DFB-Frauen Der große Wirbel ist für die WM geplant

Martina Voss-Tecklenburg, DFB-Cheftrainerin, bei der Präsentation des WM-Kaders.

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)

Im Gegensatz zu den Engländern verzichtet Bundestrainerin Voss-Tecklenburg bei der Kader-Präsentation auf viel Tamtam. Ihr Team ist ausgewogen - hat aber eine ungelöste Torwartfrage.

Von Anna Dreher, Frankfurt

Nach und nach sind die Namen bekannt gegeben worden. David Beckham war in seinem Video auf sozialen Netzwerken natürlich für die Nummer sieben zuständig. Ausnahmefußballer Raheem Sterling von Manchester City nannte den Namen einer Nationalspielerin, die beim selben Klub wie er angestellt ist. Schauspielerin Emma Watson und sogar Prinz William machten mit. Englands Fußballverband (FA) wollte dieses Mal etwas anders machen als sonst. Etwas, das Aufmerksamkeit garantiert. Wer in diesem Jahr zum Kader für die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen gehört? Das sollte nicht einfach nur auf einer Pressekonferenz mitgeteilt werden. "Wir wollten, dass jede Spielerin einen besonderen Moment erlebt, wenn ihr Name verraten wird", sagte Englands Trainer Phil Neville: "Wir müssen diese Spielerinnen sichtbar machen."

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verzichtete auf Videos mit Prominenten. Aber den Kader hat Martina Voss-Tecklenburg nun auch der Öffentlichkeit präsentiert, ohne viel Tamtam. Den großen Wirbel will die 51-Jährige bei ihrem ersten Turnier als Bundestrainerin lieber mit einer erfolgreich gespielten WM in Frankreich auslösen, die am 7. Juni beginnt und am 7. Juli den Titelträger kürt. Und so flimmerten am Dienstag im 49. Stock eines für Frankfurt typischen Bankenturms die Spielerinnen in den Nationaltrikots über zwei große Bildschirme. Eine nach der anderen in Clips mit individueller Pose, dazu dramatische Musik. "Ich finde nicht, dass unsere Kampagne zurückhaltend ist. Unsere Präsentation ist authentisch", sagte die Bundestrainerin: "Wir wollen Antworten auf dem Platz geben. Ich glaube, das ist jetzt erst mal unsere wichtigste Aufgabe."

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Für diese Aufgabe hat Voss-Tecklenburg sich nun also auf 23 Fußballerinnen festgelegt, in einer Mischung aus erfahrenen und jungen Spielerinnen - und mit einer ungelösten Torwartfrage. Almuth Schult plagt seit Längerem eine Schulterverletzung, ob die Nummer eins bis zur WM fit sein wird, ist nicht klar. Die Situation der Frauen erinnert an jene der Männer im WM-Sommer 2018, als Manuel Neuer mit lädiertem Mittelfuß lange ein vager Faktor im Kader von Joachim Löw war. Ein Ausfall von Schult könnte - trotz zuletzt einiger Patzer - von Laura Benkarth oder Merle Frohms, die beide zusammen auf erst zwölf Länderspiele kommen, kaum kompensiert werden. Als prägender Charakter erscheint Schult, 28, unverzichtbar.

Die Jüngste ist erst 17 Jahre alt

Wenn Schult dabei ist, zählt sie mit Benkarth, Lena Goeßling, Leonie Maier, Dzsenifer Marozsan, Alexandra Popp, Melanie Leupolz, Sara Däbritz und Svenja Huth zu den Olympiasiegerinnen von 2016 im Team. Auf deren Erfahrung setzt Voss-Tecklenburg - auf die von Babett Peter und Simone Laudehr verzichtet sie. Wolfsburgs Verteidigerin Peter, 30, war schon für die Lehrgänge nicht berücksichtigt worden und daraufhin Ende April nach 118 Länderspielen zurückgetreten. Mittelfeldspielerin Laudehr, 32, folgte diesem Beispiel am Dienstag wenige Stunden nach der Nominierung - auf die sie noch gehofft hatte. Nach reiflicher Überlegung sei sie zum Entschluss gelangt, "mich in Zukunft nur noch auf mein Engagement beim FC Bayern zu konzentrieren". 103 Einsätze standen bei ihr zu Buche. Damit haben sich die letzten aktiven Weltmeisterinnen von 2007 verabschiedet - prägende und sehr erfolgreiche noch dazu. Goeßling ist nun mit 104 Länderspielen am längsten dabei, gefolgt von Kapitänin Popp (95) und Marozsan (89), die am Samstag im Champions-League-Finale mit Olympique Lyon noch das Triple holen kann. Für 15 Fußballerinnen ist es die erste Teilnahme an einer WM. Die Jüngste ist mit erst 17 Jahren und zwei Länderspielen Lena Oberdorf, gefolgt von der 18-jährigen Klara Bühl mit erst einem Länderspiel.

Gemeinsam mit Giulia Gwinn, 19, soll dieses Trio für frische Impulse sorgen. Die deutsche Nationalmannschaft will nach den Vorrundenspielen gegen China, Spanien und Südafrika als Gruppenerster in die Endrunde einziehen. So würde ein frühes Aufeinandertreffen mit den gefährlich starken USA vermieden. Nach den Tests in Schweden (2:1) und gegen Japan (2:2) im April hatte Voss-Tecklenburg sich schon auf einige Namen festgelegt und ihr Team nach und nach ergänzt: Basierend auf der aktuellen Leistung, Positionsflexibilität, Charaktereigenschaften sowie der Frage, wie sich die jeweiligen Spielerinnen mit einer Rolle in der zweiten Reihe zurechtfinden könnten. "Wir haben im Trainerteam intensiv miteinander diskutiert. Am Ende waren einige knappe Entscheidungen dabei, weil wir eine hohe Qualität innerhalb der Mannschaft haben", sagte Voss-Tecklenburg: "Ich bin davon überzeugt, dass wir ein Team haben, mit dem wir gut aufgestellt sind." Aufwärmen wird sich das Team im bayerischen Grassau, der einwöchige Lehrgang wird abgerundet vom letzten WM-Testspiel gegen Chile am 30. Mai in Regensburg (17.

45 Uhr/ARD). Einen Tag vor der Bekanntgabe hatte die Bundestrainerin die Spielerinnen angerufen und ihnen mitgeteilt, ob sie mitreisen dürfen - oder nicht. "Die Gespräche sind sehr vertrauensvoll gewesen. Es war natürlich nicht so einfach, weil es Härtefälle gab", sagte Voss-Tecklenburg: "Wie die Spielerinnen darauf reagiert haben, hat mir imponiert." Alle, die nur auf Reserve stehen, hätten gesagt: "Wenn ihr mich braucht, bin ich da." Das ging auch gut ohne Videos - ganz klassisch am Telefon.

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