Schweizer Kapitänin Lia Wälti„Kein Mensch ist so viel wert, wie ein Fußballer verdient“

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Lieblingsspielerin der Schweizer Fans: Lia Wälti (re.) jubelt nach dem Viertelfinal-Einzug.
Lieblingsspielerin der Schweizer Fans: Lia Wälti (re.) jubelt nach dem Viertelfinal-Einzug. Fabrice Coffrini/AFP
  • Lia Wälti, Kapitänin des Schweizer Fußballnationalteams, ist eines der Gesichter der Europameisterschaft und wirbt für verschiedene Produkte.
  • Die 32-jährige Mittelfeldspielerin gewann kürzlich mit dem FC Arsenal die Champions League, kämpft aber mit einer Knieverletzung und kann nur dank intensiver Behandlungen an der EM teilnehmen.
  • Wälti setzt sich für Chancengleichheit im Jugendfußball ein und kritisiert die überhöhten Gehälter im Männerfußball, möchte die familiäre Atmosphäre im Frauenfußball erhalten.
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Eines der Gesichter dieser Europameisterschaft ist die Schweizer Kapitänin Lia Wälti: Als Mittelfeldspielerin, Werbefigur – und differenzierte Aktivistin für die Zukunft des Frauenfußballs.

Von Felix Haselsteiner, Zürich

Die größte Lia Wälti begegnet einem am Hauptbahnhof in Zürich. Der zentrale Verkehrsknotenpunkt der Europameisterschaft ist die Bahnhofshalle in der größten Stadt der Schweiz, insofern ist es kaum überraschend, dass einem hier auch das Gesicht der Gastgebernation in Übergröße auf einer Videowand ins Auge fällt. Alisha Lehmann mag die Spielerin mit der größten Online-Gefolgschaft im Schweizer Kader sein, Sydney Schertenleib die mit dem größten Talent, Geraldine Reuteler die mit den meisten Toren und Vorlagen. Aber fragt man irgendwo zwischen St. Gallen und Genf junge und alte Menschen in Schweizer Trikots, wer ihre persönliche Favoritin ist, dann ist die Antwort meistens: Die Lia.

Für alles Mögliche wirbt Lia Wälti während der EM, sie begegnet einem inzwischen häufiger als Roger Federer und Skifahrer Marco Odermatt, die bislang unangefochtenen Aufmerksamkeitskönige der Schweiz. „Zurückhaltend auftreten, keine großen Gesten machen, nicht anecken“, so fasste der Werbeexperte Frank Bodin beim Portal Watson zusammen, was es brauche, um als Schweizer Sportler vom eigenen Volk ins Herz geschlossen zu werden.

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Wälti erfüllt diesen Dreiklang, vor allem aber liefert sie die sportliche Basis für die ganze Aufmerksamkeit: Eine der besten zentralen Mittelfeldspielerinnen Europas ist die 32-Jährige, die vor einigen Wochen ihren größten sportlichen Erfolg feierte. Mit dem FC Arsenal gewann sie im Mai die Champions League, es war ihr erster großer Titel seit ihrem Wechsel 2018 nach London, auch wenn sie das Finale auf der Bank verbrachte: Eine hartnäckige Knieverletzung plagt sie seit dem Frühjahr, kostete sie den Stammplatz im Verein und führte dazu, dass sie an der EM überhaupt nur dank ausführlicher Behandlungen teilnehmen kann. Vor dem Viertelfinale gegen Spanien (Freitag, 21 Uhr) brauchte es für die Kapitänin noch einmal tagelange Sonderbehandlungen („Physio, Osteopathie, Regeneration“, so lautete in diesem Fall der Dreiklang). Widerstände zu überwinden ist allerdings nun wirklich nichts Neues für Lia Wälti.

Aus ihrer persönlichen Geschichte erklärt sich auch ihr Aktivismus

Die Geschichte eines jungen Mädchens, das sich in seiner Kindheit und Jugend in einer unfairen Sportwelt zurechtfinden musste, erzählt Wälti in „Lia am Ball“. Das Kinderbuch hat sie gemeinsam mit ihrer Schwester Meret geschrieben, es soll als Inspiration dienen für eine junge Generation an Fußballspielerinnen, die hoffentlich anders aufwachsen: „Sie sollen sich bestärkt fühlen darin, ihren eigenen Weg zu gehen“, sagte Wälti bei der Buchpremiere. Sie steht exemplarisch dafür: Bis zur U16 spielte sie aus Alternativlosigkeit in männlichen Jugendmannschaften mit, bis sie bei den Young Boys Bern ein Frauenteam fand, von dem aus man eine Profikarriere starten konnte.

Aus ihrer persönlichen Geschichte erklärt sich auch der Aktivismus, den Wälti inzwischen vertritt: Es gibt nicht nur Lia am Ball, sondern auch Lia am Mikrofon. Eine der lautstärksten Stimmen im Kampf um mehr Gerechtigkeit ist sie, aber eine mit einer sehr differenzierten Herangehensweise. „Oftmals, wenn wir über Gleichberechtigung reden, wird immer gesagt, dass wir den gleichen Lohn wollen. Darum geht es aber nicht“, sagte Wälti vor einigen Tagen bei einer Pressekonferenz. Prämien von der Uefa seien wichtig, allerdings geht es für sie um mehr: Das Ziel ist für sie vor allem Chancengleichheit im Jugendfußball, keine blinde Nachahmung der Männerwelt, die Wälti ohnehin für abgehoben hält.

„Ich finde es unmenschlich. Kein Mensch ist so viel wert, wie ein Fußballer verdient. Es gehen auch die Werte verloren oder sind schon verloren gegangen“, sagte Wälti. Sie möchte im Frauenfußball jene familiäre Atmosphäre erhalten, die auch das Turnier in der Schweiz prägt.

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