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Wolfsburg in der Champions League:Triple-Chance trotz großer Schwächen

VfL Wolfsburg - FC Barcelona

Die Torschützin des Abends: Fridolina Rolfö vom VfL Wolfsburg.

(Foto: dpa)

Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg erreichen glücklich das Finale der Champions League - müssen sich dort aber steigern.

Von Anna Dreher

Allein schon Asisat Oshoala. So viele Möglichkeiten. In der dritten Minute schoss sie knapp am Tor vorbei, in der achten ans Außennetz. Wenig später lenkte die Nigerianerin den Ball nach einer Ecke auf Kathrin Hendrich weiter, die beinahe zu einem Eigentor verlängert hätte. In der 37. Minute wieder eine Chance. Nach einer Stunde wurde ein Kopfball von Oshoala gerade noch so über die Latte gedrückt. Oder Caroline Graham Hansen. In der 41. Minute schlug sie einen Haken, zog ab und traf den linken Außenpfosten. Nach der Pause hätte sie Friederike Abt überwinden können, passte aber lieber nach innen. Der Ball landete in den Armen der Torhüterin. In der 65. Minute verzog dann noch Mariona Caldentey freistehend, wie schließlich auch Jennifer Hermoso in der 74. Minute.

Hätte an diesem Dienstagabend gezählt, wer sich die meisten Chancen herausspielt: Der FC Barcelona hätte das Halbfinale der Champions League gegen den VfL Wolfsburg überlegen gewonnen. Aber es gab vorab nun mal keine Regeländerung. Entscheidend war das Tor. Und in dieser Wertung stand es nach 94 umkämpften und spannenden Minuten im Estadio de Anoeta von San Sebastián 1:0 (0:0) für Wolfsburg. Fridolina Rolfö hatte als Einzige getroffen. Zum fünften Mal bei seiner achten Teilnahme steht der VfL nun im Finale des wichtigsten europäischen Klubwettbewerbs. Zum dritten Mal könnte das Team den Titel gewinnen und zum zweiten Mal nach 2013 aus einem Double ein Triple machen.

"Der Blutdruck ist runtergekommen. Das war ein sehr intensives Spiel mit uns als glücklichem Sieger", sagte Wolfsburgs Trainer Stephan Lerch nach der Partie gegen den Vorjahresfinalisten und spanischen Meister: "Barcelona hat uns ins Laufen gebracht und viele Chancen herausgespielt, die wir so nicht zulassen wollten - für meinen Geschmack zu viele Chancen." Ein unangenehmer Gegner machte seinen Spielerinnen deutlich, dass bis zum angestrebten Titelgewinn noch viel Arbeit auf sie wartet. Während ursprünglich sie den Ball erobern, attackieren und ihre körperliche und fußballerische Stärke einbringen wollten, gelang das vor allem den Katalaninnen.

"Wir haben uns das Finale erarbeitet", sagt Trainer Stephan Lerch

Das Team von Lluís Cortés hatte das bessere Auge für Räume, spielte sich effektiver nach vorne und baute viel Druck auf. "Was das Team gezeigt hat, stimmt sehr gut mit der Identität des Klubs überein", sagte er. Im 4-3-3 dominierte Barça quasi die gesamte erste Halbzeit und brachte Wolfsburg mit seinen schnellen Stürmerinnen Oshoala und der ehemaligen Wolfsburgerin Hansen in Bedrängnis. Mehrmals musste VfL-Torhüterin Abt ihre Reaktionsschnelligkeit unter Beweis stellen - bei Hendrichs Beinahe-Eigentor war es besonders knapp. Zumal da ein Handspiel der Verteidigerin ungeahndet blieb.

Die Wolfsburgerinnen kamen zu Chancen durch Rolfö (25.), Svenja Huth (38./42.) und Maria Leon, die den VfL mit einem Eigentor fast in Führung gebracht hätte - bevor es tatsächlich so weit war. Nach einem Fallrückzieher von Ewa Pajor prallte der Ball ab. Rolfö hastete ihm mit zwei großen Schritten entgegen und drückte ihn zum herbeigesehnten 1:0 ins Tor (58.). Eine kleine Revanche: 2019 war sie mit dem FC Bayern gegen Barça ausgeschieden. "Im Fußball ist es eben auch mal so, dass das Team mit mehr klaren Chancen nicht als Sieger vom Platz geht", sagte Lerch: "Wir haben uns durch Kampf und Leidenschaft ausgezeichnet und uns das Finale erarbeitet."

Das Team des VfL Wolfsburg hat nun viele Szenen, die es bis zum Finale am Sonntag (20 Uhr, Sport 1) besprechen muss. Aufnahmen, die zu nachlässiges Defensivverhalten zeigen, unnötige Ballverluste, Fehler im Kombinationsspiel. Alles auf hohem Niveau. Aber abgesehen von dem eigenen Streben nach Perfektion wird der nächste Gegner registriert haben, auf welche Weise Wolfsburg unter Stress zu setzen ist. Der FC Barcelona hat das deutlich gezeigt. Und im Endspiel dürfte dem VfL nun eine Mannschaft gegenüberstehen, die in der Regel Schwachstellen auszunutzen weiß.

Im rein französischen Halbfinale am Mittwoch konnte sich der sechsmalige Sieger Olympique Lyon gegen Paris Saint-Germain 1:0 (0:0) durchsetzen. Fridolina Rolfö zeigte sich zwar zuversichtlich angesichts des Finales gegen viele der weltbesten Fußballerinnen: "Wir sind stärker über 90 Minuten, das ist meine Hoffnung." Aber Wolfsburg weiß nur allzu gut, wie sich ein Duell gegen den Titelverteidiger anfühlt: In den vergangenen vier Jahren hat der VfL gegen Lyon stets verloren.

© SZ vom 27.08.2020/ebc
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