Frauenfußball bei Olympia "Wir wollen die Welt schockieren"

Rudo Neshamba beim entscheidenden Quali-Spiel gegen Kamerum - die 24-Jährige ist die bekannteste Spielerin Simbabwes.

(Foto: imago/Xinhua Afrika)

Im eigenen Land gibt es nicht mal eine Liga für Frauenfußball, trotzdem wollen die "Mighty Warriors" aus Simbabwe heute Abend die DFB-Elf ärgern. Ihr Weg zu Olympia verlief kurios.

Von Jonas Beckenkamp

Wer erinnert sich noch an Eric the Eel, den Schwimmer aus Äquatorialguinea? Vermutlich kaum einer, deshalb hier seine Geschichte im Kurzdurchlauf: Eric Moussambani trat bei den Spielen in Sydney im Jahr 2000 über 100 Meter Freistil an. Das Problem: Er kannte solche Wettkämpfe bis dahin nur aus dem Fernsehen. Tatsächlich gelang es ihm kaum, sich die volle Distanz über Wasser zu halten. Eric the Eel soff beinahe ab, ehe er über eine Minute (!) nach dem Letztplatzierten seines Vorlaufs völlig groggy anschlug.

Trotzdem wurde Eric der Aal ein Held. Weil zum Heldentum machmal schon das Dabeisein reicht. (Man denke auch an Eddie the Eagle bei den Winterspielen in Calgary 1988). Das Mutmacher-Mantra der Spiele haben sich auch die Fußballfrauen aus Simbabwe in ihre Sportlerseelen eingraviert. Ihnen könnte es in Rio ähnlich ergehen wie dem Kollegen Moussambani damals in Australien: Die "Mighty Warriors" sind neben Fidschis Fußballmännern wohl das krasseste Außenseiterteam der Olympischen Sommerspiele 2016 - und zum Start dürfen sie sich an diesem Mittwochabend ausgerechnet gegen die DFB-Frauen beweisen. Den zweifachen Weltmeister und Zweiten der Weltrangliste (Simbabwe liegt auf Rang 93).

Wie groß der Leistungsunterschied ist

Im Vergleich mit Silvia Neids Auswahl voller Profis sind die Spielerinnen aus Simbabwe solche Winzlinge, dass es durchaus zweistellig werden könnte. Erst vor zwei Wochen hatte sich der DFB zur Einstimmung auf das unberechenbare Spiel der Afrikanerinnen Ghana als Testpielgegner besorgt. Das Resultat: 11:0 für die Deutschen. Bundesliga gegen Kreisliga, so könnte es auch zum Olympiaauftakt laufen. Doch solche Szenarien sind Simbabwes Trainer Shadreck Mlauzi egal.

Er ist froh, überhaupt dabei zu sein mit seiner Elf, wie er in der Heimat der Zeitung The Sunday Mail erzählte: "Auf uns setzt keiner einen Pfifferling und wir haben damit nicht das geringste Problem. Die Leuten sollen ruhig denken, dass wir nur ein Sparringspartner sind - wir wollen die Welt schockieren." An Mut mangelt es den Underdogs aus dem früheren Südrhodesien also nicht. Warum sollten sie auch bibbern? Dass Simbabwe es unter die zwölf qualifizierten Teams geschafft hat, ist an sich schon ein Riesencoup.

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In der Gruppenphase warten neben den Deutschen noch die Kanadierinnen (Bronze bei den Spielen 2012) und die ebenfalls stark eingeschätzten Australierinnen. "Ich habe nichts anderes als diese Konkurrenz erwartet", sagt Mlauzi, "wir sind hier auf dem höchsten Level, da sind solche Gegner doch nichts Überraschendes." Aber für ein Land, in dem es nicht mal eine Liga für Frauenfußball gibt, ist Olympia natürlich die Traumfabrik. Zumal bei der allerersten Teilnahme überhaupt.

Wie Simbabwe es nach Rio schaffte

Normalerweise dominieren im afrikanischen Frauenfußball Nationen wie Nigeria, die Elfenbeinküste oder Äquatorialguinea. Diesmal setzten sich in einem Qualfikationsturnier über vier Runden Südafrika und Simbabwe durch. Und wie so oft in Afrikas Fußball kam es dabei zu Kuriositäten: In der dritten Runde sollte Simbabwe zunächst in der ivorischen Hauptstadt Yaoundé antreten, was letztlich an "logistischen Problemen" scheiterte, wie die Fifa mitteilte. Es fehlte dem Verband schlicht am nötigen Kleingeld, um die Flugreise quer über den ganzen Kontinent zu ermöglichen.