BasketballDer letzte Versuch

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23 Punkte, 15 Rebounds: Brittany Autry (links), Wasserburgs einzige Legionärin in der zweiten Liga, ist unter den Körben kaum zu bezwingen.
23 Punkte, 15 Rebounds: Brittany Autry (links), Wasserburgs einzige Legionärin in der zweiten Liga, ist unter den Körben kaum zu bezwingen.
Andreas Liebmann

Der TSV Wasserburg war mal als Abonnement-Meister die erste Adresse im deutschen Frauenbasketball, nun ist er das Schlusslicht in Liga zwei. Ein Trainerwechsel soll den endgültigen Absturz verhindern.

Von Andreas Liebmann

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Plötzlich lachten sie alle, sie konnten nicht anders, fast als säßen sie mit Popcorn-Tüten in einer brüllend komischen Kinokomödie. Dieses Bild passte so gar nicht zu dem, was die Wasserburger Basketballerinnen eben noch gezeigt hatten, auch nicht zu dem düsteren Satz, den ihre Abteilungsleiterin Johanna Retzlaff später im Foyer der Badria-Halle sagte: "Wenn wir wieder absteigen, wäre Basketball in Wasserburg gestorben." Die Frauen des TSV Wasserburg, die bis vor wenigen Jahren noch die deutschen Abonnement-Meisterinnen waren, sie stehen nach ihrem Abstieg aus dem Oberhaus auch in der zweiten Liga allein am Tabellenende. Das war vor dem Kellerduell gegen den TSV Speyer-Schifferstadt am vergangenen Sonntag so - und auch danach noch. Doch für diesen kurzen Moment war alles gut. Und hinterher fragte man sich: Kann denn wirklich - falls ihnen in dieser Saison noch die Wende gelingen sollte - am Ende alles nur an diesem einen, irren Zufall hängen?

Dreißig, vierzig Mal probiere man einen solchen Wurf, sagte Spielmacherin Levke Brodersen später, bis dann mal einer reingehe. Nur bis knapp über die Mittellinie hatte es die 28-Jährige am linken Spielfeldrand noch geschafft, als die Uhr im zweiten Viertel ablief und Brodersen, die ehemalige Nationalspielerin, den Ball auf gut Glück auf die Reise schickte. Die vorangegangenen Angriffe hatten verheerend gewirkt, ein Airball von Manuela Scholzgart, bei dem der Ball den Ring weit verfehlte, ein Fehlpass von Brodersen und ein fataler Ballverlust von Christina Schnorr vor dem eigenen Korb, der den Gästen zur vermeintlichen 26:24-Pausenführung verhalf. Doch dank Brodersens Glückstreffer mit der Pausensirene gingen nun doch die Gastgeberinnen mit einer 27:26-Führung in die Kabine - lachend. "So ein Buzzer Beater ist immer auch etwas symbolisch", sagte Brodersen, er habe dem Team geholfen, daran zu glauben, dass es klappen könne mit einem Sieg. Und es klappte: 69:58 hieß es am Ende. Es war der dritte Sieg im 13. Spiel. "Noch ist genug Zeit", betonte Retzlaff.

Die Fans haben ihren Klub noch nicht aufgegeben, auch wenn sie viel mitmachen mussten zuletzt. Lange war nicht sicher, ob die Abteilung es nach dem Verlust des Hauptsponsors überhaupt in der zweiten Liga probieren würde, mit einem verbliebenen Gerüst aus deutschen Spielerinnen, Schulden aus der Vorsaison und ohne die Handvoll Profis wie früher. Mit neuer Abteilungsleitung, neuem Management und zwangsweise neuem Konzept. Und dann ging schon vor dem Saisonauftakt wieder einiges schief. In Laura Hebecker beendete eine der Erfahrensten im Team verletzungsbedingt ihre Profilaufbahn. Die einzige Ausländerin, Brittany Autry, kam zwar pünktlich, musste aber wochenlang auf ihre Arbeitserlaubnis warten - was an der Arbeitsagentur gelegen habe, wie der TSV-Vorsitzende Bastian Wernthaler beteuerte, nicht etwa an einem Versäumnis des Vereins. Auch Christina Schnorr, der zweite wichtige Zugang, fehlte in den ersten Wochen oft, und ein fürs Management verantwortlicher Funktionär gab rasch wieder auf. Trainerin Rebecca Thoresen, die zumindest den sportlichen Abstieg aus der ersten Liga um ein Haar noch verhindert hätte, stand also wieder so da, wie sie nicht mehr dastehen wollte: als Alleinunterhalterin eines Minikaders ohne Co-Trainer, die Unterstützung vermisste.

Nie wieder habe er coachen wollen, versichert Klubchef Wernthaler. Nun steht er doch an der Seitenlinie und probiert die Rettung.

Trotzdem war die Tribüne am Sonntag voll wie zu besten Erstligazeiten. Auch Thoresen bemühte sich derweil um etwas Glanz - allerdings zu Hause. Während ihre Tochter als Einlaufkind in der Halle war, strich die Mama lieber das Kinderzimmer. Kurz vor Weihnachten war die gebürtige Australierin, die als Spielerin mit Wasserburg sechs Meisterschaften gewann, von ihren Aufgaben entbunden worden. Das habe wehgetan, sagt sie, vor allem die Darstellung des Vereins nach außen, dass sie ohne eine Verstärkung, nach der sie gefragt habe ("das gehört zu meinem Job"), nicht mehr an die Mannschaft geglaubt hätte. Das nennt sie "Märchen".

Ihr sei die Entscheidung sehr schwer gefallen, sagte Retzlaff, die neue Abteilungsleiterin, zumal sie wisse, wie beliebt Thoresen bei Fans und Spielerinnen sei. "Mir hat ihr Kampfgeist immer imponiert." Doch eine Verstärkung sei "völlig unrealistisch" gewesen angesichts des Budgets, trotzdem habe es neuer Impulse bedurft.

Die setzt nun einer, der hier als Trainer dreimal Meister war, der sich eigentlich aus der Abteilung heraushalten wollte und der in der Pressekonferenz nach dem Spiel sagte: "Es ist kein Geheimnis, dass ich mir mein Leben anders vorgestellt hatte": Klubchef Wernthaler. Nie wieder habe er coachen wollen, sogar seine Lizenz sei abgelaufen. Trotzdem will er es nun probieren, gemeinsam mit der Jugendkoordinatorin Rita Quinz. Es ist der letzte Versuch.

Retzlaff gefällt, was sie nun sieht. Scholzgart, eine gute Dreierschützin, werde inzwischen außen besser gefüttert, am Sonntag traf sie dreimal aus der Distanz. Autry, 1,85 Meter groß und unter den Körben schwer zu bremsen, werde dort nun besser eingesetzt, außerdem erhalte sie nun regelmäßige Zusatzeinheiten, um ihre athletischen Defizite zu beheben. Am Sonntag kam sie auf 23 Punkte und 15 Rebounds. Die schnellen Perner-Schwestern stürmten nun regelmäßig nach vorne und machten die Räume weit. Kurz: Wernthaler nutzte alle vorhandenen Kompetenzen.

Aus der Mannschaft sei der Wunsch nach einem Trainerwechsel nicht gekommen, betonte Spielmacherin Brodersen. Er sei nur meist die einfachste Lösung. "Bec hatte eine absolut schwierige Situation mit vielen Ausfällen und kleinem Kader." Trotzdem gebe Wernthaler nun neuen Antrieb. "Wir haben viel mehr Speed, Energie und Aggressivität in der Defense", stellte Brodersen fest.

Bei genauer Betrachtung - das machte auch Wernthaler klar - war die Offensivleistung in der ersten Hälfte gegen Speyer trotzdem "katastrophal", erst dieser Glückstreffer ebnete den Weg. Viele der Spielerinnen hätten seit eineinhalb Jahren "fast nichts gewonnen", manchmal müssten erst "zwei, drei Würfe fallen - und plötzlich geht es". Wernthaler bezog sich auf den Sieg gegen Speyer, aber wer weiß: Am kommenden Samstag (19 Uhr) steht gegen Ludwigsburg schon das nächste Heimspiel an. Und vielleicht wirkt dieser eine Glückstreffer ja tatsächlich länger.

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