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Fußball-Nationalmannschaft:Auftritt einer neuen Generation

Sjoeke Nuesken (Deutschland, 25) bejubelt ihren Treffer zum 1-0 mit Paulina Krumbiegel (Deutschland, 8) und Tabea Wassmu

Erstes Länderspiel, erstes Tor: Sjoeke Nuesken (Nummer 25, neben Paulina Krumbiegel) trifft gegen Australien so abgeklärt zum 1:0, als spielte sie schon ewig im Nationaltrikot.

(Foto: Michael Bermel/Eibner/imago)

Vier Spielerinnen fallen wegen eines positiven Corona-Tests kurzfristig aus. Dennoch zeigen beim 5:2-Sieg gegen Australien selbst die DFB-Debütantinnen eine große Routine. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ist begeistert.

Von Anna Dreher, Wiesbaden/München

Dieser Samstag begann mit einer unguten Überraschung. Statt der Routine nachgehen zu können, wurden beim deutschen Fußballnationalteam der Frauen zunächst alle Abläufe durcheinandergebracht. Felicitas Rauch war vor dem Länderspiel gegen Australien in Wiesbaden positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die symptomfreie Abwehrspielerin des VfL Wolfsburg musste am Morgen umgehend isoliert werden - und mit ihr Lena Oberdorf, Sara Doorsoun und Svenja Huth, die alle vom Gesundheitsamt Offenbach aufgrund der festen Sitzordnung bei den Mahlzeiten als Kontaktpersonen der Kategorie 1 eingestuft worden waren. "Gott sei Dank geht es Feli gut", sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nach dem 5:2 (1:0)-Sieg ihrer Mannschaft. "Wir haben uns schon im Vorfeld Gedanken gemacht, was ist, wenn mal was passiert. Aber es ist dann schon ein ungünstiger Zeitpunkt, wenn so etwas am Spieltag aufkommt, weil das natürlich bei allen etwas auslöst."

Um 13.15 Uhr, also knapp drei Stunden vor dem geplanten Anpfiff, stand fest, dass das Länderspiel gegen Australien dennoch ausgetragen werden würde. Erst dann konnte Voss-Tecklenburg eine Mannschaftsbesprechung abhalten. "Das Wichtigste war, den Fokus wieder voll aufs Spiel zu legen", sagte sie. "Und ich bin sehr beeindruckt von der Leistung, das hat die Mannschaft auf herausragende Art gemacht." Das gesamte Team unterzog sich zusätzlichen Schnelltests, die nach Angaben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) negativ ausfielen. Das nächste Länderspiel am Dienstag (16 Uhr, ZDF) gegen Norwegen soll stattfinden. Nachnominieren möchte Voss-Tecklenburg keine Spielerinnen, Grund ist die bereits seit Ostermontag bestehende Corona-Blase: "Wir sind alle froh, wenn wir jetzt zur Ruhe kommen und werden weiter viel Wert auf räumliche Distanz legen."

Das DFB-Team spielt bemerkenswert fokussiert und gut abgestimmt

Und so wurde es gewissermaßen zu einem Nachmittag der nächsten Generation. Voss-Tecklenburg musste ihre ursprüngliche Planung umwerfen und die Aufstellung ändern. In der Abwehr ließ sie Leonie Maier, Marina Hegering, Jana Feldkamp und Kathrin Hendrich starten, Sara Däbritz und Sjoeke Nüsken bildeten das Zentrum. Vor ihnen spielte Lea Schüller in der Spitze, hinzu kamen in der Offensive Paulina Krumbiegel, Lina Magull und Tabea Waßmuth. Dass da in Feldkamp, Nüsken, Krumbiegel und Waßmuth Spielerinnen auf dem Platz standen, die erst ihren ersten, zweiten, dritten und fünften Einsatz absolvierten, war jedoch kaum zu spüren. Das Team spielte bemerkenswert fokussiert und bis auf kleinere Patzer auch gut abgestimmt.

Später wechselte Voss-Tecklenburg noch die erst 18-jährige Jule Brand sowie Fabienne Dongus zu ihrem jeweils ersten, Sandra Starke zu ihrem vierten und Laura Freigang sowie Sophia Kleinherne zu ihrem je fünften Länderspiel ein. Allesamt: Verstärkungen. Manche besonders. Was auch im Hinblick auf das große Ziel - eine erfolgreiche EM 2022 - wichtig ist. "Gerade die Debüts haben super funktioniert", sagte die sichtlich begeisterte Bundestrainerin. "Wie Jana Feldkamp auf einer so wichtigen Position schon so eine Spielkompetenz und Ruhe ausgestrahlt hat, war eindrücklich. Auch Sjoeke Nüsken hat das sehr, sehr gut gemacht. Und bei Jule Brand wussten wir vorher, da kommt viel Tempo - aber dass sie dann auch noch abschließt, ist nicht selbstverständlich. Da zeigt sich, welche Potenziale in allen stecken."

In den ersten Minuten setzten die Australierinnen mit ihrem physischen Spiel die Deutschen früh unter Druck. Nervös aber wurden die Gastgeberinnen dadurch nicht. Das 1:0 kam früh: Waßmuths Pass in die Mitte landete bei der Australierin Aivi Luik, die jedoch, statt zu klären, die ideale Vorgabe für Nüsken gab. Und als würde sie schon ewig im Nationaltrikot spielen, schloss die 20-Jährige in der 11. Minute abgezockt ab. Hegering aus der Innenverteidigung und Däbritz aus dem Mittelfeld führten die Mannschaft souverän und initiierten gute Spielzüge, die meist von Magull fortgeführt wurden. Hier hatte Voss-Tecklenburg auch ohne sonst so wichtigen Stützen wie Dzsenifer Marozsan, Melanie Leupolz (beide nicht angereist) oder Alexandra Popp (dabei, aber angeschlagen) eine verlässliche Achse aufgestellt.

Germany v Australia - Women's International Friendly

Erstes Länderspiel, erster Treffer: Jule Brand (rechts) gibt ein erfolgreiches Debüt im deutschen Fußballnationalteam der Frauen. Gegen Australien trifft die 18-Jährige vier Minuten nach ihrer Einwechslung zum zwischenzeitlichen 3:0.

(Foto: Lukas Schulze/Getty Images for FAA)

Hegering per Kopf (21. Minute), Krumbiegel (35.) und immer wieder Schüller hätten vor der Pause erhöhen können - überließen das in der zweiten Hälfte dann aber Hendrich, die nach einer optimalen Flanke von Däbritz per Direktannahme das 2:0 schoss (48.). Die Power der ersten Minuten war den Australierinnen, die zuletzt vor 13 Monaten zusammengespielt hatten, längst verloren gegangen. Selbst von Ausnahmekönnerin Sam Kerr, vor der sich die Deutschen zuvor so sehr gewarnt sahen, ging keine Gefahr aus. Umgekehrt stand für die Australierinnen ab der 59. Minute auf einmal eine Spielerin auf dem Platz, die sie so wohl nicht erwartet haben dürften.

Jule Brand ließ vier Minuten nach ihrer Einwechslung die Defensive der Matildas stehen und zog abgebrüht zum 3:0 ab. Erstes Länderspiel, erster Treffer und auch die erste Torvorlage folgte sogleich: Brand passte im richtigen Moment zu Freigang, die mit dem 4:0 ihr sechstes Tor in ihrem fünften Länderspiel erzielte (64.). Kleinherne versuchte es aus der Distanz (77.), die ebenfalls eingewechselte Linda Dallmann (78.) und Brand trafen die Latte (81.) - und wie sich scheinbar eine Chance an die andere reihte, wurden die Deutschen doch noch unaufmerksam. Die Ex-FC-Bayern-Spielerin Emily Gielnik nutzte das zum 1:4 (82.). Dallmann erhöhte kurz darauf mit einem sehenswerten Schlenzer (90.+1), ehe Gielnik noch mal traf und mit 2:5 (90.+2) den Schlusspunkt setzte. An einem Tag wie diesem aber war das erst dem deutschen Team recht egal.

© SZ/bkl/tbr
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