DFB-Elf Höhere Mathematik vor dem Achtelfinale

Training in Grenoble.

(Foto: dpa)
  • Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat nur einen Tag Zeit, um ihre Mannschaft auf Achtelfinal-Gegner Nigeria einzustellen.
  • Die Spielerinnen des DFB-Teams wollen sich aber ohnehin steigern, unabhängig vom Gegner.
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Von Anna Dreher, Grenoble

Es gibt eine Anekdote von der Weltmeisterschaft 2015, die wunderbar ins Hier und Jetzt passt. Die deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen bereitete sich auf das letzte Vorrundenspiel vor, es ging um den Gruppensieg, die daraus resultierende Konstellationen im Tableau und allerlei Überlegungen, welcher Gegner es wohl als nächstes werden würde. Manche Spielerin nervte das. "Mich macht das Rechnen nur nervöser. Ich bin hier nicht bei der Mathematik-Olympiade", sagte Tabea Kemme damals in Kanada. Vier Jahre später hat sich an solchen Rechenspielen nichts geändert, im Gegenteil. In Frankreich haben sich vor dem Achtelfinale durch die Ergebnisse besonders skurrile Konstellationen ergeben. Und dass die Deutschen dort nun auf Nigeria treffen, war bis zum späten Donnerstagabend nicht klar gewesen.

Am Mittwoch hätte sich die Ungewissheit fast gelegt: Wenn Argentinien gegen Schottland gewonnen hätte, wären die Südamerikanerinnen Deutschlands nächster Gegner gewesen. Doch sie holten beim 3:3 nur einen Punkt, wieder war alles offen. So endete der Zustand der deutschen Ungewissheit erst Donnerstagnacht, Chile fehlte beim 2:0 im letzten Gruppenspiel gegen Thailand ein mickriges Tor, um Nigeria doch noch aus dem Kreis der vier besten Gruppendritten zu verdrängen.

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Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg kann ihre Mannschaft also erst am Freitag, drei Tage nach dem gegen Südafrika sichergestellten Gruppensieg, auf das erste K.o.-Spiel einstimmen, das schon einen Tag später stattfindet (Samstag, 17.30 Uhr, ZDF). Bis dahin mussten sie noch mit Nigeria, Argentinien oder Brasilien rechnen. "Mein Bauchgefühl sagt Nigeria", hatte Almuth Schult zuletzt schon gesagt, in weiser Voraussicht.

"Andere Teams haben schon auch Angst vor uns"

Die Torhüterin gilt im Team als große Vorrechnerin, die sich gerne über die Konstellationen den Kopf zerbricht und ihr Umfeld an ihren Überlegungen teilhaben lässt. "Deswegen hat Almuth jetzt auch ein Einzelzimmer", hatte Linda Dallmann im Scherz gesagt und hinzugefügt: "Wenn man Weltmeister werden will, muss man eh alle schlagen und auch keinem aus dem Weg gehen."

Die Strategie des zweimaligen Weltmeisters Deutschland lag jedenfalls darin, sich auf dem Trainingsplatz in Grenoble mit seinem eindrucksvollen Alpenpanorama ganz auf sich zu konzentrieren. Welche Spielerin dieser Tage auch immer in ein Mikrofon sprach: Immer war die Rede von einer selbstkritischen Einstellung - dass alle im Team wüssten, dass nun eine Steigerung nötig sein werde. So ganz zufrieden war eben keine mit den Darbietungen der Vorrunde gegen China, Spanien und Südafrika - auch wenn diese mit drei Siegen ohne Gegentor positiv absolviert wurden.

In den ersten beiden WM-Spielen war es vor allem eine kämpferische Mannschaftsleistung, die letztlich für sechs Punkte sorgte, weniger fußballerische Brillanz. Gegen Südafrika immerhin funktionierte auch letzteres besser. "Es war wichtig, dass wir wieder Fußball gespielt, dass wir Ball und Gegner laufen gelassen und uns Chancen erspielt haben", sagte Kapitänin Alexandra Popp: "So sind wir wieder in Spielfluss gekommen."

Nur gab es in diesem Spielfluss eben auch mehr oder weniger leichtfertig verlorene Bälle, sowohl in der Offensive als auch in der Defensive - die gegen höher veranlagte Gegner in den möglichen nächsten Spielen zum Knockout führen könnten. "Ich hatte aber von Anfang an das Gefühl, dass wir gut im Turnier drin sind", sagte Schult, "und ich glaube, andere Teams haben schon auch Angst vor uns." Insofern wäre dann auch wirklich egal, welche Gegnerinnen noch folgen.

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