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Viertelfinale der Frauen-WM:Genialer Moment entscheidet die Partie

Japans aggressive Defensivstrategie funktionierte zunächst, die deutsche Elf kontrollierte die Partie, kombinierte sich immer wieder mit wenigen Ballkontakten durchs Mittelfeld und erspielte sich einige Gelegenheiten. Ein Treffer wollte in der ersten Halbzeit nicht gelingen, weil die Zuspiele auf die Angreiferinnen Celia Okoyino de Mbabi und Inka Grings arg ungenau waren und weil vor allem Kerstin Garefrekes (10./21.) und da Mbabi (18./31.) unkonzentriert beim Abschluss agierten.

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Nach etwa 25 Minuten dann zeigten die Japanerinnen, dass zu ihrem fußballerischen Repertoire auch eigene Spielzüge gehören, vor allem mit schnellen und direkten Flachpässen in den Angriff wollten sie die deutsche Elf verblüffen. Diesen Zuspielen allerdings mangelte es allerdings an Präzision, immer wieder konnten die deutschen Verteidigerinnen dazwischen gehen. Nur ein Mal schafften es die Japanerinnen in den deutschen Strafraum, doch der Schuss von Yuki Nagasato (30.) geriet ebenso ungenau wie die meisten Zuspiele ihrer Kolleginnen.

Gegen Ende der ersten Halbzeit war beiden Mannschaften der Respekt voreinander deutlich anzumerken: Japan fürchtete die Wucht und Kombinationsstärke der deutschen Elf. Der indes fehlte der Mut, konsequent nachzurücken und Spielzüge auch einmal forsch abzuschließen - wohl aus Angst vor flinken Gegenangriffen.

Der Beginn der zweiten Halbzeit ähnelte den ersten Minuten des Spiels, nur dass beide Mannschaften ihre Bemühungen intensivierten. Das bedeutete, dass die Angriffe der deutschen Elf auf das Tor der Japanerinnen wütender wurden - genauso wie die Angriffe der japanischen Verteidigerinnen auf die Beine der deutschen Akteurinnen. Es gab zahlreiche Freistöße, die deutschen Spielerinnen glichen ihren physischen Vorteil durch mangelnde Sprungkraft aus.

Hin und wieder überschritten auch die Japanerinnen die Mittellinie, es wäre jedoch eine Lüge, diesen Aktionen den Begriff Angriffe zuzuweisen. Die Bemühungen dienten zunächst allein dazu, den Defensivspielerinnen eine kurze Ruhepause zu gönnen und die Uhr weiter in Richtung Verlängerung ticken zu lassen. Es gab bis zur 65. Spielminute nur einen Schuss in Richtung Tor, der zweifelsfrei als überambitioniert bezeichnet werden darf.

Gegen Ende der regulären Spielzeit jedoch verfestigte sich der Eindruck, den Silvia Neid zuvor im Training gewonnen hatte: Die deutschen Spielerinnen wirkten müde wie ein Boxer, der rundenlang auf seinen Gegner einprügelt in der Hoffnung auf einen schnellen Niederschlag und der dann feststellt, dass das Duell bis zum Ende spannend bleiben würde.

Es war klar, dass nur ein grotesker Fehler oder eine genialische Aktion eine Verlängerung würde verhindern können. Es gab gute Angriffe der Deutschen, aber eben keinen Fehler und keine Genialität - also wurde das Spiel um 30 Minuten verlängert.

In dieser Verlängerung gab es zunächst kleinere Fehler der Japanerinnen, welche von Grings (100.) und Mbabi (107.) nicht genutzt wurden. Dann gab es diesen genialischen Moment, der diese Partie entscheiden sollte - allerdings nicht von den Deutschen, sondern von den Spielerinnen Japans. "Natürlich habe ich das Tor geschossen", sagte Karina Maruyama nach der Partie, "aber es ist der Erfolg von allen. Ich möchte mich bei allen Mitspielerinnen bedanken."

Die deutschen Spielerinnen reagierten wütend auf diesen Wirkungstreffer, hektisch stürmten sie nach vorne, immer wieder bolzten sie den Ball in den Strafraum. Nur ein Treffer, der wollte an diesem Abend nicht gelingen.