Süddeutsche Zeitung

Frauen-Nationalelf:Gelungene Rotation

Bundestrainerin Voss-Tecklenburg tauscht beim Algarve-Cup die gesamte Startelf aus. Nach dem 4:0-Sieg gegen Titelverteidiger Norwegen steht die Nationalmannschaft nun im Finale.

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft hat beim Algarve-Cup nach einer Rundum-Rotation mit einer Perspektivelf das Endspiel erreicht. Die auf sämtlichen Positionen in der Startformation im Vergleich zum 1:0-Auftaktsieg gegen Schweden veränderte Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bezwang am Samstag im Estádio Municipal von Lagos Titelverteidiger Norwegen 4:0 (2:0). Damit trifft das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg im Finale am Mittwoch auf Neuseeland oder Italien. Die Tore erzielten Lea Schüller von der SGS Essen (21. Minute), die Potsdamerin Johanna Elsig (26.), Ingrid Engen per Eigentor (60.) und die als Spielführerin aufgebotene Marina Hegering aus Essen (71.).

Voss-Tecklenburg hatte ihr Team tatsächlich wie angekündigt einem Komplett-Umbau unterzogen, um Richtung Europameisterschaft 2021 den Konkurrenzkampf zu schüren. So war bei einem Schnitt von 18 Länderpartien pro Spielerin Rechtsverteidigerin Leonie Maier (72 Einsätze) die erfahrenste Kraft im Startelf-Experiment. Dzsenifer Marozsán vom Champions-League-Sieger Olympique Lyon und die 18 Jahre alte Abwehrchefin Lena Oberdorf von der SGS Essen saßen zur Schonung nur auf der Tribüne. Dafür bestritten Nachwuchshoffnungen wie die 19 Jahre alten Sophia Kleinherne (1. FFC Frankfurt) oder Sydney Lohmann (Bayern München) ihre jeweils zweiten Länderspiele.

DFB-Torhüterin Laura Benkarth musste erst in der 49. Minute einen Schuss parieren

Die anfängliche Nervosität legte die ungewohnt komponierte deutsche Elf schnell ab. Als Kleinherne den Ball in der eigenen Hälfte zu nahe am eigenen Strafraum fair ins Aus spielte, weil eine Norwegerin am Boden lag, rief Voss-Tecklenburg an der Seitenlinie: "Leute, hey, nach vorne raus." Die anfängliche Anspannung wich dann schnell einer bemerkenswerten Unbekümmertheit und die Spielweise der Deutschen war geprägt von einem permanenten Offensivdrang. Schüller hatte es bereits in der 8. Minute mit einem Heber versucht, der aber über das Tor ging. Wenig später war Norwegens Torhüterin Cecile Fiskerstrand nach einem langen Ball von Lena Lattwein und dem Abschluss der Essenerin Schüller ohne Abwehrchance.

"Sie können Argumente für sich sammeln. Das sind die Spiele, in denen wir was sehen wollen für die Zukunft", hatte Voss-Tecklenburg gesagt. Ihre überraschende Rochade, die gelernte Hoffenheimer Offensivkraft Lattwein als Innenverteidigerin aufzubieten, ging jedenfalls auf. Mit langen Pässen vor allem auf die schnelle Schüller sorgte die 19-Jährige ständig für gefährliche Aktionen. Auf der anderen Seite dauerte es bis zur 49. Minute, ehe Torhüterin Laura Benkarth, die für Merle Frohms zwischen den Pfosten stand, einen Schuss von Norwegens sonst wirkungsloser Spielführerin Caroline Hansen abwehren musste.

Als Bayern-Spielerin Linda Dallmann mit einem Solo über den halben Platz einen Eckball herausholte und Engen diesen ins eigene Tor lenkte, war die Vorentscheidung gefallen. Doch die deutschen Frauen ließen weder bei Konzentration noch Kreativität nach. Hegering erhöhte auf 4:0 - und kurz darauf erlebte Laura Freigang vom 1. FFC Frankfurt in der 73. Minute noch ihre Nationalmannschafts-Premiere.

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SZ vom 08.03.2020 / dpa, sid/and
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