert und insgesamt zweimal das Pokalfinale erreicht. Im Sommer 2020 wechselte sie zum FC Bayern, der logische Schritt für eine ambitionierte Nationalspielerin zu einem Titelkandidaten. Schüller tat sich anfangs schwer mit der neuen Umgebung, der größeren Konkurrenz und den höheren Ansprüchen. Es dauerte, bis die angehende Wirtschaftsingenieurin sich akklimatisiert hatte - um dann umso präsenter zu sein. Derzeit führt sie die Liste der Torjägerinnen nach drei Partien mit vier Treffern an, vergangene Saison war sie mit 16 Toren drittbeste Liga-Scorerin und die beste des amtierenden Meisters aus München.

Beim 4:0 gegen Tschechien im April 2018 hat Schüller schon einmal vier Tore geschossen

Längst hat Schüller also ihre Leichtigkeit wieder gefunden, mit der sie direkt bei ihrem Nationalmannschaftsdebüt am 20. Oktober 2017 gegen Island traf. Und mit der sie auch Interims-Bundestrainer Horst Hrubesch zu einer erfolgreichen Premiere verhalf: Im April 2018 gegen Tschechien schoss Schüller alle vier Tore, es war ihr erster Viererpack, mit 20 war sie damals die Jüngste. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll und was mit mir los war", erzählte sie damals. "Ich habe mal in der U17 fünf Tore in einem Spiel gemacht, aber ansonsten nie."

Alexandra Popp, die gegen Tschechien mit Lea Schüller auf dem Platz stand, zeigte sich damals hoch erfreut von diesem Auftritt: "Sie hat eine Unbekümmertheit, die wir alle in so jungen Jahren mal hatten", sagte sie. "Das soll sie sich ruhig bewahren, weil es unserem Team gut tut." Popp und Schüller, das dürfte auch in Zukunft wieder eine gute Variante sein. Zwei Maschinen auf dem Platz können nicht schaden.

© SZ/ska/mp
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