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Fußballerinnen des VfL Wolfsburg:Unbesiegt zum Meistertitel

VfL Wolfsburg Women's v SC Freiburg Women's - Flyeralarm Frauen-Bundesliga

Meisterfreuden: Sara Björk Gunnarsdóttir, Pernille Harder und Noelle Maritz (von links nach rechts)

(Foto: Getty Images)

Die Spielerinnen des VfL Wolfsburg dominieren die Fußball-Bundesliga und holen die vierte Meisterschaft in Serie. Sogar das Triple ist möglich.

Von Anna Dreher

Eine minikleine Chance auf ein spannendes Bundesligafinale hatte es ja schon noch gegeben. Aber sie war so miniklein, dass selbst diejenigen, die davon profitiert hätten, kaum daran glauben konnten. Hätte der VfL Wolfsburg am Mittwoch gegen den SC Freiburg verloren und der FC Bayern München nach einem zeitgleichen Sieg beim 1. FC Köln dann am Sonntag das Duell der beiden führenden Frauenfußballerstligisten für sich entschieden, und hätten danach ... Nur haben die Wolfsburgerinnen mit einem 2:0 (1:0)-Sieg so konsequent wie schon während der ganzen Saison dafür gesorgt, dass diese minikleine Chance verpuffte und am drittletzten Spieltag vor dem Saisonende der Meister der Fußballbundesliga der Frauen feststand: sie selbst.

Zum sechsten Mal insgesamt, zum vierten Mal in Serie, zum ersten Mal an einem Mittwoch und unter den bizarren Umständen wegen des Coronavirus, also ohne Zuschauer im sonst gut besuchten heimischen Stadion - und wahrscheinlich bis zum Saisonende auch unbesiegt: Die Dominanz ist wieder eindeutig gewesen, einzig der FC Bayern hat im November beim 1:1 gegen dieses Team bisher gepunktet.

Mit so viel Offensivdrang die Wolfsburgerinnen gegen den SC Freiburg auch begannen: Es dauerte lange, bis sich die augenscheinliche Kontrolle auch im Ergebnis widerspiegelte, was an der tief und dicht stehenden Defensive der Gäste lag. Gegen die mit Pernille Harder (26 Tore) und Ewa Pajor (16) beste Offensive der Liga hatte SC-Trainer Daniel Kraus die Taktik verändert, wohl auch in Erinnerung an das herbe 0:8 aus dem Hinspiel. Der Tabellensechste war wie Wolfsburg und München mit drei Siegen aus drei Partien optimal aus der fast dreimonatigen Virus-Pause gekommen - und hatte noch dazu das beste Torverhältnis. "Freiburg lebt natürlich von schnellen Offensivleuten. Da haben sie eine hohe Qualität in ihrem Kader. Sie sind jederzeit in der Lage, die vermeintlichen Top-Mannschaften zu ärgern", warnte Wolfsburgs Trainer Stephan Lerch vor der Partie. Sein Trainerkollege Kraus aber verzichtete in Nationalspielerin Klara Bühl vorerst sogar auf seine beste Stürmerin (11). Und so wurde eher gemauert statt gewirbelt.

Nach zwei, drei Versuchen, sich irgendwie Lücken zu erarbeiten, eröffnete schließlich Harder in der 32. Minute den entscheidenden Spielzug: Ihre Flanke verpasste Sara Björk Gunnarsdóttir mit dem Kopf, dafür landete der Ball dann bei Joelle Wedemeyer, die ins kurze Eck zur 1:0-Führung traf. Der FC Bayern führte da in Köln bereits mit 4:0. Das Ergebnis des mit acht Zählern auf Distanz gehaltenen Verfolgers war dann aber zunehmend egal.

In der 47. Minute passte Svenja Huth auf die im Zentrum lauernde Harder, die den Ball mit ihrem linken Fuß clever ins linke Toreck zum 2:0 lenkte. Da wollte Kraus dann doch nicht länger auf seine schnellen Offensivspielerinnen verzichten. Er wechselte erst Klara Bühl und dann Hasret Kayikci ein. In der 82. Minute wurde bei einem Konter deutlich, dass er diese Umstellung schon viel früher durchführen hätte sollen: Kayikci konnte sich durchsetzen und spielte auf die schnelle Bühl, die frei abzog, nur eben direkt auf Torhüterin Friederike Abt. In der 77. Minute hatte die kurz zuvor eingewechselte Lara Dickenmann mit dem Kopf das 3:0 knapp verpasst, der Treffer von Pia-Sophie Wolters (90.) wurde wegen Handspiels nicht gewertet - auch das war dann aber völlig egal.

Mit dem sechsten Meistertitel zieht der VfL Wolfsburg nun mit Traditionsklub Turbine Potsdam gleich, noch einer fehlt, um auch den Rekordmeister 1. FFC Frankfurt einzuholen. Gewinnt der VfL in München am Sonntag und gegen Bayer Leverkusen am 28. Juni, würden 64 Zähler zudem einen Punkterekord in der eingleisigen Bundesliga bedeuten. "Die Meisterschaft hat mindestens einen gleichwertigen Stellenwert, weil wir es auch geschafft haben, die Monate, die wir nicht gespielt haben, unser Level zu halten", sagte Wolters später noch angesichts der ungewöhnlichen Umstände dieses Titels durch die fast dreimonatige Pause nach Ausbruch des Coronavirus.

Und vielleicht ist das nun erst der Auftakt eines sehr erfolgreichen Saison-Endspurts gewesen. Am 4. Juli (16.45 Uhr, ARD) trifft Wolfsburg im Finale des DFB-Pokals in Köln auf die SGS Essen - gegen die der VfL am Samstag 3:0 gewann. Seit 2015 ist Wolfsburg in diesem Wettbewerb ungeschlagen. Sogar das zweite Triple nach 2013 ist möglich. Das Exekutivkomitee der Uefa entschied am Mittwoch, dass die Champions League in einem Finalturnier in Bilbao und San Sebastián (Endspiel am 30. August) fortgesetzt werden soll. Wolfsburgs Viertelfinalgegner Glasgow City ist bisher nie über diese Stufe hinaus gekommen. Im Halbfinale würde Wolfsburg auf Atlético Madrid oder den FC Barcelona treffen, und erst im Finale auf den FC Bayern, Titelverteidiger und VfL-Dauerbezwinger Olympique Lyon, Paris Saint-Germain oder den FC Arsenal. In Frankreich und England wurden die Frauenligen bereits abgebrochen. Die Chancen des VfL Wolfsburg wären hier also größer als nur miniklein.

© SZ vom 18.06.2020/sonn
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