bedeckt München 23°
vgwortpixel

Frauenfußball:Niveauvolles in Göteborg

"Es geht jetzt um den Feinschliff": Den Fußballerinnen des FC Bayern München gelingt mit dem 5:0 bei Eintracht Frankfurt im DFB-Pokal eine gelungene Generalprobe für den Champions-League-Auftakt.

Ohne zu wissen, wie dieses Spiel enden würde, hatte für Eintracht Frankfurt die Bewertung schon festgestanden. Vom bisher größten Spiel in der 15-jährigen Geschichte der Frauenfußballabteilung war im Vorfeld die Rede, das Highlight schlechthin wartete also in der zweiten Runde des DFB-Pokals: Der Regionalligist forderte den Champions-League-Teilnehmer FC Bayern München heraus. Zwei Siege und ein Unentschieden hatte die Eintracht sich bisher erspielt - in der Liga. Wie das wohl am Samstag gegen den Bundesligisten laufen würde?

Auf der Homepage wurde Trainer Christian Yarussi also gefragt, was er sich von diesem Tag erhoffe, an dem seine Mannschaft erstmals ins Pokalachtelfinale einziehen könnte. Bayern sei auf dem Papier schließlich der vermeintlich stärkere Gegner. "Ja, auf dem Papier", antwortete Yarussi, "wir haben Respekt vor dem FC Bayern. Sie zählen zu den besten Frauenfußballmannschaften in der Welt, aber wir bereiten uns vor, um dieses Spiel zu gewinnen."

Mandy Islacker FC Bayern München im Zweikampf mit Fabienne Würtele Eintracht Frankfurt Frankfur

Deutliches Ergebnis, aber kein langweiliges Spiel: Münchens Mandy Islacker (rechts) rackert gegen die Frankfurterin Fabienne Würtele.

(Foto: Karsten Lauer/imago images/foto2press)

Die große Vorfreude auf dieses Spiel wechselte dann allerdings nicht ins nächste Stadium einer großen Freude über das Spiel. Die Rollenverteilung auf dem Papier entsprach der Rollenverteilung auf dem Platz. Bayern München ging durch Mandy Islacker in der siebten Minute in Führung. Zugang Simone Boye erhöhte in ihrem ersten Einsatz über 90 Minuten mit ihrem ersten Tor auf 2:0 in der 17. Minute. In Carolin Simon traf ein weiterer Zugang, mit einem Distanzschuss in der 38. Minute bei ihrem Startelf-Debüt für München. Die Frankfurterinnen mühten sich, das erste Pflichtspiel für Bayerns Torhüterin Carina Schlüter war kein langweiliges - wirklich geprüft wurde sie jedoch nicht.

Und so konnte Schlüter schließlich wieder aus der Ferne beobachten, wie Islacker - 2016 und 2017 Bundesliga-Torschützenkönigin in Frankfurt, allerdings beim 1. FFC - ein weiteres Mal die Gegenseite zum 4:0 in der 73. Minute überlistete. Weitere Chancen vergab die 31-Jährige, spielte dann aber den Pass auf die eingewechselte Nicole Rolser, die den 5:0-Endstand erzielte (87.).

"Wir haben die Mannschaft ein bisschen gemischt mit vielen, die noch nicht zusammengespielt haben. Und ich bin doch sehr zufrieden, wie das Zusammenspiel geklappt hat", sagte Bayerns Trainer Jens Scheuer, der beispielsweise auch die Zugänge Ali Riley über 90 und Emily Gielnik über 63 Minuten einsetzte. "Andere vermeintliche Favoriten haben sich im DFB-Pokal schwerer getan." Meister VfL Wolfsburg kam etwa nicht über ein 2:0 beim Regionalligisten SV Berghofen hinaus, der 1. FFC Frankfurt spielte 1:0 bei RB Leipzig, ebenfalls ein Verein der dritten Frauenliga. Und so wurde das Pokalspiel für den FC Bayern zur idealen Vorbereitung auf jene Partie, die wiederum für den Meisterschaftszweiten in dieser Woche als Highlight gewertet werden kann. Und als erste wirkliche Prüfung für die neu zusammengestellte Mannschaft unter dem neuen Trainer Jens Scheuer: Am Dienstag reist das Team nach Schweden, in der ersten Runde der Champions League wartet der FC Göteborg.

Ingolstadt unterliegt Sand

Die Zweitliga-Fußballerinnen des FC Ingolstadt haben gegen den Bundesligisten SC Sand in der zweiten Runde des DFB-Pokals eine Überraschung verpasst. Die Oberbayerinnen, die nach dem Aufstieg mit fünf Zählern aus drei Spielen erfolgreich in die zweite Liga gestartet waren, verloren am Sonntagnachmittag 0:2 (0:1). Der 1. FC Nürnberg hat sein Zweitrundenspiel hingegen gewonnen: Die Nürnbergerinnen setzten sich am Sonntagmorgen als Süd-Regionalligist gegen den TuS Wörrstadt aus der Regionalliga Südwest erst spät in der Verlängerung durch. Die Treffer für den Club erzielten Lisa Ebert (115.) und Jessica May (119.). Bereits am Samstag war der Süd-Regionalligist SV 67 Weinberg ausgeschieden. Die Mittelfränkinnen unterlagen dem Zweitligisten 1. FC Saarbrücken 0:1 (0:0).

SZ

In der vergangenen Saison war der FC Bayern im international höchsten Klubwettbewerb so weit gekommen, wie noch nie: Erst im Halbfinale konnte der FC Barcelona dem Team seine Grenzen aufzeigen. Und natürlich würde Scheuer einen solchen Erfolg gleich in seinem ersten Jahr beim FC Bayern gerne wiederholen. "Für mich ist Göteborg der stärkste Gegner in der ersten Runde der Champions League", sagt Scheuer. "Die schwedische Liga hat eine hohe Qualität, die Spielerinnen ein gutes Niveau - das dürfte ein athletisches, physisches Spiel werden."

Scheuer hat den DFB-Pokal genutzt, um zu rotieren. Ein Prinzip, zu dessen Anhängern er an und für sich nicht gehört - nach der Länderspielpause und vor dem wichtigen Hinspiel der Champions League aber mit dem Gedanken der optimalen Kräfteeinteilung nicht herumgekommen ist. Mit der deutschen Nationalmannschaft waren Laura Benkarth, Giulia Gwinn, Lina Magull, Linda Dallmann, Kathrin Hendrich und Verena Schweers zur EM-Qualifikation gegen Montenegro (10:0) und die Ukraine (8:0) gereist. Hinzu kamen Spielerinnen wie die Niederländerin Lineth Beerensteyn, mit zwei Toren bis zum Pokalspiel Bayerns beste Torschützin in dieser noch jungen Saison. "Ich merke Woche für Woche, dass die Mannschaft besser harmoniert auf dem Platz", sagte Scheuer. "Aber wir hatten jetzt 14 Leute bei der Länderspielreise und nur mit neun Spielerinnen trainiert. So weit, dass jede im Schlaf genau weiß, was sie machen muss, sind wir noch nicht. Es geht jetzt um den Feinschliff."

Der Dienstbeginn von Jens Scheuer diesen Sommer markiert bei der Frauenfußballabteilung des FC Bayern den Start eines Vierjahresplans mit dem Ziel, den VfL Wolfsburg national als stärksten Verein abzulösen und Champions-League-Erfolge wie jenen der vergangenen Saison zur Regel werden zu lassen. Erneut als Teil eines Höhepunktes bezeichnet zu werden, ist also genau das, was der dreimalige Meister will. Und die Zukunftsvision ist in diesen Tagen schon zum zweiten Mal in die Gegenwart gerutscht: Auch der FC Göteborg spricht auf seiner Homepage vor dem Spiel gegen Bayern von einem "Supermatch".