Frauenfußball Countdown gestartet

Frankfurts einziger Schuss mit Folgen: Laura Freigang (Nummer 10) überwindet Bayerns Torfrau Manuela Zinsberger.

(Foto: Jan Hübner/imago images)

Die Fußballerinnen des FC Bayern München erreichen das Halbfinale im DFB-Pokal. Das ist ein entscheidender Sieg für die Entwicklung der Mannschaft. An diesem Donnerstag erfahren sie, wer in dem Wettbewerb ihr nächster Gegner sein wird.

Von Anna Dreher

Thomas Wörle jubelte nicht ausgelassen, er sprang nicht in die Luft oder ließ seine Spielerinnen kaum noch aus einer Umarmung los. Manch anderer an seiner Stelle hätte das wohl gemacht, aus Erleichterung. Doch der Trainer des FC Bayern München freute sich eher still, zufrieden mit dem, was er an diesem Abend gesehen hatte: Seine Mannschaft hatte 3:1 (2:1) gegen den 1. FFC Frankfurt gewonnen und damit das Halbfinale des DFB-Pokals erreicht. Es war jene Art von Zufriedenheit, die einem Selbstvertrauen gibt, ein gutes Gefühl auch die Aufgaben bewältigen zu können, die noch kommen. Und das war ja genau das Gefühl, auf das Wörle und seine Spielerinnen an diesem Abend gehofft hatten.

"Es war schwer, wieder in den Rhythmus zu kommen nach der Länderspielpause, dafür haben wir es heute sehr gut gemacht", sagte Wörle. "Der Sieg ist enorm wichtig, um gut in die Phase reinzukommen." In den nächsten 16 Tagen stehen für den Tabellenzweiten der Bundesliga fünf Partien in der Meisterschaft, im Pokal und in der Champions League an. Diesen Sonntag kommt Verfolger Turbine Potsdam nach München auf den Bayern Campus (14 Uhr). Nächsten Mittwoch steht das Hinspiel im Viertelfinale der Champions League gegen Slavia Prag an. Es sind entscheidende Spiele - für den Moment, und für die Zukunft.

Mindestens einen Titel wollen die Fußballerinnen des FC Bayern in dieser Saison gewinnen

In dieser entscheidenden Saisonphase, deren Countdown das Pokalspiel gegen Frankfurt einleitete, wird sich zeigen, welche Mannschaft die aktuelle sein kann. Und wie viel noch fehlt, jene Mannschaft zu werden, die der FC Bayern seit vielen Jahren sein will und ab und zu auch schon war: Eine, die Titel gewinnt. National. International. Mit gewisser Konstanz. Die Verpflichtungen der deutschen Nationalspielerinnen Linda Dallmann und Giulia Gwinn dürften daher in der Umgestaltung des Kaders nur der Anfang gewesen sein. Leistungsträgerinnen wie Melanie Leupolz und Carina Wenninger haben ihre Verträge bereits verlängert. Die Transfers von Lina Magull und Kathrin Hendrich unterstrichen schon zu dieser Saison die noch größer gewordenen Ambitionen dieses Vereins im Frauenfußball. Trainer wird dann Freiburgs derzeitiger Coach Jens Scheuer sein. Und weil also Thomas Wörle den FC Bayern nach dieser Saison nicht mehr auf diesem ehrgeizigen Weg begleiten wird, kommt dem für diese Saison ausgerufenem Ziel von mindestens einem Titel eine weit emotionalere Bedeutung zu.

Im Spiel gegen Frankfurt trat seine Mannschaft so auf, wie Wörle das von ihr fordert: spielfreudig, offensiv kreativ und defensiv konzentriert. Im Stadion am Brentanobad brachte Nationalspielerin Lina Magull die Gäste in Führung. Es war ein kurioser Treffer, der an anderer Stelle Forderungen nach dem Videobeweis ausgelöst hätte. Magull lenkte den Ball mit dem Kopf aufs Tor, Frankfurts Torhüterin Bryane Heaberlin bekam den Ball im Fallen nicht richtig zu greifen und ob er ihr dabei hinter die Linie rutschte, war nicht eindeutig zu beobachten. Bayern jubelte, Frankfurt zweifelte und die Schiedsrichterin gab den Treffer. Fridolina Rolfö (37.) und Jovana Damnjanovic (87.) erhöhten später. Möglichkeiten hätte es weitere gegeben. Weil Frankfurt zu selten gefährlich wurde oder - bis auf Laura Freigang (44.) - an Bayerns Torfrau Manuela Zinsberger scheiterte, waren die ungenutzten eigenen Chancen den Münchnerinnen recht egal.

Und so verhielten sie sich doch etwas anders als ihr Trainer. Nach dem Abklatschen mit den enttäuschten Frankfurterinnen jubelten sie ausgelassen, sprangen vor Freude in die Luft und umarmten sich lange. Alles mit einem guten Gefühl. Diesen Donnerstag erfahren sie, wer in diesem Wettbewerb ihr nächster Gegner sein wird. Um 13 Uhr werden die Halbfinal-Paarungen im DFB-Pokal ausgelost.