Basketball in der NBAUnd Franz Wagner humpelt vom Parkett

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Franz Wagner kam im Play-in-Spiel gegen die Philadelphia 76ers nur auf zwölf Punkte. Das ist weit unter seinem Schnitt.
Franz Wagner kam im Play-in-Spiel gegen die Philadelphia 76ers nur auf zwölf Punkte. Das ist weit unter seinem Schnitt.
Matt Slocum/AP/dpa
  • Franz Wagner verletzte sich im Play-In-Spiel gegen Philadelphia am linken Knie und sah die 97:109-Niederlage der Orlando Magic vom Behandlungstisch aus.
  • Das Projekt der Magic, aus jungen Talenten binnen fünf Jahren einen Titelkandidaten zu formen, gilt seit dieser Saison als gescheitert.
  • Orlando muss am Freitag gegen Charlotte gewinnen, um sich noch den achten Playoff-Platz im Osten zu sichern.
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Es läuft nicht bei den Orlando Magic, dem Team der deutschen Wagner-Brüder. Selbst wenn mit der allerletzten Chance die Playoff-Qualifikation gelingt, darf ihr NBA-Klub als gescheitert gelten – und Franz Wagner ist schon wieder verletzt.

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Dann passierte am Ende genau das Gegenteil dessen, wovon man als Kind träumt: Entscheidungsspiel, letzte Minute, Höchstspannung – doch man bekommt nicht den Ball, es passiert etwas ganz anderes. Ein Mitspieler rennt einen um, dabei verdreht man sich das linke Knie. Franz Wagner humpelte vom Parkett zum Tisch des Schiedsgerichts, stützte die Ellenbogen darauf und den Kopf in die Hände. Wenigstens sah er die Jubelhüpfer der gegnerischen Philadelphia 76ers nicht mehr, die die Partie am Mittwochabend 109:97 gewannen.

Was Wagner in diesem Moment sah, musste sich in seinem Kopf abspielen; und vielleicht hat er die ersten fünf Jahre seiner NBA-Karriere im Schnellvorlauf gesehen und bemerkt, wie wenig sich Erfolg planen lässt in dieser Liga. Vielleicht aber hat er die möglichen Szenarien der kommenden fünf Jahre gesehen und bemerkt, wie schwierig das werden dürfte mit dem großen Triumph – und wie gering seine Kontrolle darüber sein könnte.

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Denn: Natürlich ist das aufregend, wenn sich die Dramatik nach 82 Saisonspielen auf nur eine Partie zuspitzt. Sie vermarkten das meisterhaft im US-Sport. Super Bowl im Football, Game 7 in Finalserien anderer Disziplinen. Aber jetzt soll ein Duell megaspannend sein, nach dem lediglich feststeht, dass die 76ers als Siebter der Playoff-Setzliste in der ersten Runde gegen Boston Außenseiter sind. Und Orlando muss in der Nacht auf Samstag gegen Charlotte gewinnen für Platz acht im Osten, um sich eine Best-of-seven-Serie gegen Detroit (beste Bilanz im Osten, 60:22 Siege) zu erkämpfen. Das ist kein Super Bowl, kein Game 7. Orlandos Partie in der vergangenen Nacht war angesichts von 16 Playoff-Plätzen bei 30 Franchises das Duell um den Besten im Mittelmaß, und das kann Wagner nicht gefallen.

Schlimmer kann das Urteil über seine Magic nach dieser Partie kaum ausfallen. Die mussten sie nur deshalb auswärts absolvieren, weil sie die letzte Partie der regulären Saison gegen ein B-Team aus Boston tatsächlich verloren hatten. Die Partie am Freitag nun: die letzte Chance, die Saison erträglich zu gestalten. Oder anders betrachtet: die gewaltigen Probleme im Klub mit emotionalen Play-in-Partien, Playoffs und vielleicht ein, zwei Siegen gegen zu starke Pistons zu beschönigen.

Es mag provokant klingen, aber eventuell droht Franz Wagner, dass er am Ende seines aktuellen Vertrages in Orlando im Sommer 2030 mehr als 224 Millionen Dollar (abzüglich Steuer) auf dem Konto haben wird. Aber nicht ein Mal beweisen durfte, dass er ein NBA-Team in die Finalserie oder zum Titel führen kann. Keine Frage: Wagner schaffte in dieser Spielzeit mehr als 20 Punkte und fünf Rebounds pro Partie, ohne seine schwere Verletzung am Knöchel im Winter wäre er heißer Kandidat für eine All-Star-Berufung gewesen – er dürfte das jetzt in jeder Spielzeit sein. Von dem Moment aber, von dem Kinder träumen, von Game 7 in der Finalserie: Davon ist Wagner weit entfernt, und er kann nicht mal viel dafür.

Die Analyse zielt tief in die Strukturen seines Vereins. Das Projekt der Magic, mit dem Trainer Jamahl Mosley aus einer Ansammlung junger Hochbegabter innerhalb von fünf Jahren einen Titelkandidaten zu formen, darf seit dieser Saison als gescheitert gelten, und zwar unabhängig vom Ausgang der Partie am Freitag. Der Vertrag von Wagners Bruder Moritz läuft aus, er war in dieser Saison im Januar nach einem Kreuzbandriss zurückgekehrt und knapp zwölf Minuten pro Partie aktiv. Zuletzt aber bekam er kaum noch Spielzeit.

Wagners Kollege Paolo Banchero verdient ebenso fürstlich wie der Deutsche, aber ihm fehlt noch einiges, um in entscheidenden Momenten einen großen Einfluss zu haben.
Wagners Kollege Paolo Banchero verdient ebenso fürstlich wie der Deutsche, aber ihm fehlt noch einiges, um in entscheidenden Momenten einen großen Einfluss zu haben.
Emilee Chinn/Getty Images via AFP

Es ist immer einfach, ex post Gründe zu nennen. Klubs könnten ebenso viele anführen, warum die Bilanz eine himmelschreiende Ungerechtigkeit der Sportgötter sei. Zwei Beispiele aus Orlando: Ja, man muss darauf hinweisen, dass das Verletzungspech der Magic enorm gewesen ist. In dieser Saison erwischte es mal wieder Franz Wagner. Seit dem All-Star-Break im Februar absolvierte er nur sechs Partien, vor der Play-in-Partie war gewiss, dass er nicht bei 100 Prozent ist, und man muss den Zusammenprall am Ende wohl symbolisch sehen. Der lädierte Anführer kann die Niederlage nicht verhindern und wird weniger als 44 Stunden vor Beginn der letzten Chance noch mehr lädiert – vom Mitspieler.

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Aber vielleicht könnte man angesichts der zahlreichen und bisweilen arg ähnlichen Verletzungen (etwa Bauchmuskel bei Wagner und Kollege Paolo Banchero 2024) auch mal fragen, ob in Orlando bei Trainingsplan und Physiotherapie wirklich alles perfekt läuft.

Zweites Beispiel: der eben erwähnte Banchero. Der hat sich eben nicht so entwickelt, wie man gedacht hatte. Kann passieren. Was aber nicht passieren sollte: ihm nach drei Jahren auch mentaler Intensivanalyse einen Vertrag bis 2031 auszustellen, der mit bis zu 287 Millionen Dollar vergütet wird. Wagner interpretiert den Vertrag als Verantwortung, noch besser zu werden. Banchero seinen eher als Aufforderung, Defensivarbeit nicht mehr als Pflicht zu sehen sowie Ballverluste und Fehlwürfe gelassen hinzunehmen. Im Duell gegen die 76ers hatte er nach fünf Spielminuten ein technisches Foul, zwei Fouls und null Punkte – und am Ende sechs Ballverluste, 18 Punkte bei 31,8 Prozent Trefferquote. So einer soll bereit sein für ein Spiel sieben in der NBA-Finalserie?

Aus dem Umfeld des Vereins ist zu hören, dass nicht mal ein Playoff-Wunder den Job von Coach Mosley sichern würde. Die Trennung wäre eine nötige Korrektur, zahlreiche Probleme blieben dennoch. Mit der Entlassung würde der Verein eine Botschaft an Franz Wagner senden: Du bist kommende Saison nicht im sechsten Jahr eines Sechsjahresplans auf dem Weg zum Titelkandidaten. Sondern in Jahr eins eines Neubeginns.

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