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Frauenfußball:Unbekümmert nach München

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Bei der WM 2019 mit ihrer Unbekümmertheit und Toren aufgefallen: Klara Bühl (Mitte) wechselt vom SC Freiburg zum FC Bayern München.

(Foto: Peter Schatz/imago)

Mit der Verpflichtung von Nationalspielerin Klara Bühl verfolgt der FC Bayern konsequent seinen Plan.

Klara Bühl ist zu bodenständig und allürenfrei, als dass sie sich das in diesem Moment ganz bewusst vorgenommen hätte. Jetzt das letzte Tor des Jahres schießen, um noch mal zu zeigen, wie gut sie Fußball spielen kann. Auch wenn diese Partie im November 2019 zweifelsfrei ganz ausgezeichnet passte für ein solches Vorhaben: vor 77 768 Zuschauern gegen England im Londoner Wembley-Stadion. Und natürlich wollte Bühl treffen. Es stand 1:1, 90 Minuten waren fast vorbei, der Ball kam zu ihr, sie nahm ihn mit, lief einen kurzen Haken und schoss unhaltbar ins rechte Eck, so abgezockt, als würde sie das jeden Tag vor einer großen Kulisse machen. Nach ihrem siebten Tor im zehnten Länderspiel landete sie bäuchlings auf dem Rasen und lachte: Ja, diese Bühl, die kann wirklich gut Fußball spielen.

Bei ihrer ersten WM 2019 spielte Bühl in drei von vier Partien

An diesem Tag schauten auch Vertreter des FC Bayern München zu, die natürlich längst wussten, wen sie ins Visier genommen hatten. Da hätte es dieses letzte Tor des Jahres gar nicht mehr gebraucht. Schon vor Wembley war klar, dass der SC Freiburg trotz der seit langem guten Arbeit, die im Breisgau geleistet wird, eine solche Spielerin nicht halten können würde. Die Konkurrenz aus dem In- und Ausland ist zu stark geworden und Bühl für diese zu interessant. Sie gilt als eines der größten Talente des deutschen Fußballs. Nicht zuletzt wegen Szenen wie in Wembley. Seit Mittwoch ist bekannt: Die 19-Jährige wird das Breisgau verlassen und den Freiburger Zirkel beim FC Bayern erweitern. Carolin Simon, Giulia Gwinn, Lina Magull, Verena Schweers, Laura Benkarth, Trainer Jens Scheuer sowie die nächste Saison zum FC Chelsea wechselnde Melanie Leupolz haben eine SC-Vergangenheit. "Mich freut es ungemein, dass sich Klara trotz zahlreicher anderer Angebote für uns entschieden hat", sagt Scheuer, der Bühl in Freiburg bis zum Sommer 2019 trainierte. "Klara ist ein unglaublicher Gewinn für unsere Mannschaft."

In der Fußball-Bundesliga der Frauen setzt sich damit die zuletzt verstärkt zu beobachtender Trend fort: Vereine wie der SC Freiburg oder die SGS Essen stechen bei der Ausbildung von Talenten hervor. Nur langfristig binden können sie diese nicht, sobald sich größere Klubs wie der VfL Wolfsburg oder der FC Bayern melden, deren etablierte Fußballerinnen es wiederum als nächsten Schritt häufig ins Ausland zieht. Und für den FC Bayern setzt sich mit dem Transfer von Klara Bühl die Realisierung seines Plans fort: Verstärkt deutsche Nationalspielerinnen zu verpflichten. Zuvor waren bereits die Wechsel von Angreiferin Lea Schüller, 22, und Defensivspielerin Marina Hegering, 30, bekannt gegeben worden - beide von der SGS Essen. Hegering soll nach dem Weggang von Kapitänin Leupolz vor allem die Rolle einer Ruhe ausstrahlenden Führungspersönlichkeit einnehmen, Schüller und Bühl im Angriff viel Wirbel machen.

Bühl hat seit ihrer Bundesligapremiere im September 2016 in inzwischen 75 Erstliga- und DFB-Pokalspielen immer wieder auf sich aufmerksam gemacht, aber die entscheidende Saison war die vergangene. 2019 war ihr Jahr. Es begann damit, dass sie als eine der fünf jüngsten Spielerinnen von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ins Wintertrainingslager im spanischen Marbella mitgenommen wurde. Ein erster Auftritt mit schüchtern vorgetragenen Zielen. Was sie sich vorgenommen habe? "Sich hier ins Team einbringen und wohlfühlen. Ich glaube, wenn man sich wohlfühlt, kann man am meisten Leistung bringen", sagte Bühl in einem DFB-Video. "Und dann eben auf dem Platz zeigen, was man kann, und das Beste aus sich rausholen und sich empfehlen."

Elf von zwölf Klubs wollen den Spielbetrieb wieder aufnehmen

Das klappte gut - Bühl durfte im Sommer mit zur Weltmeisterschaft reisen und stand gegen Spanien, Nigeria sowie Südafrika mit einer erstaunlichen Routine, Tempo und Spielwitz auf dem Platz, was ihr von außen so oft als Unbekümmertheit attestiert wurde, dass sie die Beschreibung schnell in ihren eigenen Wortschatz aufnahm: Unbekümmert und schnell also. Schüchtern jedenfalls ist Bühl längst nicht mehr. Nach den Qualifikationsspielen zur EM in England - die wegen des Coronavirus von 2021 auf 6. bis 31. Juli 2022 verschoben wurde - kam ein weiteres Attribut hinzu: torgefährlich. Gegen Montenegro, die Ukraine und Griechenland traf Bühl sechs Mal. "Manchmal weiß sie noch gar nicht, was sie alles drauf hat", sagte Voss-Tecklenburg danach lobend und verglich Bühl in ihrer Beidfüßigkeit mit Nationalmannschaftskollegin Dzsenifer Marozsán - eine der technisch besten Fußballerinnen weltweit.

Und womöglich wird es nun doch nicht sehr viel länger als regulär dauern, bis Klara Bühl ihre Fähigkeiten beim FC Bayern einbringt. Wie es in der ersten und zweiten Bundesliga weiter geht, hängt in erster Linie von der Zustimmung der Politik ab. Intern bespricht das der DFB am 25. Mai bei seinem Außerordentlichen Bundestag. Die Grundlage für eine Fortsetzung des Spielbetriebs ohne Zuschauer und unter strengen Hygienevorgaben sowie engmaschigen Tests wurde bereits am Donnerstagabend gelegt: Elf von zwölf Klubs votierten bei einer Video-Managertagung dafür. Der 1. FC Köln enthielt sich.

Zuvor hatte bei Vereinen ohne Anbindung an einen Lizenzklub die bei einer Saisonfortsetzung zugesagte Unterstützung der Deutschen Fußball Liga (DFL) über 300 000 Euro für Erleichterung gesorgt. Vor allem deshalb, hieß es, sei die Entscheidung zustande gekommen. Sechs Spieltage stehen noch aus, das wäre innerhalb weniger Wochen umsetzbar.

© SZ vom 03.05.2020

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