Frauen-WM: Nigerias Homosexualitäts-Verbot:Lesben? Lieber nicht!

Die WM hat ihren ersten politischen Aufreger: Nigerias Nationaltrainerin Ngozi Eucharia Uche sorgt mit umstrittenen Aussagen zum Thema Homosexualität für Aufsehen - mit ihrer Haltung ist sie in ihrem gottesfürchtigen Land nicht allein. Auf der Weltbühne des Fußballs gerät sie damit jedoch ins Abseits.

Thomas Hahn

Eucharia Uche war kurz angebunden im Fernsehinterview am Tag vor dem Spiel gegen Frankreich. Sie sei beeindruckt vom Zustand des Rasens in der Rhein-Neckar-Arena, sagte Nigerias Nationaltrainerin nach dem Abschlusstraining und lobte knapp die Form ihrer Spielerinnen: "Wir sind bereit." Und als der Reporter nach dem Artikel auf bild.de fragte, in dem es um ihre Haltung zur Homosexualität ging ("eine dreckige Sache, spirituell und moralisch sehr falsch"), machte sie eine abwehrende Handbewegung und verschwand.

Nigeria v France: Group A - FIFA Women's World Cup 2011

Nigerias Nationaltrainerin Ngozi Eucharia Uche findet Homosexualität "eine dreckige Sache".

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Bild.de hat Uches Haltung zum "WM-Skandal" ausgerufen, aber das ist natürlich zu kurz gegriffen. Die Diskriminierung von Homosexuellen ist in vielen Ländern eine schlimme gesellschaftliche Realität, die für Menschenrechtsorganisationen ein Dauerthema ist. Gerade in einem Land wie Nigeria, in dem nach einer Umfrage der BBC von 2004 hundert Prozent der Menschen an einen Gott glauben und 95 Prozent der Menschen, für ihren Gott sterben würden.

Diese Frömmigkeit führt zu einem bigotten Weltbild, das aufgeklärten Gesellschaften fremd ist und auch im Widerspruch zu einer Frauenfußball-WM steht. Nicht nur, weil die Lesben-Bewegung die WM als ein Forum ihrer Interessen sieht, wie die Kampagne "Offen lesbisch zur WM" des Szene-Magazins L-Mag zeigt. Sondern weil der Weltfußball-Verband Fifa die WM als Werkzeug im Kampf für Frauenrechte sieht.

Homosexualität ist in Nigeria verboten, in den islamischen Bundesstaaten riskieren Homosexuelle sogar die Todesstrafe. Die Christin Eucharia Uche vertritt eine Mehrheitsmeinung in Nigeria und gibt damit aus weltlicher Sicht ein Beispiel für einen menschenfeindlichen Glauben. Die New York Times hat das Thema aufgegriffen, Uche interviewt und vor der WM einen ausführlichen Artikel dazu veröffentlicht, der offensichtlich auch bild.de inspirierte.

In der New York Times sagte Uche, sie habe auf Gerüchte reagiert und mit Gebeten, Bibelstudium und der Hilfe eines Priesters ihre Spielerinnen auf das eingeschworen, was auch Nigerias Gesetzgeber für den richtigen Weg hält. Sozusagen zur Vorbeugung. Lesbische Spielerinnen auszuschließen, wie das auch schon geschehen sein soll, sei nicht ihr Stil.

© SZ vom 27.06.2011/jbe
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