bedeckt München
vgwortpixel

Frauen-WM 2011: Deutschland - Nigeria:Per Kraftakt ins Viertelfinale

Laute Pfiffe, spürbare Nervosität und viele Fouls: Nach dem zähen 1:0 gegen Nigeria spielt Deutschland gegen Frankreich um den Gruppensieg. Dabei hatte es gegen den Afrikameister lange Zeit so ausgesehen, als müssten sich die deutschen Fußballerinnen erst an die hohen Erwartungen gewöhnen.

So fühlt sich also Erlösung an. Gut zu wissen. Die 54. Minute im zweiten WM-Gruppenspiel der deutschen Fußballerinnen gegen Nigeria, Freistoß durch Célia Okoyino da Mbabi von der linken Seite, Inka Grings verlängert, Alexandra Popp schießt in einen Pulk Abwehrspielerinnen. Simone Laudehr trifft. 1:0. So lautete am Ende das Ergebnis, nach einem Abend, der den Deutschen alle Chancen offenhält auf den Sieg in der Gruppe A.

Germany v Nigeria: Group A - FIFA Women's World Cup 2011

Die Enttäuschung: Bundestrainerin Silvia Neid wechselt Birgit Prinz aus - die Spielführerin war sauer.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der aber teilweise auch einem Gewaltakt glich, wie man ihn auf dem Fußballrasen nicht so häufig gesehen hat, auch im Männerfußball nicht. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass diese WM kein Spaziergang wird für die deutsche Elf, dann war es dieser Abend.

An der Feinabstimmung wollten sie eigentlich arbeiten in diesem Spiel, mit der Gelassenheit des Turnierfavoriten. Abwehr- und Mittelfeldreihe besser verzahnen, Ballverluste reduzieren, kontrollierter ihr Kombinationsspiel entfalten. Sie wollten an den kleinen Stellschrauben drehen, die großen Hebel aber nicht anfassen, weil der Kurs ja zu stimmten schien nach dem 2:1-Auftakt gegen Kanada am Sonntag. Und vielleicht wäre dieser Plan sogar durchzuhalten gewesen, wenn sie die Deutschen nur auf sich und ihr Spiel hätten konzentrieren können.

Aber dann hatten am frühen Abend in Bochum die Französinnen die Kanadierinnen 4:0 vom Platz gefegt. Die Französinnen sind der nächste Gruppengegner der Deutschen, kommenden Dienstag trifft man sich in Mönchengladbach. Silvia Neid wird das ihren Spielerinnen zwar nicht so gesagt haben vor dem Anpfiff, aber die aktualisierte Dienstanweisung ergab sich nun von ganz alleine. Wollte die DFB-Elf auch nach dieser Partie ganz oben stehen in ihrer Gruppe, würde sie jetzt, neben ein paar Toren, vor allem ein paar Tore benötigen, und dazu am besten noch ein paar Tore.

Tore also, und vor dem Anpfiff sah es in dieser Hinsicht auch noch ganz gut aus. Die Bundestrainerin Silvia Neid hatte ihre Spielerinnen im Strafraum versammelt, Ball um Ball wurde Richtung Tor geballert, während der Stadionsprecher gerade mit der Leidenschaft eines Studienrates die Mannschaftsaufstellung verlas, die von "Deutschland" und die von "Nigerien".

Das Problem war, dass dies nicht der einzige Fehler blieb. Nach dem Anpfiff reihte sich vielmehr eine gruselige Szene an die nächste, und schon bald hatte das Frankfurter Publikum ein Gespür dafür entwickelt, dass diese Partie eine Bewährungsprobe werden würde für Silvia Neids Mannschaft. Eine Prüfung. Die Leute schwankten zwischen ratloser Stille und bemühter Aufmunterung, das würde nicht der sorglose Partyabend werden, auf den sie sich eingerichtet hatten.

Frauen-WM 2011: Einzelkritik Deutschland

Bauchplatscher vom Rumpelstilzchen