bedeckt München 23°
vgwortpixel

USA - England 2:1:Auch ohne Rapinoe erstklassig

Women's World Cup - Semi Final - England v United States

Englands Steph Houghton (Mitte) verschießt einen Elfmeter, Alex Morgan (rechts) und Kelley O'Hara freuen sich.

(Foto: REUTERS)
  • In einem dramatischen Halbfinale bezwingen die USA England mit 2:1.
  • Die Spielerinnen aus den Vereinigten Staaten stehen damit als erstes Team im Finale der Fußball-WM.
  • Im letzten Spiel geht es jetzt gegen Schweden oder die Niederlande.

Tja, welche Szene war nun die entscheidendere, die dramatischere? War es jene in der 79. Minute, als Ellen White auf das Tor der US-Amerikanerinnen zu rannte, den Ball schießen wollte und im Duell mit Becky Sauerbrunn stürzte? Als das erst keine Konsequenzen hatte und die brasilianische Schiedsrichterin Edina Alves Batista nach dem Videobeweis doch auf Foulelfmeter entschied? Als Englands Kapitänin Steph Houghton sich den Ball zurechtlegte, innehielt - und dann flach links ins Eck so schoss, dass US-Torhüterin Alyssa Naeher ihn noch erwischte und dann von ihrer Mannschaft und dem Publikum frenetisch dafür gefeiert wurde?

Oder war es jene in der 86. Minute, als Millie Bright nach einem Zweikampf mit Alex Morgan Gelb-Rot sah und vom Platz musste? Die englische Fußballnationalmannschaft der Frauen kämpfte trotzdem weiter bei diesem ersten Halbfinale der Weltmeisterschaft in Frankreich. Vor 53 512 Zuschauern im Stade de Lyon. Aber es reichte nicht, um die USA zu bezwingen.

Nach mehr als 90 Minuten hat es der große Turnierfavorit wieder einmal geschafft: Die USA sind nach einem umkämpften 2:1 (2:1)-Sieg als erste Nation in Frankreich ins Finale eingezogen - und werden am Sonntag gegen Schweden oder die Niederlande um ihren vierten Titel spielen.

Die Mannschaft ist auch ohne Rapinoe erstklassig

Die USA waren geradezu durchmarschiert bis ins Halbfinale dieser WM. Und sie hatten schon bei ihrem ersten Spiel hier in Frankreich ein deutliches Signal an alle Mannschaften gesendet: Das 13:0 gegen Thailand markiert den höchsten WM-Sieg seit dem 11:0 Deutschlands gegen Argentinien in China 2007 - damals wurden die Fußballerinnen des DFB schließlich auch Weltmeister. Und es scheint, als würde sich bei den USA nun ein ähnlich positiver Zusammenhang ergeben.

Mit 18:0 Toren erreichte die Mannschaft von Jill Ellis das Achtelfinale, wo sie gegen Spanien erstmals ein wenig ins Straucheln kam, am Ende mit zwei Elfmetern von Rapinoe aber dafür sorgte, dass das Turnier sein eigentliches Traumfinale schon früher zu sehen bekam: der Topfavorit gegen den Gastgeber. Trotz des großen Heimvorteils gelang es Frankreich nicht, sich durchzusetzen - auch hier entschied Rapinoe mit ihren zwei Treffern das Spiel.

Umso überraschender war es, dass der große Star des amerikanischen Teams zwar Trainingskleidung trug und mit den anderen Spielerinnen auf den Platz kam, deren Aufwärmübungen aber nur beobachtete, statt mitzuwirken. Mal an der Ecke des Strafraums, mal an der Seitenlinie, mal hatte sie einen Ball unter dem Fuß, mal stand sie einfach nur da. Ausgerechnet die Torschützin der vergangenen vier Tore, diejenige, die den dreimaligen Weltmeister zuletzt bis nach Lyon geschossen hatte - im Halbfinale wurde sie durch Christen Press auf dem Flügel ersetzt. Im Vorfeld war nichts zu einer Verletzung bekannt geworden, erst nach dem Spiel klärte Rapinoe auf, dass sie ein leichtes Ziehen im Oberschenkel gespürt habe. Eine Vorsichtsmaßnahme also. Im Finale werde sie wieder einsatzbereit sein.