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Fußballerinnen des FC Bayern:26 Siege - und dann das

Pokal HF: VfL-Frauen vs Bayern München Fußball, Frauen, Saison 20/21, DFB-Pokal, Halbfinale, VfL Wolfsburg vs FC Bayern

Nicht zu stoppen: Ewa Pajor (li.) überwindet erst Carina Wenninger, dann Laura Benkarth (re.) und bringt den VfL Wolfsburg mit ihrem 2:0 gegen den FC Bayern München ins Finale des DFB-Pokals.

(Foto: Sebastian Priebe/regios24/Imago)

Die Fußballerinnen des FC Bayern verlieren erstmals in dieser Saison - ausgerechnet das Pokal-Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg. Die Gegnerinnen senden damit ein Signal.

Von Anna Dreher

Ewa Pajor schrie ihre Erleichterung heraus. Sie rannte über den Rasen, ballte die Fäuste, spannte die Muskeln an, und ihr Gesichtsausdruck dabei wirkte, als hätte sie zuletzt ab und an für eine Aufführung des rituellen Tanzes der neuseeländischen Maori geübt. Hätte Pajor nach ihrem Jubellauf irgendwann angefangen, mit den Füßen zu stampfen und sich rhythmisch mit den Händen auf ihren Körper zu schlagen, es wäre ein ganz ausgezeichneter Haka geworden. Es fehlte nur noch, dass sie bei aufgerissenen Augen die Zunge herausstreckte. Aber es brauchte gar keinen Kriegstanz, um ihre sowie die Stärke ihrer Mannschaft auszudrücken und die Gegnerinnen weiter einzuschüchtern. Dafür hatte gereicht, was Pajor am Ostersonntag kurz zuvor dargeboten hatte.

Um 14.54 Uhr, nur wenige Sekunden vor dem Abpfiff der ersten Halbzeit, war das Halbfinale im DFB-Pokal der Frauen zwischen dem VfL Wolfsburg und dem FC Bayern eigentlich schon vorbei. Wolfsburgs Svenja Huth hatte auf der rechten Strafraumseite Amanda Ilestedt überlistet und in die Mitte gepasst, wo Pajor beim ersten Abschlussversuch noch von Carina Wenninger aufgehalten wurde, den Ball dann aber abgezockt durch die Beine von Torhüterin Laura Benkarth zum 2:0 über die Linie brachte - und damit diese Begegnung entschied. Das 1:0 hatte Alexandra Popp, ebenfalls nach Vorarbeit von der emsigen Huth, in der 13. Minute erzielt.

"Die erste Halbzeit haben wir verschlafen", sagte Münchens Trainer Jens Scheuer: "Wir wollten eigentlich das Spiel bestimmen, aber haben uns da von der Robustheit von Wolfsburg ein bisschen einschüchtern lassen."

Der vermeintliche Nachteil schwächt Titelverteidiger Wolfsburg nicht

Und das war überraschend und nicht überraschend zugleich. Überraschend, weil seine Fußballerinnen bis dahin eine Serie von 26 Siegen hingelegt hatten. Mehr also noch als die 23 von ihren Kollegen unter Hansi Flick in der Wir-gewinnen-alles-Saison 2019/2020. Die Bayern haben seit dem Auftakt stets Ruhe bei einem kreativen Spielaufbau gezeigt und das Wissen um ihre Stärke ausgestrahlt, was in einer Bilanz von wettbewerbsübergreifend 104:6 Toren mündete. Dominanz? Dürfte ziemlich genau so aussehen. Während Champions-League-Vorjahresfinalist Wolfsburg am Mittwoch ausschied, gehören die Münchnerinnen zum zweiten Mal in ihrer Geschichte zu den vier besten Vereinen der Königsklasse. Die Bundesliga führen sie, auch dank eines 4:1 im direkten Duell, mit fünf Zählern Vorsprung auf den VfL an. "Wir sind psychologisch im Vorteil, und das wollen wir auch nutzen", hatte Scheuer vor dem Pokal gesagt.

Doch der vermeintliche Nachteil - der Druck, gewinnen zu müssen, um die Chance auf den in dieser Runde vielleicht einzig realisierbaren Titel zu wahren - schwächte den Doublesieger nicht, im Gegenteil. Der unbedingte Wille, sich durchzusetzen, schien größer zu sein als bei den Bayern. Diese fanden nicht zu ihrem souveränen Spiel, weil die Wolfsburgerinnen sie nicht reinkommen ließen. Der VfL attackierte früh, störte oft, brachte die Gäste so in Bedrängnis und erstmals seit langer Zeit wieder in die Situation, einem Rückstand hinterherzurennen.

"Wir haben uns ein bisschen zu sehr einlullen lassen", sagte Bayerns Kapitänin Lina Magull. Wenn die sonst so effektive Münchner Offensive mal zur Geltung kam, agierte sie nicht zwingend genug. Es fehlten Präzision und Durchsetzungskraft in den entscheidenden Momenten.

Der VfL Wolfsburg könnte zum siebten Mal nacheinander den Pokal gewinnen

Wo sich bei einer Niederlage ein neues Kräfteverhältnis gefestigt hätte, sendete der VfL also ein Signal. Und das wiederum war nicht überraschend. Denn auch wenn das Team vor allem durch den Wechsel von Pernille Harder (Chelsea) geschwächt worden ist und der Klub angesichts der wachsenden internationalen Konkurrenz sowie eines bevorstehenden Umbruchs tiefstapelt, was eine Fortsetzung der zuletzt so erfolgreichen Jahre angeht, stehen hier nach wie vor viel Können und Erfahrung auf dem Platz. Und zudem in der 19 Jahre alten Lena Oberdorf eines der größten Talente im deutschen Fußball. "Wir haben heute gezeigt, dass mit uns zu rechnen ist", sagte Trainer Stephan Lerch, der den Verein zum Saisonende verlassen wird: "Man darf uns einfach nicht abschreiben."

Während sich die Fußballerinnen des FC Bayern nach dem Ende ihrer Siegesserie mit der Aussicht auf zwei verbleibende Titelchancen trösteten, setzte der VfL mit großer Euphorie seine eigene Erfolgsreihe fort: Seit 34 Begegnungen haben die Wolfsburgerinnen im DFB-Pokal nicht mehr verloren und können diesen Wettbewerb am 30. Mai in Köln zum siebten Mal nacheinander und zum achten Mal überhaupt gewinnen. Die letzte Niederlage ist schon lange her. Am 16. November 2013 verloren sie im Achtelfinale 0:1 gegen den späteren Gewinner und mit neun Titeln Rekordpokalsieger 1. FFC Frankfurt, der seit dieser Saison zur Eintracht gehört. Im Finale treffen beide Vereine nun wieder aufeinander.

© SZ/ebc/klef
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